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Backpacking in Kap Verde

Die meisten Deutschen kennen Kap Verde als Katalogseite: All-inclusive auf Sal, Strandliege auf Boa Vista, Sonnengarantie im europäischen Winter. Das ist die halbe Wahrheit. Der Archipel liegt rund 600 Kilometer vor Senegal mitten im Atlantik, besteht aus zehn Inseln (neun bewohnt, Santa Luzia ist leer) und jede davon tickt anders. Zwei Inseln sind Pauschal-Fabriken. Die anderen sieben sind der eigentliche Trip. Wer nur am Pool von Santa Maria hängt, verpasst grüne Bergtäler auf Santo Antão, einen aktiven Vulkan auf Fogo, kolonialen Zuckerrohr-Charme in Mindelo und Wanderwege, die es locker mit den Kanaren aufnehmen. Und ja, Kap Verde ist tropisch, aber im Inneren staubtrocken und auf den Kämmen ordentlich windig. Pack den Pulli ein, auch wenn das Thermometer 28 Grad zeigt.

Reisen auf Kap Verde ist anders

Kap Verde ist Westafrika, fühlt sich aber nicht so an. Das liegt an der Geografie. Zwischen dem Festland und den Inseln liegen hunderte Kilometer Ozean, und das hat eine eigene Kultur geformt. Portugiesische Kolonialgeschichte, afrikanische Wurzeln, eine riesige Diaspora. Von den rund einer halben Million Kapverdianern lebt etwa die Hälfte im Ausland, viele in Portugal, den Niederlanden oder Luxemburg. Sprich mit den Leuten und du triffst ständig jemanden, der mal in Rotterdam auf einem Schiff gearbeitet hat oder Familie in Lissabon hat. Das Reisen selbst ist entspannt. Kap Verde gilt als sicher, das Kriminalitätsniveau ist niedrig und hat mit dem afrikanischen Festland wenig zu tun.

In den Außenbezirken von Mindelo oder in manchen Vierteln der Hauptstadt Praia solltest du nachts aufpassen, aber das sind keine Ecken, in die dich als Traveler irgendwas zieht. Verglichen mit dem Dauer-Genöle in Marokko wirst du hier kaum belästigt. In Mindelo hat mich mal jemand um eine Spende für Schulhefte angehauen, das war schon das höchste der Gefühle. Was du dir merken musst: Die Inseln sind nicht mal eben verbunden. Es gibt keine Brücken, keine Fähre im Halbstundentakt, kein durchgehendes Flugnetz. Jeder Inselwechsel ist eine kleine Planung für sich, kostet Zeit oder Geld und manchmal beides. Wer drei Inseln in einer Woche abklappern will, verbringt den halben Urlaub auf Booten und Flughäfen. Weniger ist hier klar mehr.

Kultur auf Kap Verde

Die Kultur Kap Verdes hängt an der Musik. Morna ist der Nationalstil, langsam, melancholisch, und Cesária Évora, die „barfüßige Diva“ aus Mindelo, hat ihn in die Welt getragen. Dazu kommen schnellere Sachen wie Coladeira und Funaná, die du abends in den Bars hörst. Wer in Mindelo abends durch die Gassen läuft, hört live gespielte Musik aus offenen Türen. Das ist kein Touri-Programm, das machen die Leute für sich. Amtssprache ist Portugiesisch, gesprochen wird im Alltag aber Kriolu, das kapverdische Kreol. Etwa 14 Prozent der Bevölkerung sprechen auch Französisch, was mich auf Santo Antão anfangs überrascht hat, als mir Leute auf Französisch antworteten.

Englisch verstehen vor allem die, die im Tourismus arbeiten. Mit ein bisschen Portugiesisch oder Spanisch und Händen und Füßen kommst du überall durch. Ein Wort solltest du kennen: Morabeza. Das ist die kapverdische Gastfreundschaft, und die ist echt. Historisch waren die Inseln vor dem 15. Jahrhundert unbewohnt. Die Portugiesen kolonisierten sie ab 1462 und machten Cidade Velha auf Santiago zum Umschlagplatz im atlantischen Sklavenhandel. Die Sklaverei wurde erst 1878 abgeschafft, unabhängig von Portugal wurde das Land 1975. Seit den 1990ern ist Kap Verde eine stabile Demokratie, was in der Region keine Selbstverständlichkeit ist. Koloniales Gebäude in Mindelo, Kap Verde

Kulturelle Sehenswürdigkeiten auf Kap Verde

Kap Verde ist kein Land der großen Monumente, die Kultur steckt in den Orten und Landschaften. Trotzdem gibt es ein paar Stätten, die du dir anschauen solltest. Ganz oben steht Cidade Velha auf Santiago, die älteste europäische Kolonialstadt in den Tropen und seit 2009 UNESCO-Weltkulturerbe. Darüber thront die Festung Fortaleza Real de São Filipe. Hier mal eine Liste mit den lohnenswertesten Kultur- und Landschafts-Highlights:

  • Cidade Velha (Ribeira Grande de Santiago), UNESCO-Weltkulturerbe
  • Fortaleza Real de São Filipe über Cidade Velha
  • Historisches Zentrum von Mindelo mit kolonialer Architektur (São Vicente)
  • São Filipe mit den herrschaftlichen Sobrados aus dem 19. Jahrhundert (Fogo)
  • Pico do Fogo und der Naturpark Fogo
  • Chã das Caldeiras, das Dorf im Vulkankessel (Fogo)
  • Salinen von Pedra de Lume im Krater eines erloschenen Vulkans (Sal)
  • Cova-Krater und das Paúl-Tal (Santo Antão)
  • Fontainhas, das Dorf an der Steilküste (Santo Antão)
  • Tarrafal auf Santiago, Strand und zugleich Ort des früheren Straflagers Campo do Tarrafal
  • Naturreservat Tartaruga mit den Schildkröten-Niststränden (Boa Vista)

Ein Hinweis zu Tarrafal: Der Strand ist schön, aber der Ort hat eine dunkle Geschichte. Hier betrieb das portugiesische Salazar-Regime ein berüchtigtes Lager für politische Gefangene. Das Gelände kann man besichtigen, und ich finde, man sollte es auch.

Kap-Verde-Reise: Was gibt es zu beachten?

Die größte Stolperfalle ist die Planung zwischen den Inseln. Santo Antão und Brava haben keinen funktionierenden Flughafen, du kommst nur per Fähre hin. Fähren fallen bei rauer See gern mal aus, und Inlandsflüge sind teuer und nicht täglich. Wer eine straffe Route mit festem Rückflug bucht, sollte immer einen Puffertag einplanen. Sonst stehst du im Hafen und die nächste Fähre geht erst in drei Tagen. Dann das Geld. Die Landeswährung ist der Escudo, fest an den Euro gekoppelt zu rund 110 Escudos pro Euro. Den Escudo bekommst du nirgends außerhalb des Landes und ausführen darfst du ihn offiziell auch nicht.

Es gibt Geldautomaten auf allen bewohnten Inseln, aber die Gebühren sind happig. Nimm etwas Bargeld mit, sobald du in kleinere Orte fährst, da nehmen viele Läden keine Karte. Und rechne damit, dass die Inseln sehr verschiedene Preisniveaus haben. Sal und Boa Vista sind Resort-teuer, Santiago und Santo Antão deutlich günstiger. Klima nicht unterschätzen. Auf den Kämmen von Santo Antão und oben am Pico do Fogo weht es kräftig und wird nachts frisch. An der Küste kann es tagsüber richtig heiß sein, im Landesinneren staubtrocken. Sonnencreme und Sonnenbrille sind Pflicht, ein leichter Pulli gehört trotzdem in den Rucksack. Eine ordentliche Packliste hilft, weil du hier vom Badestrand bis zur 2800-Meter-Wanderung alles dabei haben musst.Bergstraße auf Kap Verde mit Blick auf die Insellandschaft

Backpacker Routen auf Kap Verde

Backpacker-Routen auf Kap Verde stehen und fallen mit der Frage: Wie viele Inseln schaffe ich, ohne den halben Urlaub im Transit zu verbringen? Meine ehrliche Empfehlung: zwei bis vier Inseln, nicht mehr. Die Barlavento-Gruppe im Norden (São Vicente, Santo Antão, São Nicolau, Sal, Boa Vista) und die Sotavento-Gruppe im Süden (Santiago, Fogo, Brava, Maio) lassen sich jeweils gut kombinieren, weil die Inseln nah beieinander liegen. Wer quer durch den Archipel springt, zahlt bei den Flügen ordentlich drauf. Wie immer hängt die Route von Zeit, Budget und deinen Interessen ab. Wenn du wandern willst dann gehören Santo Antão und Fogo auf die Liste. Strändeunde und Wassersport gibt es in Sal und Boa Vista dran. Kombinieren ist leicht, weil São Vicente (Mindelo) und Santo Antão nur eine kurze Fährfahrt trennt. Jetzt ein paar konkrete Vorschläge. Route 1: Der Klassiker (12-16 Tage)

  • 2-3 Tage: Ankunft auf Sal, Santa Maria, Buracona und die Salinen von Pedra de Lume
  • 3-4 Tage: São Vicente mit Mindelo, der heimlichen Kulturhauptstadt, plus Baía das Gatas und Laginha-Strand
  • 4-5 Tage: Santo Antão zum Wandern, Cova-Krater ins Paúl-Tal und die Küstentour Ponta do Sol nach Cruzinha
  • 2-3 Tage: Santiago mit Praia, Cidade Velha und dem Strand von Tarrafal im Norden

Diese Runde bleibt bewusst kompakt und lässt sich fast komplett per Fähre und einem einzigen Inlandsflug machen. Wer mehr Zeit und Lust auf einen aktiven Vulkan hat, hängt Fogo dran und macht daraus die große Tour. Route 2: All or Nothing (24-30 Tage) Die oben genannten Ziele sind auch hier Teil des Trips.

  • 3-4 Tage: Fogo, Aufstieg auf den Pico do Fogo und Übernachten in Chã das Caldeiras beim Winzer
  • 1-2 Tage: São Filipe auf Fogo mit den kolonialen Sobrados und dem Schwarzstrand
  • 2-3 Tage: Brava, die grüne „Blumeninsel“, nur per Fähre ab Fogo erreichbar
  • 2-3 Tage: São Nicolau, ruhige Wanderinsel abseits der Massen, Monte Gordo Naturpark
  • 3-4 Tage: Boa Vista mit den Wüstendünen, dem Wrack der Cabo Santa Maria und den Schildkröten (Juni bis Oktober)
  • 2-3 Tage: Maio, die vielleicht leerste Insel mit endlosen Stränden fast ohne Tourismus
  • 2-3 Tage: mehr Zeit auf Santo Antão für abgelegene Täler wie Ribeira da Torre bis zum Wasserfall

Diese Route ist etwas für Leute mit Zeit und Nerven für die Fährpläne. Brava und Maio sind Geheimtipps, aber genau dort schlägt die Transportfrage am härtesten zu. Plan da großzügig.

Reisezeiten auf Kap Verde

Die beste Reisezeit ist von November bis April. Dann ist es trocken, sonnig und angenehm warm, im Februar meist zwischen 25 und 30 Grad. Das ist die klassische Flucht aus dem europäischen Winter. Die Regenzeit läuft von Juli bis Oktober, was nicht heißt, dass es durchregnet, aber du kannst Pech haben. Der Vorteil dieser Monate: Nach dem Regen sind die Berge auf Santo Antão und in den Tälern am grünsten, und die Schildkröten nisten. Zum Wandern taugen auf Santo Antão fast alle Monate von November bis Juni. Am Pico do Fogo ist Trockenzeit klar besser, sonst wird der Aschehang zur Rutschbahn.

Backpacker Budget auf Kap Verde

Kap Verde ist kein Schnäppchenland, aber auch kein Preisschock. Ich würde es als mittleres Budget einordnen. Nicht so billig wie manche Ecken Asiens oder Lateinamerikas, aber deutlich günstiger als Westeuropa. Auf meinen Touren, vor allem auf Santo Antão und São Vicente, lag ich ohne groß zu knausern bei etwa 40 bis 45 Euro am Tag. Wer sparsam unterwegs ist und die touristischen Inseln meidet, drückt das noch. Hier eine grobe Aufteilung: Tägliches Budget pro Person etwa 40-45 Euro

  • Unterkunft 15-25 Euro
  • Essen 8-12 Euro
  • Wasser 1-2 Euro
  • Lokaler Transport (Aluguer) 2-5 Euro
  • Aktivitäten und Touren stark schwankend

Der große Kostentreiber sind nicht Essen oder Schlafen, sondern das Inselhopping. Ein Traveler hat mir erzählt, er habe über 1000 Euro allein für Inlandsflüge ausgegeben, weil er alle zwei Tage die Insel gewechselt hat. Ich habe für meine Flüge von und nach Kap Verde rund 500 Euro bezahlt und mich auf zwei Inseln plus Fähre konzentriert. Merkst du den Unterschied? Genau hier entscheidet sich dein Budget.Küste im Paúl-Tal auf Santo Antão, Kap Verde

Preiswert auf Kap Verde reisen

In einem einfachen lokalen Restaurant zahlst du für ein Gericht etwa 4 bis 5 Euro, oft mit ordentlichen Portionen. In den touristischen Läden auf Sal oder in Mindelo sind es eher 7 bis 8 Euro. Ein Zimmer in einer schlichten Pensão oder Guesthouse kostet ab rund 18 Euro, schön eingerichtete Airbnb-artige Häuser gehen bis 45 Euro hoch. Dorms sind selten und lohnen sich preislich kaum, oft liegen sie bei 14 bis 18 Euro und damit fast auf dem Niveau eines Privatzimmers.

Ein lokales Strela-Bier kostet etwa 2 bis 3 Euro. Der große Spartrick heißt Aluguer. Das sind Sammel-Minibusse, meist umgebaute Hiace-Vans, die auf festen Strecken fahren und losfahren, wenn sie voll sind. Zwischen Dörfern zahlst du dafür oft nur um die 1 Euro. Von Ribeira Grande nach Xoxo auf Santo Antão zum Beispiel etwa 90 Cent. Nutze die statt Taxis, dann sparst du richtig und lernst nebenbei Leute kennen. Ein paar konkrete Beispiele für Ausgaben vor Ort:

  • Aluguer zwischen Dörfern: ab etwa 1 Euro
  • Aluguer Mindelo Innenstadt zum Hafen: wenige Euro
  • Fahrt vom Fähranleger Porto Novo ins Zentrum von Santo Antão (Cova): rund 18 Euro pro Fahrt, weil es dort oben keinen Ort gibt, wo Alugueres warten
  • Mietwagen (kleiner Suzuki Jimny): ab etwa 40 Euro am Tag
  • Geführte Tageswanderung: rund 40 bis 50 Euro pro Person
  • Privater Inseltag im Minivan: 50 bis 100 Euro je nach Insel und Gruppe

Wer auf Santo Antão in die Berge will, teilt sich die teure Fahrt zum zentralen Ausgangspunkt am besten mit anderen Travelern. Die 18 Euro tun einzeln weh, aufgeteilt auf vier Leute sind sie egal. Und zahl mit einer gebührenfreien Karte wie Wise oder Revolut, wo es geht, denn die Automatengebühren fressen sonst dein Erspartes.

Backpacker Unterkünfte auf Kap Verde

Bei den Unterkünften musst du dich vom klassischen Hostel-Denken lösen. Echte Backpacker-Hostels gibt es kaum, die meisten findest du noch auf Santiago rund um Praia. Der Standard auf den Inseln ist die Pensão oder das Guesthouse, oft familiengeführt, einfach, aber sauber und mit viel Herz. Genau das macht Kap Verde aus. Du wohnst bei Leuten, die dir morgens erzählen, welche Fähre heute wirklich fährt. Auf Sal und Boa Vista dominieren dagegen große All-inclusive-Resorts. Wenn du budgetmäßig unterwegs bist, sind die weder nötig noch spannend.

Such dir in Santa Maria oder Sal Rei stattdessen eine Guesthouse abseits der Anlagen. Auf São Vicente gibt es in Mindelo mit Simabo’s Backpackers sogar ein Charity-Hostel, das gleichzeitig eine Tierrettung finanziert. Auf Santo Antão hat das Black Mamba in der Nähe von Ponta do Sol eine Art Hostel-Atmosphäre und ist ein guter Ort, um andere Wanderer zu treffen. Buchen kannst du vieles über Booking.com oder Hostelworld, aber sei gewarnt: Ein großer Teil der günstigen Häuser nimmt die Zahlung nur vor Ort in bar. Rechne also mit Bargeldbedarf. In der Hauptsaison und rund um Events wie den Karneval in Mindelo (Februar) oder das Baía-das-Gatas-Festival (August) wird es eng, dann solltest du vorbuchen.

Sonst kannst du dich auf Santo Antão gut von Etappe zu Etappe durchfragen und jeweils die nächste Nacht organisieren, das klappt entspannt. Wer ganz ohne Budget für Unterkunft auskommen will, findet in unserem Artikel zu Couchsurfing-Alternativen ein paar Ideen, auch wenn die Community auf Kap Verde klein ist. Ein realistischer Hinweis: Kap Verde ist kein Land, in dem du dauernd andere Backpacker triffst. Die Szene ist überschaubar. Wer gern in geselligen Hostels versackt, wird das hier vermissen. Wer dagegen mit Alleinsein und Kontakt zu Einheimischen klarkommt, hat einen großartigen Trip vor sich.

Backpacker Trips, Tipps & Highlights auf Kap Verde

Wer Reiseziele auf Kap Verde sucht, sollte sich früh entscheiden, was er will. Der Archipel spreizt sich zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite die flachen Sandinseln Sal und Boa Vista mit Traumstränden und Resorts. Auf der anderen Seite die grünen, zerklüfteten Bergwelten von Santo Antão und Fogo, wo gewandert statt gebadet wird. Beides in einem Trip geht, kostet aber Zeit für die Wechsel. Fang mit der Frage an, ob dein Herz mehr am Strand oder am Berg hängt, und plan von dort aus.Strand von Santa Maria auf Sal, Kap Verde

Die schönsten Strände auf Kap Verde

Die Strände liegen fast alle auf Sal und Boa Vista, und die sind zu Recht berühmt. Santa Maria auf Sal ist der Hauptort für Sonne und Wassersport, hier wird gekitet und gesurft, dazu Bars und Restaurants am Sand. Auf Sal solltest du zwei Naturspots einplanen: die Salinen von Pedra de Lume, wo du im Kratersee eines erloschenen Vulkans schwerelos im salzigen Wasser treibst, und das Buracona mit dem „Blue Eye“, einem Felsloch, das um die Mittagszeit intensiv blau leuchtet, wenn die Sonne direkt in die Unterwasserhöhle fällt. Früher oder später am Tag ist der Effekt weg, also Timing beachten.

Boa Vista ist die wildere, leerere Schwester. Rund 55 Kilometer Strand, Wüstendünen und viel Platz. Die Praia de Santa Mónica gilt als einer der schönsten Strände des Archipels, die Praia da Chave ist ebenfalls stark. Vor der Küste rostet das Wrack der Cabo Santa Maria vor sich hin, ein beliebtes Fotomotiv. Der Hauptort Sal Rei hat ein paar gute Restaurants und einen Markt. Wer wirklich Ruhe sucht, fährt weiter auf die kaum besuchte Insel Maio, die noch leerere Strände hat. Ein ehrliches Wort zu den Strandinseln: Sal und Boa Vista sind flach, karg und stark auf Pauschaltourismus getrimmt.

Wenn du Berge, Grün und Dörfer erwartest, wirst du hier enttäuscht. Für ein paar Strandtage top, als Hauptziel eines Backpacker-Trips zu eintönig. Ich würde sie als Auftakt oder Ausklang einbauen, nicht als Kern der Reise. Auf São Vicente lohnt die Praia de Laginha direkt in Mindelo für ein schnelles Bad, und auf Santiago ist der Strand von Tarrafal im Norden ein Klassiker mit Palmen und ruhigem Wasser.

Backpacker Highlights auf Kap Verde

Das Highlight für viele ist Mindelo auf São Vicente, die kulturelle Seele des Landes. Kolonialarchitektur in Pastell, ein tiefer Naturhafen, überall Musik. Man nennt die Stadt manchmal das „kleine Brasilien“ Afrikas, und der Karneval im Februar macht dem Vergleich alle Ehre. Über der Bucht wacht der markante Berg Monte Cara, dessen Silhouette an ein liegendes Gesicht erinnert. Setz dich abends in ein Lokal wie das Café Musique und lass dich von Live-Coladeira durch den Abend tragen. Die Schildkröten sind ein weiteres Highlight, aber eines mit Verantwortung.

Zwischen Juni und Oktober nisten unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) an den Stränden, besonders auf Boa Vista. Der Strand Ervatão allein bekommt rund 70 Prozent aller Nester der Insel ab. Wichtig: Es ist verboten, in der Nistsaison nachts ohne lizenzierten Guide an die Niststrände zu gehen. Buch die Tour bei einer anerkannten Schutzorganisation wie der Fundação Tartaruga oder Project Biodiversity. Wildern ist hier immer noch ein Problem, und die grell beleuchteten Resorts verwirren die Schlüpflinge. Wer die Tiere sehen will, unterstützt mit der richtigen Tour den Schutz statt den Schaden. Zwischen Februar und Mai ziehen außerdem Buckelwale an Sal und Boa Vista vorbei.Strand bei Sal Rei auf Boa Vista, Kap Verde

Fähren und Inselhopping auf Kap Verde

Das Inselhopping ist das Thema, an dem die meisten Reisen scheitern oder gelingen. Deshalb hier die Details, die in vielen Guides fehlen. Es gibt zwei Wege zwischen den Inseln: Fähre und Flug. Die Fähren betreibt hauptsächlich CV Interilhas, dazu ein neuerer Anbieter namens Nôs Ferry. Die zuverlässigste Verbindung ist die kurze Strecke zwischen Mindelo (São Vicente) und Porto Novo (Santo Antão). Sie dauert rund 50 bis 60 Minuten, fährt mehrmals täglich und fällt selten aus. Genau deshalb ist die Kombi São Vicente plus Santo Antão der Klassiker für Backpacker. Santo Antão hat keinen funktionierenden Flughafen, die Fähre ist der einzige Weg hin.

Tickets bekommst du online über cvinterilhas.cv oder direkt am Hafenschalter, der meist rund zwei Stunden vor Abfahrt öffnet. Für die Barlavento-Linie ist am selben Tag fast immer ein Platz frei. Bei den längeren Strecken wird es zäh. Die Redonda-Linie verbindet São Vicente, São Nicolau, Sal, Boa Vista und Santiago nur etwa zwei bis drei Mal pro Woche. Die Sotavento-Linie im Süden (Maio, Santiago, Fogo, Brava) fährt ähnlich selten. Santiago nach Fogo dauert bei rund 110 Kilometern etwa fünf Stunden und geht nur ein paar Mal die Woche. Preise liegen grob zwischen 8 und 45 Euro je nach Distanz. Drei Dinge musst du wissen: Die See kann rau sein, Reisetabletten gehören ins Gepäck. Fahrpläne ändern sich wetterabhängig, check immer am Vortag. Und Ausfälle kommen vor, plan Puffer.

Die lange Strecke São Vicente nach Santiago per Fähre würde ich mir sparen, das frisst einen ganzen Tag. Bei den Flügen hat sich 2026 einiges getan, und das kennen viele ältere Reiseführer noch nicht. Nach Jahren mit wechselnden Airlines und Pleiten fliegt seit dem 1. April 2026 der neue staatliche Carrier CVsky (Marke der Linhas Aéreas de Cabo Verde) alle Inlandsverbindungen. Vorher hatte die Vorgänger-Gesellschaft BestFly im April 2024 den Betrieb eingestellt, danach sprang übergangsweise die internationale TACV ein.

CVsky fliegt mit ATR-Turboprops zwischen Santiago, Sal, São Vicente, Boa Vista, Fogo, São Nicolau und Maio. Die kürzeste Strecke Praia nach Maio dauert etwa 15 Minuten, die längste Praia nach São Vicente rund 55 Minuten. Nicht jede Insel wird täglich angeflogen, und Flugpläne werden oft nur wenige Monate im Voraus veröffentlicht. Buch früh, vor allem rund um Karneval und Festivals. Ob CVsky die Zuverlässigkeit dauerhaft hinbekommt, muss sich noch zeigen, die Vergangenheit war holprig.

Wandern und Abenteuer auf Kap Verde

Wer wandert, kommt für Santo Antão und Fogo. Das sind zwei der besten Wanderinseln im Atlantik, und hier verbringst du deine Zeit deutlich sinnvoller als am Poolrand von Sal. Santo Antão ist ein Paradies für Wanderer. Die Insel ist grün, zerklüftet und vom Massentourismus verschont. Der Klassiker ist der Abstieg vom Cova-Krater ins Paúl-Tal, vorbei an Bananen- und Kaffeeterrassen und kleinen Weilern. Rechne für die volle Variante etwa sechs Stunden, es gibt aber auch kürzere Versionen, die sich auf das grüne Tal konzentrieren. Der zweite große Weg ist die Küstenwanderung von Ponta do Sol nach Cruzinha, die durch das fotogene Bergdorf Fontainhas führt, das an einer Steilküste klebt. Der Pfad ist stellenweise steil und ausgesetzt, dafür entschädigen die Blicke auf den Atlantik. Ein dritter Favorit: von Água das Caldeiras über Xoxo mit seinem markanten Felszahn hinunter ins Tal von Ribeira Grande, rund 12 Kilometer in etwa fünf Stunden.

Als Basis eignen sich Ponta do Sol, Ribeira Grande oder eine Guesthouse im Paúl-Tal. Ein Guide ist auf den Hauptwegen nicht zwingend nötig, die Pfade sind meist klar und in den Dörfern kannst du nach dem Weg fragen. Für die abgelegeneren Routen oder den höchsten Punkt der Insel, den Tope de Coroa mit 1979 Metern, ist ein lokaler Guide dagegen sinnvoll, weil die Pfade dort schwer zu finden sind. Nimm auf allen Touren genug Wasser mit, unterwegs gibt es kaum Nachschub, und feste Schuhe sind Pflicht.

Ein praktischer Tipp: Von Cruzinha zurück einen Aluguer zu finden ist mühsam, kehr lieber schon in Formiguinhas um und lauf zurück nach Ponta do Sol. Das größte Abenteuer ist der Pico do Fogo, mit 2829 Metern der höchste Punkt Kap Verdes und ein aktiver Vulkan. Der letzte Ausbruch 2014/2015 zerstörte weite Teile des Dorfes Chã das Caldeiras und die Straße hinunter, ein früherer Ausbruch 1995 schuf den Nebenkrater Pico Pequenho. Das Dorf liegt auf rund 1700 Metern in einem gewaltigen Kessel, der von bis zu 1000 Meter hohen Wänden umringt ist, der Bordeira. Trotz des Namens ist das keine klassische Caldera, sondern das Ergebnis eines riesigen Bergrutsches vor zigtausend Jahren, der einen Tsunami auslöste.

Auf dem schwarzen, fruchtbaren Boden wachsen heute Wein und Kaffee, und den Chã-Wein solltest du unbedingt probieren. Der Aufstieg dauert rund drei bis vier Stunden, der Abstieg über den Aschehang eine gute Stunde, weil du fast hinunterrennst. Insgesamt bist du etwa vier bis sieben Stunden unterwegs, gut 12 Kilometer und rund 1000 Höhenmeter. Der Gipfel ist nur mit lizenziertem Bergführer erlaubt, und das ist auch gut so, denn der Nebenjob sichert vielen Familien in Chã ein Einkommen. Rechne für einen lokalen Guide mit etwa 25 bis 50 Euro pro Person, für organisierte Touren mit Transport ab São Filipe eher 60 bis 100 Euro. Ein Schweizer Wanderer hat mir von rund 60 Euro berichtet.

Starte früh am Morgen, nimm zwei bis drei Liter Wasser mit, dazu Sonnenschutz und feste Schuhe mit gutem Profil, denn die scharfe Lava zerlegt dir sonst die Turnschuhe. Und check vorher immer den aktuellen Status des Vulkans, bei erhöhter Aktivität sind die Wege dicht. Anreise nach Fogo: per Flug oder Fähre nach São Filipe, dann mit dem Aluguer hinauf nach Chã das Caldeiras. Die Fahrt über die kurvige Straße dauert rund ein bis zwei Stunden. Wer den Vulkan richtig auskosten will, bleibt zwei bis drei Nächte im Kessel, dann hast du Zeit für Gipfel, Weinprobe und die Wanderung hinunter zur Nordküste.Lavafeld am Vulkan Pico do Fogo, Kap Verde

Essen und Trinken auf Kap Verde

Die kapverdische Küche ist deftig, ehrlich und hängt an dem, was Meer und karge Böden hergeben. Das Nationalgericht ist die Cachupa, ein langsam gekochter Eintopf aus Mais, Bohnen, Wurzelgemüse und je nach Geldbeutel Fisch oder Fleisch. Die reichhaltige Variante mit Wurst, Ziege oder Rind heißt Cachupa Rica, die schlichte Cachupa Pobre. Traditionell wird sie samstags gekocht, und in vielen Restaurants gibt es sie nur einmal die Woche. Beim Frühstück triffst du auf Cachupa Refogada, die aufgebratene Reste vom Vortag mit einem Spiegelei obendrauf, in Mindelo gern mit Linguiça-Wurst. Dazu passt Cuscus, ein gedämpftes Maisbrot, das mit Honig und Kaffee serviert wird. An der Küste dreht sich viel um Fisch.

Probier Caldo de Peixe, eine kräftige Fischsuppe, oder Arroz de Marisco, einen Meeresfrüchte-Reis. Beliebt sind auch Jagacida, ein Bohnen-Reis-Eintopf, und Bafa, langsam geschmortes Schweinefleisch. In den kleinen Lokalen wirst du oft von außen nicht erkennen, wie gut das Essen ist. Lass dich nicht vom schmucklosen Äußeren abschrecken, gerade die unscheinbaren Buden servieren die beste Cachupa. Beim Trinken führt kein Weg am Grogue vorbei, dem Zuckerrohrschnaps, der vor allem auf Santo Antão gebrannt wird. Das Zeug ist stark, sei gewarnt. Aus Grogue und Zuckerrohrmelasse mit Zitrusnote entsteht der süßere Pontche, ein guter Absacker. Das lokale Bier heißt Strela, ein leichtes Lager, das dir überall begegnet. Beim Wasser gilt: Auch wenn Einheimische das Leitungswasser trinken, greif als Reisender lieber zur Flasche. Und trink bei den Wanderungen und dem trockenen Klima insgesamt genug, das unterschätzt man hier schnell.

Backpacker Visum und Einreise auf Kap Verde

Die Einreise ist für Deutsche unkompliziert, aber es gibt eine Pflichtregistrierung, die du nicht vergessen darfst. Deutsche, österreichische und schweizerische Staatsangehörige brauchen für touristische Aufenthalte bis zu 30 Tagen seit 2019 kein Visum mehr. Der Reisepass muss bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein. Statt eines Visums musst du dich vorab online über die Plattform EASE (Efficient Automatic and Safe Entry) unter www.ease.gov.cv registrieren, spätestens fünf Tage vor Abreise. Bei dieser Registrierung zahlst du auch die Flughafensicherheitsgebühr TSA (Taxa de Segurança Aeroportuária). Sie beträgt für internationale Flüge 3400 Escudos, also rund 30 bis 31 Euro pro Person.

Kinder unter zwei Jahren sind befreit. Ohne gültige EASE wird die Einreise verweigert. Neu und wichtig für 2026: Wer nicht vorab registriert und die Gebühr erst am Flughafen zahlen will, riskiert eine Strafgebühr. Die Behörden hatten geplant, den Betrag bei Zahlung vor Ort auf 6800 Escudos (rund 64 Euro) zu verdoppeln. Diese Regel wurde zwischenzeitlich offenbar wieder ausgesetzt, kann aber jederzeit zurückkommen. Sicher ist sicher: Mach die EASE-Registrierung rechtzeitig online, dann sparst du Geld und die lange Schlange bei der Ankunft. Für Inlandsflüge zwischen den Inseln fällt übrigens eine kleine TSA von 150 Escudos (etwa 1,40 Euro) an, die meist im Ticket steckt. Wer mit dem Segelboot kommt, darf nur über die Häfen von Praia, Mindelo oder Palmeira (Sal) einreisen. Die Angaben zu Einreise und Gebühren ändern sich immer wieder. Check vor der Reise die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes, dort steht der jeweils gültige Stand.

Impfungen und medizinische Hinweise

Für die direkte Einreise aus Deutschland sind laut Auswärtigem Amt keine Pflichtimpfungen vorgeschrieben. Wer aus einem Gelbfiebergebiet einreist, muss ab einem Alter von zwölf Monaten eine Gelbfieberimpfung nachweisen. Empfohlen wird eine Impfung gegen Hepatitis A. Je nach individueller Situation kommen Impfungen gegen Dengue, Hepatitis B und Typhus infrage. Achte darauf, dass deine Standardimpfungen nach dem STIKO-Kalender aktuell sind, besonders der Masernschutz. Ein realistischer Hinweis zum Schluss dieses Abschnitts: Die medizinische Versorgung auf Kap Verde ist nicht mit der in Deutschland vergleichbar. Auf den kleinen Inseln wie Brava oder Maio ist sie noch dünner. Eine gute Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport gehört ins Gepäck, gerade wenn du am Pico do Fogo oder in den Bergen von Santo Antão unterwegs bist. Nimm eine kleine Reiseapotheke mit, inklusive Reisetabletten für die Fährfahrten, denn die Überfahrten können ordentlich schaukeln.