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Backpacking auf den Seychellen

Die Seychellen kennt fast jeder von einem Foto: weißer Sand, türkises Wasser, dazwischen diese runden Granitfelsen, die aussehen, als hätte sie ein Riese hingelegt. 115 Inseln, sieben Grad südlich vom Äquator, mitten im Indischen Ozean. Und jetzt kommt der Haken, den dir die Hochglanzprospekte verschweigen. Für Backpacker sind die Seychellen so ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich unter günstigem Rucksackreisen vorstellt. Hier gibt es keine Dorm-Betten für acht Euro, kein Wildcampen am Strand, keine Zwei-Euro-Streetfood-Kette wie in Südostasien. Wer nicht aufpasst, gibt hier am Tag mehr aus als in Madagaskar in einer Woche.

Trotzdem lohnt sich der Trip, und man kann ihn günstiger machen, als die meisten denken. Es kommt darauf an, wie du reist. Selbstversorgung in einer kleinen Pension, öffentlicher Bus statt Taxi, Fähre statt Inlandsflug, und du landest bei einem Budget, mit dem sich die Inseln machen lassen. Ich zeige dir hier die drei Hauptinseln Mahé, Praslin und La Digue, sage dir, was sich lohnt und was nur Geld frisst, und rechne dir die echten Preise in Euro vor. Vorab schon mal so viel: Malaria gibt es hier keine, Zyklone auch nicht, dafür seit Ende 2025 einen Chikungunya-Ausbruch. Dazu später mehr.

Reisen auf den Seychellen ist anders

Auf den Seychellen läuft Tourismus anders als in vielen Backpacker-Ländern. Es gibt kein durchgängiges Hostel-Netz und keine ausgetretene Bananenpancake-Route, auf der du dich von Party zu Party hangelst. Der Staat hat früh auf hochpreisigen Tourismus gesetzt und lange bewusst wenig Massenware zugelassen. Das merkst du an jeder Ecke. Die Inseln sind sauber, die Natur ist streng geschützt, und viele Buchten gehören faktisch einem einzigen Resort.

Für dich als Rucksackreisenden heißt das zwei Dinge. Erstens: Du bewegst dich viel zwischen kleinen Pensionen und Selbstversorger-Apartments, meist familiengeführt, oft ohne große Website. Zweitens: Die spannenderen Ecken erschließt du dir zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Linienbus, nicht mit dem gebuchten Ausflugspaket. Genau das macht den Reiz aus. Auf La Digue fährst du mit dem Rad an Ochsenkarren vorbei, auf Mahé quatschst du im blauen SPTC-Bus mit Einheimischen, und in Victoria kaufst du auf dem Markt Fisch für dein Abendessen. Wer sich darauf einlässt, erlebt die Seychellen näher an den Menschen, als es die meisten Pauschalurlauber je tun.

Ein Wort zur Größe. Die Seychellen sind winzig. Mahé ist gerade mal 27 Kilometer lang, La Digue umrundest du mit dem Rad in ein paar Stunden. Das bedeutet kurze Wege und wenig Zeitverlust beim Reisen, ganz anders als in einem Flächenland. Der Nachteil: Wirklich abgeschieden bist du auf den drei Hauptinseln selten. An den Foto-Stränden triffst du in der Hochsaison auf ordentlich Volk.

Kultur auf den Seychellen

Die seychellische Kultur ist kreolisch, und das durch und durch. Als die ersten Siedler im 18. Jahrhundert kamen, waren die Inseln unbewohnt. Was heute die Seychellois ausmacht, ist über Generationen zusammengewachsen: afrikanische Wurzeln über die Sklaverei, dazu französische und britische Kolonialgeschichte, indische und chinesische Händler, madagassische Einflüsse. Daraus entstand eine eigene Sprache, das Seselwa, ein französisch basiertes Kreol. Amtssprachen sind Seselwa, Englisch und Französisch, und im Alltag wechseln die Leute munter hin und her.

Mit Englisch kommst du überall durch, das macht die Seychellen für Erstreisende angenehm entspannt. Die Stimmung ist ruhig, fast schläfrig. Wer aus dem hektischen Marokko-Trubel kommt, merkt den Unterschied sofort. Musik läuft trotzdem viel, vor allem der lokale Sega und Moutya, ein Trommelrhythmus mit afrikanischen Wurzeln, den du bei Festen zu hören bekommst. Der größte Termin im Kalender ist das Kreolfest (Festival Kreol) im Oktober, meist auf Mahé und Praslin. Wenn du in dem Zeitraum da bist, geh hin. Da zeigt sich die Kultur ungeschminkt, mit Essen, Tanz und Musik.

Religiös sind die Seychellen stark katholisch geprägt, sonntags ist die Kirche voll. Daneben gibt es kleine hinduistische und muslimische Gemeinden, in Victoria steht sogar ein farbenfroher Hindu-Tempel mitten in der Stadt. Wenn dich das Thema Kultur tiefer interessiert, lies auch meinen älteren Bericht über Backpacking auf den Seychellen durch Ethnotourismus. Da geht es weniger um Preise und mehr um die Begegnung mit den Menschen vor Ort.Hindu-Tempel im Zentrum von Victoria, Mahé, Seychellen

Kulturelle Sehenswürdigkeiten auf den Seychellen

Kulturhistorisch sind die Seychellen kein Ägypten. Große antike Bauwerke oder Tempelanlagen wirst du hier nicht finden, dafür ist das Land zu jung. Was es gibt, sind koloniale Spuren, kleine Museen und vor allem Natur, die zum Weltkulturerbe zählt. Die UNESCO führt zwei Stätten auf den Seychellen, beide werden dich mehr über die Inseln lehren als jedes Museum:

  • Vallée de Mai auf Praslin (UNESCO-Weltnaturerbe, Heimat der Coco de Mer)
  • Aldabra-Atoll (UNESCO-Weltnaturerbe, eines der größten Korallenatolle der Welt, kaum erreichbar)
  • Nationalmuseum für Geschichte in Victoria (Kolonialzeit, Sklaverei, Alltagskultur)
  • L’Union Estate auf La Digue (alte Kokos- und Vanilleplantage mit Kopra-Mühle)
  • Sir Selwyn Selwyn-Clarke Market in Victoria (der Bauch der Hauptstadt)
  • Clock Tower „Little Ben“ und Hindu-Tempel im Zentrum von Victoria
  • Domaine de Val des Prés (Craft Village) auf Mahé mit alten Kreolhäusern

Ehrlich gesagt bewegst du dich hier oft im Grenzbereich zwischen Kultur und Natur, und genau das ist der Punkt. Das Vallée de Mai ist offiziell Weltnaturerbe, erzählt aber mit der Coco de Mer, der größten Pflanzensamen der Welt, auch ein gutes Stück seychellische Identität. Die Nuss ziert sogar den Einreisestempel im Pass. Wer richtig eintauchen will in die Vergangenheit, fährt nach Victoria, eine der kleinsten Hauptstädte der Welt. In zwei Stunden hast du das Zentrum abgeklappert, den Markt inklusive.

Seychellen-Reise: Was gibt es zu beachten?

Der wichtigste Punkt zuerst, weil er über deinen ganzen Trip entscheidet: die Windrichtung und das Seegras. Die Seychellen haben zwei Passatwind-Saisons. Von Mai bis September weht der Südost-Passat, kühler und trockener, aber die See wird rau und an den Süd- und Ostküsten spült es Sargassum-Seegras an. Von November bis März weht der Nordwest-Passat, wärmer und feuchter, ruhigere See, dafür wandert das Seegras an die Nord- und Westküsten. Was das für dich bedeutet: Such deine Unterkunft nicht nach dem hübschesten Foto aus, sondern danach, wohin der Strand zeigt. Ein nordseitiger Strand ist im Juli sauber, ein südseitiger voll Seegras. Diesen einen Satz vergessen 90 Prozent der Reisenden, und ärgern sich dann vor Ort.

Zweiter Punkt: Geld. Die Landeswährung ist die Seychellen-Rupie (SCR), rund 15 bis 16 Rupien bekommst du für einen Euro. Karten werden fast überall akzeptiert, in kleinen Läden und Bussen brauchst du aber Bargeld. Wichtig für die Ausreise: Landeswährung darfst du nur bis 2.000 SCR (etwa 115 Euro) ein- und ausführen. Wechsle also nicht zu viel und tausch Restrupien vorher zurück.

Dritter Punkt: Sicherheit. Die Seychellen sind sehr sicher, Gewaltverbrechen gegen Touristen sind selten. Trotzdem passieren Einbrüche und Diebstähle, gerade bei Ferienhäusern und am Strand. Lass Wertsachen nicht offen liegen, auch nicht am Beau Vallon. Im Meer ist die größere Gefahr die Strömung. An einigen Südstränden von Mahé wie Anse Intendance und Anse Bazarca gibt es keine Rettungsschwimmer und teils kräftigen Sog. Da bist du zum Fotografieren, nicht zum Weit-hinaus-Schwimmen. Und wenn dir jemand sagt „Kann man baden“, frag lieber nochmal einen Einheimischen, wie es an dem Tag steht.

Katamaran und Boote im Hafen, Seychellen – Inselverbindung mit der Fähre

Backpacker Routen auf den Seychellen

Routenplanung auf den Seychellen ist einfacher als in einem Flächenland, weil es im Grunde nur drei Hauptinseln gibt, die für Backpacker Sinn machen: Mahé, Praslin und La Digue. Alle drei liegen dicht beieinander und sind per Fähre verbunden. Die Frage ist nicht „Wohin“, sondern „Wie lange bleibe ich wo“ und „Wie viele Bootsfahrten will ich zahlen“. Denn die Fähren sind der große Kostenblock. Mahé nach Praslin schlägt mit rund 56 Euro pro Person und Strecke zu Buche. Wer dreimal hin und her gondelt, hat schnell 200 Euro nur fürs Boot ausgegeben.

Mein Tipp deshalb: Plane pro Insel lieber ein paar Tage mehr und spar dir das ständige Umziehen. Die Inseln sind klein, aber sie haben unterschiedliche Charaktere. Mahé ist die lebhafte Basis mit Hauptstadt, Bergen und den meisten Supermärkten. Praslin ist grüner, ruhiger, mit dem Palmenwald Vallée de Mai. La Digue ist der autofreie Postkarten-Traum mit dem berühmtesten Strand des Landes. Je nach Zeit und Budget kannst du kürzen oder verlängern. Hier zwei Vorschläge, einmal kompakt und einmal ausgiebig.

Route 1: Der Klassiker (8-12 Tage)

  • 3-4 Tage Mahé: Beau Vallon als Basis, Victoria und Markt, Wanderung im Morne Seychellois Nationalpark, Südstrände abklappern
  • 3-4 Tage Praslin: Vallée de Mai, Anse Lazio, Bootstour nach Curieuse zu den Riesenschildkröten
  • 2-4 Tage La Digue: Fahrrad mieten, Anse Source d’Argent, Grand Anse und Petite Anse, zum Nid d’Aigle hochkraxeln

Diese acht bis zwölf Tage decken alles ab, was die meisten von den Seychellen erwarten, und du zahlst dabei nur zwei größere Fährfahrten. Wer mehr Zeit oder Lust auf abgelegenere Ecken hat, hängt einfach die zweite Route dran. Die oben genannten Ziele bleiben dabei natürlich Teil des Trips.

Route 2: All or Nothing (18-24 Tage)

  • 5-6 Tage Mahé: zusätzlich Anse Major Trail, Ste Anne Marine Park zum Schnorcheln, Teegarten und Mission Lodge, Tag im Süden bei Takamaka und Anse Royale
  • 1-2 Tage Silhouette Island: Tagestrip oder Übernachtung auf der bergigen, kaum bebauten Insel vor Mahé
  • 5-6 Tage Praslin: Vallée de Mai in Ruhe, Anse Georgette (vorher anmelden), Cousin Island als Vogelschutzgebiet, Tauchkurs oder Schnorcheltrips zu den Sister Islands
  • 4-5 Tage La Digue: alle Strände inklusive Anse Cocos und der abgelegenen Anse Marron mit Guide, viel Radfahren, Sonnenuntergänge an der Anse Source d’Argent nach 17 Uhr
  • 2-3 Tage Bird Island oder Denis Island: Charterflug auf eine echte Outer Island, Seevögel, Schildkröten, kaum Menschen (Budget-Sprengung, aber ein Erlebnis)
  • optional 1 Tag Extra-Puffer für Wetter und verpasste Fähren

Die lange Variante ist nichts mehr für den schmalen Geldbeutel, vor allem wenn du eine Outer Island dranhängst. Dafür siehst du Ecken, an denen dir kein Pauschaltourist über den Weg läuft. Wer wirklich sparen muss, streicht die Charterinsel und bleibt bei den drei Hauptinseln, dann bleibt die Route bezahlbar.

Reisezeiten auf den Seychellen

Die beste Reisezeit für die Seychellen liegt zwischen den beiden Passatwind-Saisons, also im April und Mai sowie im Oktober und November. Dann ist die See auf allen Küsten ruhig, die Sicht unter Wasser reicht bis zu 30 Meter, und das Seegras hält sich in Grenzen. Wenn ich einen einzigen Monat empfehlen müsste, wäre es der Oktober. Ruhiges Wasser rundum, Walhai-Saison, weniger Leute als über Weihnachten und Preise unter Hochsaison-Niveau.

Grundsätzlich sind die Seychellen ein Ganzjahresziel, die Temperatur pendelt das ganze Jahr zwischen 24 und 32 Grad. Am nassesten wird es im Dezember und Januar, aber das sind meist kurze, kräftige Schauer, nach denen die Sonne wieder rauskommt. Die gute Nachricht: Zyklone gibt es hier praktisch nicht, die Seychellen liegen außerhalb des Gürtels. Von Juni bis August drückt der Südost-Passat das Sargassum an die exponierten Küsten, also Süd-Mahé, Süd-La-Digue und Ost-Praslin. Nordseitige Strände bleiben sauber. Reist du im Juli oder August, wähl dein Quartier nach der Himmelsrichtung, nicht nach dem schönsten Prospektbild.

Frischer Fisch auf dem Markt in Victoria, Seychellen

Backpacker Budget auf den Seychellen

Machen wir uns nichts vor: Billig sind die Seychellen nicht. Sie gehören zu den teuersten Reisezielen Afrikas, teils auf westeuropäischem Niveau, teils darüber. Der Unterschied zwischen einem 250-Euro-Tag und einem 80-Euro-Tag liegt fast komplett bei zwei Stellschrauben. Erstens die Unterkunft, zweitens das Essen. Wer in einer kleinen Selbstversorger-Pension wohnt, selbst kocht, Bus statt Taxi fährt und Fähre statt Flieger nimmt, drückt das Tagesbudget erstaunlich weit runter.

Realistisch für einen sparsamen Backpacker, der sich Mühe gibt, liegt das Tagesbudget bei etwa 80 Euro pro Person. Das ist schon sehr schlank gerechnet und setzt voraus, dass du dir das Zimmer mit jemandem teilst. Alleinreisende zahlen mehr, weil sich Unterkunft und manche Bootstour schlecht splitten lassen. Hier die grobe Aufteilung:

Tägliches Budget pro Person etwa 80 Euro

  • Unterkunft (Selbstversorger, Doppelzimmer, pro Kopf) 25-40 Euro
  • Essen (Selbstversorgung plus ab und zu Takeaway) 15-20 Euro
  • Wasser und Getränke 3 Euro
  • Transport anteilig (Bus, Fähre umgelegt) 15-25 Euro
  • Eintritte und Aktivitäten anteilig 8-12 Euro

Der dickste Einzelposten sind die Fähren, und die kommen stoßweise. Rechne Mahé nach Praslin mit 56 Euro (Economy Hauptdeck, Cat Cocos), Mahé direkt nach La Digue mit 68 Euro und die kurze Überfahrt Praslin nach La Digue mit der Cat Rose mit rund 15 Euro. Seit Januar 2024 kommt pro erwachsener Person und Fahrt noch 1 Euro Hafensteuer obendrauf. Kinder von 2 bis 11 zahlen jeweils etwa die Hälfte. Der Inlandsflug Mahé nach Praslin dauert nur 15 Minuten, kostet aber bei früher Buchung ab rund 70 Euro und mehr, mit knappem Gepäcklimit von 15 Kilo. Für die meisten Backpacker ist die Fähre die bessere Wahl.

Preiswert auf den Seychellen reisen

Die größte Stellschraube heißt Selbstversorgung. Fast alle günstigen Unterkünfte haben eine Küche, oft ist Frühstück inklusive. Wer sich auf dem Markt in Victoria oder im STC-Supermarkt eindeckt und selbst kocht, spart pro Tag locker 20 bis 30 Euro gegenüber dem Restaurantbesuch. Frischer Fisch ist bezahlbar, importierte Ware dagegen teuer. Kauf lokal: Fisch, Reis, Süßkartoffel, tropische Früchte. Finger weg von importiertem Käse und Wein, das kostet ein Vermögen.

Der öffentliche Bus ist dein bester Freund. Die staatliche SPTC fährt auf Mahé und Praslin ein dichtes Netz zum Einheitspreis, egal wie weit: 12 SCR bar (rund 80 Cent) oder 10 SCR mit der Travel Card. Für Vielfahrer gibt es eine Visitors Travel Card mit unbegrenzten Fahrten, 5 Euro für einen Tag, 12 Euro für vier Tage, 22 Euro für acht Tage. Zum Vergleich: Ein Taxi vom Flughafen nach Victoria kostet etwa 20 Euro, und ein Transfer vom Flughafen Praslin zum Fährhafen schlägt mit 44 bis 47 Euro zu Buche. Der Bus fährt die gleiche Strecke für unter einem Euro. Rechne selbst.

Auf La Digue gibt es fast keine Autos. Hier mietest du dir am Fähranleger ein Fahrrad, meist für 10 bis 15 Euro am Tag, und damit ist die ganze Insel erschlossen. Günstiger und schöner geht Fortbewegung kaum. Und noch ein Spartipp mit Ansage: Seit dem 1. Januar 2026 sind kleine Unterkünfte mit bis zu 24 Zimmern von der Tourism Environmental Sustainability Levy befreit. Das betrifft genau die Pensionen und Selbstversorger-Apartments, in denen Backpacker wohnen. Heißt: Du zahlst diese Abgabe von früher 25 SCR pro Nacht jetzt gar nicht mehr, wenn du klein und lokal buchst. In mittleren Häusern (25 bis 50 Zimmer) sind es 75 SCR (rund 5 Euro), in großen Resorts und auf Yachten 100 SCR (rund 6,50 Euro) pro Person und Nacht. Ein weiterer Grund, klein zu buchen.

Kreolisches Gästehaus mit Garten auf den Seychellen

Backpacker Unterkünfte auf den Seychellen

Jetzt die unbequeme Wahrheit: Klassische Backpacker-Hostels mit Dorm-Betten gibt es auf den Seychellen kaum. Das ganze Modell „Ich zahl zehn Euro fürs Etagenbett“ funktioniert hier nicht. Was es stattdessen in Massen gibt, sind kleine, familiengeführte Pensionen (Guesthouses) und Selbstversorger-Apartments. Und die sind, wenn man sie richtig sucht, die Rettung fürs Budget.

Die günstigsten Zimmer starten bei etwa 35 bis 55 Euro pro Nacht, ein einfaches Selbstversorger-Apartment für zwei findest du ab rund 50 bis 60 Euro, oft mit Frühstück. Zu zweit gerechnet ist das pro Kopf plötzlich machbar. Typische Guesthouses kosten laut lokalen Anbietern zwischen 70 und 150 Euro pro Zimmer, Apartments mit mehreren Schlafzimmern 100 bis 200 Euro. Alles darüber, also Mittelklassehotels ab 200 Euro und Resorts ab 450 Euro aufwärts, ist Stoff für Flitterwöchner, nicht für Rucksackreisende.

Ein paar praktische Hinweise aus Erfahrung. Viele der kleinen Pensionen haben keine oder nur eine schwache Website und tauchen fast nur auf Booking, Airbnb oder Agoda auf. Vergleich die Plattformen, die Preise für dasselbe Haus unterscheiden sich oft deutlich. Als Basis auf Mahé eignet sich die Gegend um Beau Vallon: schöner Strand, Supermärkte, Geldautomaten, Bushaltestellen und mehrere günstige Zimmer. Auf La Digue konzentriert sich alles rund um La Passe, wo die Fähre ankommt. Wildcampen ist nicht drin, freie Zeltplätze existieren praktisch nicht, und offiziell erlaubt ist das Campen ohnehin nicht. Wer aufs Zelt gehofft hat, muss umdenken.

Wer die Übernachtungskosten drücken will, kann auch über Couchsurfing und ähnliche Netzwerke nachdenken, das Angebot ist auf den Inseln aber dünn. Ideen dazu findest du in meinem Artikel Kostenlos übernachten: 8 Couchsurfing Alternativen. Realistisch bleibt die Selbstversorger-Pension zu zweit aber der beste Hebel.

Backpacker Trips, Tipps & Highlights auf den Seychellen

Wer nach Zielen auf den Seychellen sucht, sollte sich vorher überlegen, was er eigentlich will. Nur Strand? Dann reichen La Digue und ein paar Buchten auf Mahé. Natur und Tierwelt? Dann gehören Praslin und eine Bootstour dazu. Tauchen und Schnorcheln? Dann plan die Reisezeit nach der Sicht, also April, Mai, Oktober oder November. Der Fehler, den viele machen, ist zu viel in zu kurzer Zeit. Drei Inseln in fünf Tagen, das ist Fähre-Auspacken-Einpacken-Fähre, und am Ende hast du vor allem Bootstickets gesehen.Riesenschildkröte auf Curieuse Island, Seychellen

Die schönsten Strände auf den Seychellen

Fangen wir mit dem an, wofür alle kommen. Die Seychellen haben Strände, die verderben dir andere Strände für den Rest deines Lebens. Aber nicht jeder Foto-Strand hält, was das Bild verspricht. Hier meine ehrliche Auswahl, mit Warnungen inklusive.

Anse Source d’Argent (La Digue). Der berühmteste Strand des Landes, diese Postkarte mit den Granitfelsen. Zugang nur durch das L’Union Estate, Eintritt rund 150 SCR (etwa 10 Euro), gültig den ganzen Tag. Und jetzt ehrlich: Bei Flut schrumpft der Sandstreifen ordentlich, das Wasser ist flach und stellenweise steinig, und mittags stehst du zwischen vielen anderen Fotografierenden. Trotzdem lohnt es sich. Komm früh am Morgen oder spät am Nachmittag. Wer nach 17 Uhr rein will, kommt teils umsonst durch und hat den Strand für den Sonnenuntergang fast für sich.

Anse Lazio (Praslin). Für viele der schönste frei zugängliche Strand der Seychellen. Türkis, breit, mit Granitfelsen an den Enden und ohne Eintritt. Am Nordende liegen zwei Restaurants, sonst Natur. Kann in der Hochsaison voll werden, ist aber groß genug, dass du dein Fleckchen findest.

Anse Georgette (Praslin). Klein, ruhig, spektakulär. Der Haken: Der Strand liegt auf dem Gelände des Constance Lémuria Resorts, und du musst dich vorher anmelden, um durchgelassen zu werden. Klappt oft, aber nicht immer. Vorher anrufen spart dir den umsonsten Weg.

Beau Vallon (Mahé). Der Haupt- und Hausstrand von Mahé, lang, gut zum Schwimmen, mit Bars, Tauchbasen und dem Bazar Labrin am Mittwochabend. Ehrlich gesagt ist es nicht die abgeschiedene Traumbucht, dafür ist er praktisch: Bus fährt hin, alles ist da. Als Basis top, als Postkartenmotiv eher solide.

Grand Anse, Petite Anse und Anse Cocos (La Digue). Auf der Ostseite von La Digue, zu Fuß oder mit dem Rad plus kurzem Fußweg erreichbar. Wild, weit, wenig Leute. Aber Vorsicht: Von Mai bis September ist die Strömung hier teils gefährlich, Grand Anse ist dann nichts zum Reinlegen. Zum Staunen super, zum Baden je nach Tag lebensgefährlich.

Anse Intendance (Mahé). Der wildeste, fotogenste Südstrand von Mahé. Keine Bebauung, kräftige Brandung, kein Rettungsschwimmer. Zum Fotografieren und Spazieren ein Traum, zum Schwimmen bei Wellen ein echtes Risiko.

Backpacker Highlights auf den Seychellen

Neben den Stränden gibt es ein paar Dinge, die du dir nicht entgehen lassen solltest. Das Vallée de Mai auf Praslin steht ganz oben. Ein urzeitlich wirkender Palmenwald, in dem die Coco de Mer wächst, dieser riesige Samen, den es nur hier und auf Curieuse natürlich gibt. Dazu lebt hier der seltene Schwarze Papagei, der Nationalvogel. Der Eintritt liegt bei rund 30 Euro (etwa 450 SCR), Stand 2025. An dieser Stelle die ehrliche Ansage: Die Preisangaben zum Vallée de Mai schwanken je nach Quelle zwischen etwa 20 und 33 Euro, prüf den aktuellen Tarif der Seychelles National Parks Authority vor Ort. Geöffnet ist meist von 9 bis 16 Uhr, letzter Einlass 15 Uhr. Manch einer findet 30 Euro für einen Waldspaziergang happig. Ich fand ihn das Geld wert, aber plane bewusst Zeit ein und nimm eine der kostenlosen Führungen mit, sonst siehst du nur Palmen.

Das zweite große Highlight sind die Aldabra-Riesenschildkröten. Am einfachsten begegnest du ihnen auf Curieuse Island, einer kleinen Insel direkt vor Praslin, wo über hundert Tiere frei herumlaufen. Der Trip lässt sich mit einer Bootstour verbinden, oft zusammen mit Schnorcheln und einem Grill am Strand. Wer Vögel mag, fährt nach Cousin Island, ein streng geschütztes Vogelreservat, das nur mit Guide betreten werden darf.

Das dritte, was ich dir ans Herz lege, ist das L’Union Estate auf La Digue selbst. Die alte Kokos- und Vanilleplantage mit ihrer Kopra-Mühle erzählt die Kolonialgeschichte der Insel, und der Eintritt ist derselbe, mit dem du zur Anse Source d’Argent kommst. Zwei Fliegen, eine Klappe.Coco de Mer Palmen im Vallée de Mai, Seychellen

Inselhopping auf den Seychellen

Weil es hier weder Züge noch nennenswerte Überlandstrecken gibt, ist das Inselhopping per Boot das eigentliche Reise-Abenteuer der Seychellen. Zwischen Mahé, Praslin und La Digue verkehren zwei Schnellkatamaran-Linien. Die Cat Cocos bedient Mahé nach Praslin (rund eine Stunde) und teils direkt Mahé nach La Digue mit kurzem Stopp auf Praslin. Die Cat Rose pendelt Praslin nach La Digue in etwa 15 Minuten. Buch die Fähren unbedingt vorab, gerade in der Hochsaison sind sie oft ausgebucht.

Ein Praxistipp, der dir Geld und Nerven spart: Wenn du von Mahé nach La Digue willst, nimm die direkte Cat-Cocos-Verbindung statt Flug plus Taxi plus Extra-Fähre. Das ist meist schneller und deutlich günstiger, als erst nach Praslin zu fliegen und sich dann zum Fähranleger zu quälen. Der Taxitransfer allein vom Flughafen Praslin zum Anleger kostet ja schon 44 bis 47 Euro. Wer es eilig hat und das Geld übrig hat, nimmt den 15-Minuten-Flug Mahé nach Praslin mit Air Seychelles, muss aber mit knappem Gepäcklimit und deutlich höheren Preisen leben.

Für die echten Outer Islands wie Bird Island, Denis oder gar das Aldabra-Atoll brauchst du Charterflüge oder Kreuzfahrten, und da bist du sofort in einer anderen Preisliga. Aldabra ist logistisch so aufwendig und teuer, dass es für normale Backpacker faktisch unerreichbar bleibt. Träum davon, aber plane es nicht ein.

Wandern und Abenteuer auf den Seychellen

Die Seychellen sind nicht nur Strand. Mahé ist bergig, und der Morne Seychellois Nationalpark bedeckt rund ein Fünftel der Insel. Der höchste Gipfel, der Morne Seychellois, ragt gut 900 Meter hoch. Es gibt eine Handvoll richtig lohnender Wanderwege, die die meisten Strandurlauber komplett verpassen. Der Copolia-Trail ist kurz und knackig und belohnt dich mit einem Blick über Victoria und die vorgelagerten Inseln. Der Anse-Major-Trail führt an der Küste entlang zu einer nur zu Fuß erreichbaren Bucht. Der Aufstieg zum Morne Blanc ist steil, aber machbar.

Nimm für alle Wanderungen genug Wasser mit, es ist heiß und schwül, und Schatten gibt es nicht überall. Feste Schuhe sind Pflicht, die Granitpfade werden bei Nässe rutschig. Auf La Digue lohnt der kurze, schweißtreibende Aufstieg zum Nid d’Aigle, dem höchsten Punkt der Insel mit Rundumblick.

Unter Wasser wird es richtig gut. Rund um die Seychellen liegen Tauchspots mit guter Sicht, gerade in den ruhigen Monaten. Der Ste Anne Marine Nationalpark vor Victoria ist top zum Schnorcheln, um Praslin herum locken Spots wie Aride und die Sister Islands. Von etwa August bis Oktober und in den Übergangsmonaten hast du gute Chancen auf Walhaie, diese riesigen, harmlosen Planktonfresser. Ein Schnorchelgang mit ihnen gehört zu den Momenten, die hängen bleiben. Buch solche Touren über eine seriöse Tauchbasis, nicht über den erstbesten Bootsverleih am Strand.Ausblick vom Wanderweg im Morne Seychellois Nationalpark, Mahé

Essen und Trinken auf den Seychellen

Die kreolische Küche der Seychellen ist besser, als viele erwarten, und sie basiert auf dem, was Meer und Insel hergeben. Fisch in allen Formen, Kokosnuss, Reis, tropische Früchte und ordentlich Gewürz, oft mit indischem und afrikanischem Einschlag. Das Nationalgericht ist Fischcurry mit Reis, dazu Satini, eine Art scharfes Chutney, häufig aus grüner Papaya oder Bilimbi. Wer Oktopus mag, muss unbedingt Poulpe probieren, den Krakencurry in Kokosmilch, für mich eines der besten Gerichte des Landes.

Weitere Sachen, die du auf der Karte oder am Markt findest: gegrillter Fisch (Bourzwa, Kordonnyen), Rougaille, eine Tomatensoße mit Fisch oder Wurst, Ladob als Dessert aus Kochbanane oder Süßkartoffel in gesüßter Kokosmilch, und Breadfruit, die Brotfrucht, als Chips oder Beilage. Ein kontroverses Kapitel ist der Fledermaus-Curry (Chauve-souris), traditionell aus dem Flughund. Muss man nicht mögen, gehört aber zur lokalen Küche. Getrunken wird lokales Bier, meist SeyBrew oder Eku, für rund 3 bis 5 Euro in der Bar. Der Takamaka Rum von Mahé ist das flüssige Souvenir schlechthin, die Brennerei kannst du sogar besichtigen.

Zum Geld: Auswärts essen ist teuer. Ein lokales Takeaway-Gericht kostet grob 10 bis 15 Euro, in touristischen Restaurants zahlst du schnell das Doppelte. Der klare Spartipp ist der Markt in Victoria am Morgen, wenn der frische Fisch kommt, plus Selbstversorgung in der Pensionsküche. So isst du frisch, lokal und für einen Bruchteil des Restaurantpreises. Kleine Takeaway-Buden abseits der Strandpromenaden sind meist günstiger und oft leckerer als die Touristenläden direkt am Wasser.

Backpacker Visum und Impfungen auf den Seychellen

Für die Einreise brauchst du als deutscher, österreichischer oder schweizer Staatsbürger kein Visum. Bei Ankunft bekommst du kostenlos eine Besuchsgenehmigung (Visitor’s Permit) für zunächst bis zu drei Monate, verlängerbar gegen Gebühr auf insgesamt bis zu zwölf Monate. Was du aber zwingend brauchst, ist eine digitale Einreisegenehmigung, die Seychelles Travel Authorisation (ETA). Die beantragst du vor Abflug online.

Die Einreise ist für deutsche Staatsangehörige mit folgenden Dokumenten möglich:

  • Reisepass: Ja
  • Vorläufiger Reisepass: Ja
  • Personalausweis: Nein
  • Vorläufiger Personalausweis: Nein
  • Kinderreisepass: Ja

Anmerkungen: Der Reisepass muss laut Auswärtigem Amt mindestens bis zum Ende der geplanten Reise und Rückkehr gültig sein. Achtung: Manche Fluggesellschaften verlangen eine Restgültigkeit von sechs Monaten, prüf das für deine Airline. Die Travel Authorisation beantragst du ausschließlich über die offizielle Regierungsseite seychelles.govtas.com oder die e-Border-App. Für den Antrag brauchst du Reisepass, ein Passfoto oder Selfie, deine Flugdaten, einen Nachweis der gebuchten Unterkunft und eine Kredit- oder Debitkarte. Die Kosten liegen bei rund 10 Euro für die Standardbearbeitung (bis zu 24 Stunden). Wer es eilig hat, zahlt für die Express-Optionen mehr, etwa 30 Euro (rund 6 Stunden) oder 70 Euro (etwa 60 Minuten). Beantrag die ETA also frühzeitig, dann sparst du dir die Aufpreise. Die genehmigte Travel Authorisation mit QR-Code musst du beim Check-in und bei der Einreise vorzeigen. Ohne sie kann dir die Einreise verweigert werden.

Ein Hinweis noch zum Nachweis der Weiterreise: Bei Ankunft solltest du ein gültiges Rück- oder Weiterflugticket sowie einen Nachweis über ausreichende Mittel dabei haben. Wird selten kontrolliert, kann aber vorkommen.Tropische Insel bei den Seychellen aus der Luft

Impfungen und medizinische Hinweise

Für die direkte Einreise aus Deutschland sind keine Pflichtimpfungen vorgeschrieben. Anders sieht es aus, wenn du aus einem Gelbfiebergebiet kommst oder dort länger als zwölf Stunden im Transit warst, dann ist ab einem Alter von einem Jahr eine Gelbfieberimpfung nachzuweisen. Empfohlen wird eine Impfung gegen Hepatitis A. Je nach persönlichem Risiko können zusätzlich Impfungen gegen Chikungunya, Dengue, Hepatitis B und Typhus sinnvoll sein. Sorg dafür, dass deine Standardimpfungen nach STIKO-Kalender aktuell sind, und lass dich reisemedizinisch beraten.

Ein wichtiger aktueller Punkt: Seit Dezember 2025 gibt es Hinweise auf einen Ausbruch von Chikungunya-Fieber auf den Seychellen. Das ist eine von Mücken übertragene Viruserkrankung, die vor allem tagsüber zusticht. Schütz dich konsequent vor Mückenstichen, mit Repellent, langer Kleidung und gegebenenfalls Moskitonetz. Eine Impfung gegen Chikungunya existiert, ob sie für dich sinnvoll ist, klärst du am besten vor der Reise ärztlich ab. Die gute Nachricht bleibt: Malaria gibt es auf den Seychellen nicht, das erspart dir die Prophylaxe.

Zwei praktische Dinge zum Schluss. Eine gute Auslandskrankenversicherung mit Krankenrücktransport wird dringend empfohlen, die medizinische Versorgung ist auf den Hauptinseln solide, aber bei ernsten Fällen kann ein Rücktransport nötig werden, und der ist teuer. Und nimm ausreichend Sonnenschutz mit. Die Sonne knallt hier direkt am Äquator gnadenlos, ein Sonnenbrand ist am ersten Tag schneller passiert, als dir lieb ist. Wer noch mehr Inselstoff sucht, wirft danach einen Blick auf Sansibar oder plant gleich eine Kombireise mit dem ostafrikanischen Festland über Kenia.