Backpacking in Luxemburg

Das wohl am gründlichsten übersehene Reiseland Europas ist Luxemburg. Die meisten Backpacker kennen es als das Ding, das im Zug zwischen Brüssel und Trier am Fenster vorbeizieht. Zwei Stunden später sind sie weg und erzählen dann, in Luxemburg gäbe es nur Banken. Stimmt so nicht. Auf gut 2.500 Quadratkilometern, keine 700.000 Einwohner, stecken Felsenschluchten, eine Festungsstadt auf einem Sandsteinsporn, ein komplettes Weinbaugebiet und ein rostiger Industriesüden, der langsam wieder grün wird.

Der eigentliche Hammer ist aber der öffentliche Nahverkehr. Seit dem 1. März 2020 fahren Bus, Tram und Zug im ganzen Land gratis. Kein Ticket, kein Automat, kein Zonenrätsel. Für Backpacker ändert das die komplette Rechnung, denn der teuerste Posten einer Europareise fällt hier einfach weg. Reden wir also über Routen, echte Preise und darüber, wo du dein Geld in Luxemburg trotzdem zum Fenster rauswirfst.

Reisen in Luxemburg ist anders

Luxemburg ist von Norden nach Süden gerade mal 82 Kilometer lang. Du kannst morgens in der Hauptstadt frühstücken, mittags im Éislek auf einem Felskamm stehen und abends an der Mosel ein Glas Crémant trinken. Genau das macht das Land für Backpacker interessant und gleichzeitig schwierig. Wer alles an einem Tag abklappert, sieht am Ende nichts. Ich habe den Fehler selbst gemacht und drei Burgen in acht Stunden durchgezogen. Bringt nichts.

Das Land ist dreisprachig organisiert. Lëtzebuergesch wird gesprochen, Französisch steht auf den Speisekarten und Behördenformularen, Deutsch findest du in Zeitungen und im Norden fast überall. Als deutschsprachiger Reisender bist du hier im Vorteil, den die meisten anderen Traveler nicht haben. Im Éislek und im Mullerthal kommst du mit Deutsch komplett durch, in der Hauptstadt läuft vieles auf Französisch und Englisch. Ein „Moien“ zur Begrüßung öffnet trotzdem Türen.

Und dann ist da noch die Sache mit den Grenzen. Trier liegt rund 50 Minuten mit dem Zug entfernt, Metz etwa eine Stunde, Arlon in Belgien noch näher. Wer Luxemburg als Basis nimmt, hat drei Länder im Tagesausflugsradius. Das kriegst du sonst nirgendwo in Europa so kompakt.

Kultur in Luxemburg

Kulturell sitzt Luxemburg auf einer Bruchkante. Romanisch trifft germanisch, katholisches Brauchtum trifft EU-Beamtentum. In Kirchberg stehen Glasbauten mit Übersetzerkabinen, zwanzig Gehminuten weiter unten im Pfaffenthal hängt Wäsche zwischen Sandsteinmauern. Beides ist dieselbe Stadt.

Die Traditionen sind erstaunlich lebendig für ein Land, das oft als Steueroase abgestempelt wird. Die Echternacher Springprozession am Pfingstdienstag steht seit dem 16. November 2010 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Tausende Menschen hüpfen in Fünferreihen zu Polkamelodien durch die Altstadt zum Grab des heiligen Willibrord. Das sieht von außen erst mal seltsam aus. Wer sich an den Straßenrand stellt und zwei Stunden zuschaut, kriegt aber mit, dass hier kein Folkloretheater für Touristen läuft, sondern echte Leute aus echten Dörfern.

Dazu kommt die Schueberfouer, das größte Volksfest der Großregion, gegründet 1340 von Johann dem Blinden. 2026 läuft sie vom 21. August bis zum 9. September auf dem Glacisfeld in Limpertsberg. Über zwei Millionen Besucher, mehr als das Dreifache der Landesbevölkerung. Am letzten Tag gibt es bis 20 Uhr 50 Prozent Rabatt auf die Fahrgeschäfte. Wer knapp bei Kasse ist, kommt genau dann.

Bockkasematten und Festungsmauern in Luxemburg-Stadt

Die Bockkasematten – Wahrzeichen von Luxemburg-Stadt

Kulturelle Sehenswürdigkeiten in Luxemburg

Luxemburg hat es mit einer Stadt und einer ganzen Region auf die UNESCO-Welterbeliste geschafft. Die Altstadt und die Festungsanlagen der Hauptstadt stehen seit 1994 drauf. Der Minett im Süden ist seit 2020 UNESCO-Biosphärenreservat. Wer einen Überblick über die Kulturhighlights will, arbeitet sich am besten an dieser Liste entlang:

  • Altstadt und Festungsanlagen Luxemburg-Stadt (UNESCO)
  • Bockkasematten mit archäologischer Krypta
  • Chemin de la Corniche über dem Alzettetal
  • Burg Vianden an der Our
  • Burg Bourscheid über dem Sauertal
  • Burg Beaufort mit Renaissanceschloss
  • Schloss Larochette
  • Basilika und Abtei Echternach
  • Römische Villa Echternach
  • Museum „The Family of Man“ in Clervaux (UNESCO-Weltdokumentenerbe)
  • Mudam Kirchberg, gebaut von Ieoh Ming Pei
  • Nationalmuseum für Militärgeschichte in Diekirch
  • Belval mit den beiden erhaltenen Hochöfen
  • Minettpark Fond-de-Gras mit Lasauvage und dem keltischen Oppidum Titelberg
  • Europäisches Museum Schengen
  • Amerikanischer Soldatenfriedhof Hamm mit dem Grab von General Patton

Luxemburgreise: Was gibt es zu beachten?

Erste Warnung, und die ist wichtig: Luxemburg ist teuer. Der Nahverkehr ist gratis, alles andere nicht. Ein Bett im Mehrbettzimmer der Jugendherberge Luxemburg-Stadt kostet 38 Euro pro Person inklusive Frühstück und Bettwäsche, mit Mitgliedskarte 34 Euro. Das ist kein Backpacker-Preis, das ist ein Hotelpreis in Osteuropa. Wer mit einem Budget von 25 Euro am Tag anreist, hat ein Problem.

Zweite Sache: Sonntag ist tot. Supermärkte zu, viele Restaurants zu, in den Dörfern gibt es teilweise gar nichts. Wer sonntags im Mullerthal wandert und nicht vorher eingekauft hat, läuft hungrig. Freitag oder Samstag beim Cactus oder Delhaize Vorräte anlegen und gut ist.

Dritte Sache, und die überrascht viele: Wildcampen ist in Luxemburg verboten. Das Naturschutzgesetz erlaubt Übernachtungen ausschließlich auf Campingplätzen, das bestätigen sowohl Luxembourg for Tourism als auch der Campingplatzverband Camprilux. Es gibt keine Grauzone, keine Toleranzregel, keine Biwakplätze im Wald wie in Skandinavien. Wer sein Zelt trotzdem irgendwo hinstellt, riskiert Ärger. Als Alternative würde ich die Campingplätze im Sauertal nehmen, die liegen so nah am Wasser, dass der Unterschied zum wilden Zelten überschaubar bleibt.

Vierte Sache: Rechne im Kopf immer mit Regen. Das Klima ist mitteleuropäisch und wechselhaft, gerade auf den Felsen im Mullerthal wird es bei Nässe richtig rutschig. Sandstein plus Moos plus Wasser ist eine Kombination, bei der schon einige Wanderer auf dem Hintern gelandet sind.

Backpacker Routen in Luxemburg

Backpacker Routen in Luxemburg planen sich anders als in großen Ländern. Du legst dir keine Strecke, du legst dir eine Basis und fächerst von dort auf. Weil Bus und Zug nichts kosten, ist es fast immer schlauer, drei Nächte am selben Ort zu bleiben und sternförmig rauszufahren, statt jeden Tag umzuziehen und Zeit im Check-in zu verbrennen. Zwei Basen reichen für die meisten Trips: die Hauptstadt für den Süden und Echternach oder Ettelbrück für den Norden.

Wie immer ist bei der Planung entscheidend, wie viel Zeit und Budget zur Verfügung steht. Und natürlich, was du sehen willst. Wer auf Burgen und Wandern steht, geht in den Norden. Wer Industriegeschichte und Nachtleben will, bleibt im Süden. Beides mischen geht auch. Je nach Belieben lässt sich die Route kürzen oder strecken. Hier zwei Vorschläge, einmal kompakt und einmal mit allem, was das Land hergibt:

Route 1: Der Klassiker (6-8 Tage)

  • 2-3 Tage: Luxemburg-Stadt mit Bockkasematten, Grund, Pfaffenthal und Kirchberg
  • 1 Tag: Tagesausflug Vianden, Burg plus Sesselbahn über das Ourtal
  • 2 Tage: Echternach als Basis, dazu die Etappe des Mullerthal Trail Route 2 nach Berdorf
  • 1 Tag: Mosel zwischen Remich und Wormeldange, Kellereibesichtigung inklusive
  • 1 Tag: Esch-sur-Alzette und Belval mit den Hochöfen

Route 2: All or Nothing (14-18 Tage)

Die oben genannten Ziele sind auch hier Teil des Trips

  • 3 Tage: Escapardenne Lee Trail von Ettelbrück nach Kautenbach, 53 Kilometer und rund 2.000 Höhenmeter
  • 1-2 Tage: Clervaux mit Schloss und der Fotoausstellung „The Family of Man“
  • 2 Tage: Obersauer-Stausee bei Lultzhausen, schwimmen und Kanu fahren
  • 1 Tag: Diekirch mit Militärmuseum zur Ardennenoffensive
  • 2 Tage: Mullerthal Trail Route 2 komplett, rund 36 Kilometer in zwei Etappen
  • 1 Tag: Burgenkette Beaufort, Larochette und Bourscheid
  • 2-3 Tage: Minett Trail im Süden, Fond-de-Gras und Titelberg
  • 1 Tag: Schengen mit dem Europäischen Museum am Moselufer
  • 1 Tag: Grenzausflug nach Trier oder Metz
  • 1 Tag: Puffer für Regen, den brauchst du

Panorama über den Grund in Luxemburg-Stadt

Backpacking in Luxemburg – Blick über den Grund

Reisezeiten in Luxemburg

Unterschätz das Wetter nicht. Luxemburg liegt klimatisch zwischen Atlantik und Kontinent, was übersetzt heißt: kann alles passieren. Im Éislek im Norden wird es im Winter saukalt und auf den Höhen liegt Schnee, während unten an der Mosel schon die Krokusse rauskommen.

Die beste Zeit für Backpacker liegt zwischen Ende April und Anfang Oktober. Mai, Juni und September sind die stärksten Monate, weil die Wege trocken sind, die Tage lang und die Unterkünfte noch bezahlbar. Juli und August funktionieren auch, dann läuft aber der ganze Eventkalender parallel und die Jugendherbergen sind mit Schulgruppen voll. Vorher buchen ist da keine Empfehlung, sondern Pflicht.

Winter würde ich nur zwei Gruppen empfehlen. Erstens Leuten, die Weihnachtsmärkte mögen, die Stadt macht das ordentlich. Zweitens Leuten, denen ein bisschen Matsch egal ist und die leere Wanderwege wollen. Die Sesselbahn in Vianden fährt ungefähr von April bis Mitte Oktober und steht den Rest des Jahres still. Der Minettpark Fond-de-Gras hat sein reguläres Programm auch nur vom 1. Mai bis zum letzten Septemberwochenende. Wer im Februar anreist und diese beiden Punkte auf der Liste hat, verliert nur Zeit.

Backpacker Budget in Luxemburg

Klare Ansage: billig ist Luxemburg nicht. Die Unterkunft frisst dein Budget, das Essen frisst den Rest. Dafür fährst du umsonst durchs Land, und das ist mehr wert, als es klingt. In der Schweiz oder in Norwegen zahlst du für dieselben Strecken locker 20 bis 30 Euro am Tag.

Ein sparsamer Backpacker kommt mit ungefähr 60 bis 75 Euro pro Tag hin. Wer im Dorm schläft, im Supermarkt einkauft und nur eine bezahlte Sehenswürdigkeit pro Tag macht, landet am unteren Rand. Wer abends essen geht, ist schnell bei 100 Euro. Hier die grobe Aufteilung:

Tägliches Budget pro Person etwa 68 Euro

  • Unterkunft 25-40 Euro
  • Essen aus dem Supermarkt 12 Euro
  • Getränke 4 Euro
  • Öffentlicher Transport 0 Euro
  • Eintritte 8-15 Euro

Preiswert in Luxemburg Reisen

Der größte Hebel ist der Nahverkehr, und den musst du verstehen, damit er dir nicht doch Geld kostet. Gratis sind Bus, Tram und Zug in der 2. Klasse, innerhalb der Landesgrenzen. Erste Klasse kostet weiterhin. Und, wichtig für Grenzfahrten: Kostenlos ist die Fahrt nur bis zum Grenzpunkt. Wer von Luxemburg nach Trier durchfährt, braucht ein Ticket für den deutschen Abschnitt. Kontrolliert wird durchaus, und die Schaffner haben genau auf diese Fälle ein Auge. Einen Ausweis musst du übrigens immer dabeihaben, den dürfen sie sehen wollen.

Zweiter Hebel sind die Eintritte. Hier ein paar konkrete Preise, Stand 2026:

  • Bockkasematten: 11 Euro, Studenten und Senioren 9 Euro, Kinder von 4 bis 12 Jahren 5,50 Euro
  • Burg Vianden: 13 Euro, Studenten ab 13 Jahren mit Ausweis 7 Euro, Kinder von 6 bis 12 Jahren 4 Euro
  • Audioguide Vianden fürs eigene Handy: 2 Euro
  • Mudam Kirchberg: 10 Euro, von 21 bis 25 Jahren 7 Euro
  • Sesselbahn Vianden: rund 9 Euro hin und zurück

Und jetzt der Trick, den kaum jemand kennt: Das Mudam ist für alle unter 21 gratis und für Studenten mit gültigem Ausweis ebenfalls, unabhängig vom Alter. Dazu kommt der freie Mittwochabend von 18 bis 21 Uhr für jeden. Wer studiert, spart in Luxemburg an mehreren Ecken deutlich mehr als in Deutschland.

Beim LuxembourgPass wird es interessant und gleichzeitig ärgerlich. Ein Tag für eine Person kostet 23 Euro, zwei Tage 33 Euro, drei Tage 39 Euro. Zu zweit wird es günstiger pro Kopf, da liegt der Dreitagespass bei 55 Euro für beide zusammen. Rund 82 Attraktionen sind drin. Der Haken: Die Bockkasematten sind aktuell nicht im Pass enthalten, das schreibt der offizielle Shop selbst. Genau die Sehenswürdigkeit, die fast jeder ansteuert, musst du also extra zahlen. Rechne vorher nach. Wer an einem Tag Vianden, das Militärmuseum in Diekirch und eine Kellerei macht, holt den Tagespass raus. Wer gemütlich durch die Hauptstadt schlendert, verbrennt damit Geld.

Beim Essen gilt: Supermarkt schlägt Restaurant um Längen. Ein Mittagsmenü in einer normalen Brasserie liegt bei 15 bis 25 Euro, ein Bier vom Fass bei 4 bis 5 Euro. Achte auf das „Plat du jour“ mittags, das ist regelmäßig die Hälfte vom Abendpreis für dasselbe Gericht. In der Hauptstadt gibt es außerdem öffentliche Trinkwasserbrunnen, das Wasser ist gut und die Flasche füllt sich umsonst.

Mehrbettzimmer in einer Jugendherberge in Luxemburg

Jugendherbergen, Camping und Co.

Backpacker Unterkünfte in Luxemburg

Die Hostelszene in Luxemburg ist überschaubar. Was du hast, ist ein sehr solides Netz staatsnaher Jugendherbergen, betrieben von Les Auberges de Jeunesse Luxembourgeoises. Standorte gibt es unter anderem in Luxemburg-Stadt, Echternach, Vianden, Lultzhausen, Remerschen und Esch-sur-Alzette. Die Häuser sind sauber, gut gelegen und laufen auf Hostelling-International-Standard.

Preisbeispiel Luxemburg-Stadt: 38 Euro pro Person mit Frühstück und Bettwäsche, für Mitglieder 34 Euro. Wer keine Karte hat und nicht in Luxemburg wohnt, kann vor Ort einen Tagespass für 4 Euro pro Nacht kaufen und wird damit für eine Nacht Mitglied. Buchst du online, wird immer der Nichtmitgliedspreis angezeigt und die Differenz von 4 Euro pro Nacht beim Check-in bar erstattet, sofern du deine Karte vorzeigst. Über Drittanbieter gebucht, entfällt das. Also direkt buchen.

Jetzt der Punkt, den die englischsprachigen Guides alle unterschlagen und der dein Budget kippen kann: In den luxemburgischen Jugendherbergen darfst du nicht selbst kochen. Es gibt keine Gästeküchen mehr. Steht so in deren eigenen FAQ. Für Backpacker, die sonst mit Nudeln und Tomatensauce durch Europa kommen, ist das eine handfeste Verschlechterung. Jedes Haus hat stattdessen ein „Melting Pot“-Restaurant. Volle Mahlzeit rund 16 Euro, für Mitglieder 14 Euro, Lunchpaket 7 Euro für Mitglieder. Das ist fair kalkuliert, aber es ist eben nicht null.

Wer wirklich sparen will, geht campen. Luxemburg hat rund 60 Campingplätze, viele davon direkt an Sauer, Our oder Mosel. Mit einer ACSI-Karte kommst du in der Nebensaison teilweise ab 13 Euro für zwei Personen raus, in der Hochsaison zahlst du auf gut ausgestatteten Plätzen eher 25 bis 30 Euro für Stellplatz plus zwei Personen. Rechne pro Kopf also mit 10 bis 15 Euro. Praktisch: Camping Kockelscheuer liegt am südlichen Stadtrand der Hauptstadt und ist mit dem Bus in einer Viertelstunde am Zentrum. Camping Troisvierges ganz im Norden hat einen eigenen Bahnhof vor der Tür.

Eine dritte Variante, die kaum jemand nutzt: die elf Lodges am Minett Trail im Süden. Die wurden über einen Architekturwettbewerb entworfen und in alte Bauten eingesetzt, unter anderem in einen ehemaligen Wasserturm, ein stillgelegtes Wasserbecken und einen alten Eisenbahnwaggon am Fond-de-Gras. Wer mal in einem historischen Reisezugwagen schlafen will, statt im dreiundzwanzigsten Hostelbett mit Vorhang: hier geht das. Kapazität ist klein, also früh anfragen. Und wer sonst gern kostenlos schläft, findet in unserem Artikel zu Couchsurfing Alternativen ein paar Optionen, die auch in Luxemburg funktionieren.

Backpacker Trips, Tipps & Highlights in Luxemburg

Wer nach Reisezielen in Luxemburg sucht, sollte sich vorher überlegen, worauf er eigentlich Lust hat. Das Land bedient drei sehr unterschiedliche Interessen. Da ist die Festungsstadt mit ihrem unterirdischen Tunnelsystem. Da ist die Felsenlandschaft im Osten, die sie hier Kleine Luxemburger Schweiz nennen. Und da ist der Süden mit stillgelegten Erzgruben und Hochöfen, den fast kein Reiseführer ernst nimmt.

Der Klassiker in der Hauptstadt sind die Bockkasematten, ein Teil eines ehemals 23 Kilometer langen unterirdischen Gangsystems. Gebaut haben das ab 1745 österreichische Ingenieure, Platz war für rund 50 Kanonen und 1.200 Soldaten. Rechne mit maximal 45 Minuten, so lange dauert der Rundgang, und Einlass gibt es alle 15 Minuten von 9:45 bis 19 Uhr. Ehrlich gesagt sind die Ausblicke durch die Schießscharten das Beste daran, der Rest ist Tunnel. Wer kein Geld ausgeben will, geht stattdessen den Chemin de la Corniche entlang. Der ist gratis und liefert genau die Postkartenperspektive, wegen der die meisten überhaupt kommen.

Das Moseltal – Weinberge bis zum Flussufer

Das Moseltal – Weinberge bis zum Flussufer

Die schönsten Badestellen und Flusstäler in Luxemburg

Meer hat Luxemburg logischerweise keins. Baden kannst du trotzdem, und zwar überraschend gut. Die Luxemburger machen im Sommer selbst genau das.

Obersauer-Stausee (Stauséi)

Der größte Süßwasserspeicher des Landes, eingebettet zwischen bewaldeten Hängen im Éislek. Ausgewiesene Badestellen gibt es bei Lultzhausen, Insenborn und Liefrange. Kanus und Kajaks kannst du vor Ort mieten. Die Jugendherberge Lultzhausen liegt direkt am Ufer, das ist die beste Kombination aus Bett und Wasser im ganzen Land.

Baggerweieren bei Remerschen

Ehemalige Kiesgruben an der Mosel, heute Badeseen mit angrenzendem Naturschutzgebiet Haff Réimech. Direkt daneben das Biodiversum, ein Besucherzentrum in Form eines umgedrehten Bootsrumpfs. Jugendherberge ist auch da.

Echternacher See

Rundweg, Tretboote, Liegewiese. Nicht spektakulär, aber der perfekte Feierabend nach einer Mullerthal-Etappe. Anfang August läuft hier das kostenlose Open-Air-Festival e-Lake.

Bei den Flusstälern führt kein Weg am Sauertal zwischen Ettelbrück und Kautenbach vorbei. Die Sauer mäandert so heftig, dass du nach zwei Stunden Wandern manchmal wieder in Sichtweite deines Ausgangspunkts stehst. Das Ourtal bei Vianden ist enger und dramatischer, dort steht die Burg auf dem Felsen wie hingemalt. Und wer Weinberge mag, nimmt das Moseltal zwischen Schengen und Wasserbillig, rund 42 Kilometer Flussgrenze zu Deutschland.

Backpacker Highlights in Luxemburg

Burg Vianden ist der meistbesuchte historische Bau des Landes, und ausnahmsweise ist das berechtigt. Der Bau geht auf römische Fundamente zurück, die eigentliche Burg stammt aus romanischer und gotischer Zeit. Plan zwei Stunden ein. Hunde dürfen nicht rein, das ärgert regelmäßig Leute an der Kasse. Wer richtig was erleben will, kommt zum Mittelalterfest, 2026 vom 25. Juli bis zum 2. August. Dann gelten allerdings andere Eintrittspreise und Führungen fallen aus.

Die Sesselbahn in Vianden kann ich klar empfehlen. Rund 9 Euro für die Fahrt hoch auf 440 Meter über dem Ourtal, oben Café mit Terrasse, und von dort kannst du zu Fuß durch den Wald wieder runterlaufen und kommst direkt an der Burg raus. Die Bahn fährt nur von etwa April bis Mitte Oktober.

In Clervaux hängt „The Family of Man“, die Fotoausstellung, die Edward Steichen 1955 für das MoMA kuratiert hat und die heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehört. 503 Bilder aus 68 Ländern in einem Schloss in den Ardennen. Das ist einer dieser Orte, an denen du dachtest, du bleibst zwanzig Minuten, und dann sind es zwei Stunden.

Ein Tipp gegen den Trend: Die Grand-Ducale-Palastführungen im Sommer werden oft empfohlen und kosten rund 15 Euro. Kann man machen, muss man aber nicht. Für dasselbe Geld kriegst du zwei Museen, und den Palast siehst du von außen ohnehin, samt Wachablösung.

Der Süden: Hochöfen, Erzgruben und die Terres Rouges

Diesen Abschnitt haben die englischen Konkurrenzartikel praktisch alle nicht, und das ist ihr Verlust. Der Süden Luxemburgs, der Minett, war eine der Wiegen der europäischen Stahlindustrie. Die Böden sind vom Eisenerz rot, daher der Name Terres Rouges, die Roten Erden. Seit 2020 ist die Region UNESCO-Biosphärenreservat, elf Gemeinden gehören dazu.

In Belval bei Esch-sur-Alzette stehen zwei erhaltene Hochöfen mitten in einem neuen Universitätsviertel. Du läufst zwischen Studentenwohnheimen herum und hast plötzlich hundert Meter rostigen Stahlkoloss vor dir. 1953 fand hier der symbolische erste Abstich der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl statt. Wer sich für Industriegeschichte auch nur ein bisschen interessiert, wird hier weggehauen.

Der Minettpark Fond-de-Gras bei Pétange ist ein Freilichtmuseum aus mehreren Teilen. Dazu gehören das ehemalige Bergbauzentrum selbst, das Dorf Lasauvage, der Tagebau Giele Botter und das keltische Oppidum Titelberg. Der Giele Botter ist heute ein 100 Hektar großes Naturschutzgebiet, in dem sich Orchideen und Wildbienen breitgemacht haben. Reguläres Programm läuft vom 1. Mai bis zum letzten Septemberwochenende.

Zu Fuß erschließt sich das über den Minett Trail: 90 Kilometer in 10 Etappen durch elf Gemeinden. Die Etappen sind kurz, teilweise nur 6 Kilometer wie zwischen Belval und Esch-sur-Alzette, die längste zwischen Pétange und Differdange liegt bei 16 Kilometern. Wer nur einen Tag hat, nimmt die Etappe rund um Fond-de-Gras.

Industriekultur im Süden – der Minett

Industriekultur im Süden – der Minett

Zugfahren in Luxemburg

Bahnfahren in Luxemburg ist entspannt, weil du nichts kaufen musst. Die Nordstrecke von Luxemburg über Ettelbrück nach Troisvierges ist die schönste im Land. Sie folgt der Sauer und der Wiltz, schneidet durch Tunnel und schneidet die Flussschleifen ab, für die du zu Fuß Stunden brauchst. Zwischen Ettelbrück und Kautenbach dauert die Fahrt gerade mal etwa eine Viertelstunde, während du für dieselbe Strecke auf dem Lee Trail zwei bis drei Tage unterwegs bist.

Genau das macht die Bahn hier so nützlich. Der Escapardenne Lee Trail läuft an acht Bahnhöfen entlang, du kannst also jederzeit aussteigen und zurückfahren, wenn die Beine dicht machen. Zurück zum Startpunkt kommst du meist stündlich.

Dazu kommt die Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg, seit Dezember 2017 in Betrieb. Sie verbindet den Bahnhof unten im Tal mit der Tram oben auf dem Kirchberg. Kostet nichts. Und gleich daneben liegt der Panoramaaufzug Pfaffenthal, ein Glasschacht von rund 70 Metern zwischen dem Parc Pescatore in der Oberstadt und dem Alzettetal. Ebenfalls gratis, geöffnet täglich von 5:45 bis 1 Uhr nachts. Kleine Falle: Am ersten Montag im Monat steht der Aufzug ab 9 Uhr wegen Wartung still. Wer da mit Rad oder Gepäck davorsteht, darf die Treppen nehmen.

Wandern und Abenteuer in Luxemburg

Wandern ist das, was Luxemburg wirklich gut kann. Der Mullerthal Trail ist rund 112 Kilometer lang und besteht aus drei Schleifen. Route 2 ist die spektakulärste, ungefähr 36 Kilometer, üblicherweise in zwei Etappen ab Echternach. Auf der Strecke liegen die Wollefsschlucht, der enge Felsspalt Kuelscheier, der Perekop mit seinen Leitern und der Schéissendëmpel, dieser kleine Wasserfall mit der Steinbrücke, den du auf jedem zweiten Luxemburg-Foto siehst.

Ehrliche Einordnung dazu: Wanderer auf AllTrails beschreiben Route 2 als abwechselnd grandios und langweilig. Die Felspassagen sind stark, dazwischen läufst du lange durch normalen Wald. Wer nur einen halben Tag hat, nimmt das Stück zwischen Berdorf und Echternach, da liegen die Highlights dicht beieinander. Wer die ganze Route an einem Tag durchziehen will, sollte wissen, dass das eine harte Nummer mit über 1.000 Höhenmetern ist.

Der Escapardenne Lee Trail ist für mich der bessere Weg. 53 Kilometer von Ettelbrück nach Kautenbach, knapp 2.000 Höhenmeter, drei Etappen: Ettelbrück nach Bourscheid-Moulin 18 Kilometer, weiter nach Hoscheid 19 Kilometer, dann nach Kautenbach 15 Kilometer. „Lee“ ist Luxemburgisch für die schmalen Felskämme, über die der Weg führt. Über 30 Aussichtspunkte, mehr als 60 Prozent des Wegs naturbelassen, ausgezeichnet als Leading Quality Trail. In Kautenbach schließt der gut 100 Kilometer lange Éislek Trail an, der bis nach La Roche-en-Ardenne in Belgien weitergeht.

Warnung für den Lee Trail: Der Abschnitt entlang der Sauer kann nach starkem Regen unpassierbar werden, weil die Stege überflutet sind. Vorher die Pegelstände checken. Und nimm genug Wasser mit, auf den Kämmen gibt es nichts und im Sommer knallt die Sonne ungefiltert drauf.

Aufs Rad umsteigen lohnt sich im Sommer. Der Vëlosummer läuft 2026 vom 18. Juli bis zum 16. August in seiner siebten Auflage, 14 Strecken durch 52 Gemeinden, dabei werden rund 100 Kilometer Straße zeitweise autofrei. Fünf Touren sind die kompletten vier Wochen befahrbar, andere nur an bestimmten Wochenenden. Wichtiger Praxishinweis: Die Fahrradmitnahme in den Zügen ist an Wochenenden stark eingeschränkt, weil alle dieselbe Idee haben. Entweder früh los oder ein Rad vor Ort mieten.

Mullerthal, die Kleine Luxemburger Schweiz

Mullerthal, die Kleine Luxemburger Schweiz

Grenzgänge: Trier, Metz und Arlon fast umsonst

Dieser Punkt fehlt in fast allen Luxemburg-Guides, dabei ist er für Backpacker Gold wert. Weil du innerhalb Luxemburgs gratis bis zum Grenzpunkt fährst, kostet dich ein Tagesausflug ins Nachbarland nur den kurzen ausländischen Abschnitt.

Trier erreichst du in rund 50 Minuten und bekommst dafür die dichteste Ansammlung römischer Bauten nördlich der Alpen. Metz mit seiner Kathedrale und dem Centre Pompidou liegt ungefähr eine Stunde weg. Arlon in Belgien ist noch näher und der schnellste Weg, um mal in einer belgischen Frittenbude zu sitzen. Wer Luxemburg als Basis für eine Rundreise durch Europa nutzt, baut sich hier den günstigsten Knotenpunkt der Großregion.

Ein Detail, das dich Geld kostet, wenn du es nicht weißt: Die kostenlose Fahrt gilt auch für Fahrten von einem Grenzpunkt aus. Löse also im Zweifel ein Ticket nur für den Abschnitt jenseits der Grenze und nicht für die Gesamtstrecke. Am Automaten ist das nicht immer intuitiv, im Zweifel beim Personal nachfragen.

Deftig, ländlich und meistens mit Schwein

Deftig, ländlich und meistens mit Schwein

Essen und Trinken in Luxemburg

Die luxemburgische Küche ist eine Mischung aus deutscher Deftigkeit und französischer Technik, aufgewachsen auf Bauernhöfen im Ösling und in den Winzerdörfern an der Mosel. Sie ist nicht subtil. Sie sättigt.

Als Nationalgericht gilt Judd mat Gaardebounen: geräucherter Schweinenacken mit dicken Bohnen, meist mit Kartoffeln und einer Senfsauce. Im Frühjahr, wenn die Bohnen frisch sind, hat das Gericht Hochsaison und steht auf jeder zweiten Karte. Dazu kommt die Bouneschlupp, eine kräftige Bohnensuppe mit Kartoffeln und Speck, die es oft als Vorspeise gibt und die als Hauptgericht auch reicht.

Weitere Sachen, die du probieren solltest: Kniddelen sind große Mehlklöße, meist mit Speck. Träipen ist die luxemburgische Blutwurst, klassisch mit Apfelmus dazu. Gromperekichelcher sind Kartoffelpuffer mit Zwiebeln und Petersilie, die es auf jedem Fest und Markt gibt und die wahrscheinlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Land haben. Kachkéis ist ein gekochter Streichkäse, den die Einheimischen mit Senf aufs Brot packen. Riecht streng, schmeckt gut. Als Nachtisch die Quetschentaart, eine Zwetschgentarte, die im Spätsommer überall auftaucht.

Ein Wort zur Schueberfouer-Küche, weil das eine eigene Kategorie ist: Fouerfësch, also in Bierteig gebackener Wittling mit Pommes, dazu ein trockener Moselwein. Das gibt es genau drei Wochen im Jahr und Luxemburger reisen dafür quer durchs Land.

Getrunken wird Wein. Auf rund 1.300 Hektar an der Mosel wachsen Riesling, Rivaner, Elbling, Auxerrois und Pinot gris. Rotwein ist selten. Ein großer Teil der Ernte geht in Crémant, den luxemburgischen Schaumwein nach traditioneller Flaschengärung, und der ist für sein Preisniveau richtig gut. Kellerbesichtigungen bei Vinsmoselle in Wormeldange dauern etwa eine Stunde und laufen ganzjährig auf Reservierung, außer während der Lese im September. Verkostungen musst du vorher buchen, spontan reinlaufen funktioniert meistens nicht.

Wer lieber Bier trinkt, findet Bofferding, Diekirch und Simon. Alle drei sind solide, keins davon reißt dich vom Hocker. Wenn ich im Land bin, trinke ich Crémant. Wer einen Kater braucht, nimmt den Picadilly beim Weinfest in Stadtbredimus am zweiten Augustwochenende, ein süßes Zeug auf Wein- und Cassisbasis, das es nur dort gibt.

Backpacker Visum und Impfungen in Luxemburg

Luxemburg ist EU- und Schengen-Mitglied, für Deutsche also unkompliziert. Die Einreise ist mit folgenden Dokumenten möglich:

  • Reisepass: Ja
  • Vorläufiger Reisepass: Ja
  • Personalausweis: Ja
  • Vorläufiger Personalausweis: Ja
  • Kinderreisepass: Ja

Anmerkungen: Ein Visum brauchst du als EU-Bürger nicht, es gibt keine zeitliche Begrenzung für den Aufenthalt als Tourist. Aufenthalte über drei Monate müssen bei der Gemeinde angemeldet werden. Jedes Kind braucht ein eigenes Ausweisdokument. Und auch wenn es hier keine Grenzkontrollen gibt: Im Zug musst du auf Verlangen des Schaffners jederzeit einen Ausweis vorzeigen können. Das ist ausdrücklich Teil der Regeln für den kostenlosen Nahverkehr. Also nicht ohne Papiere losfahren.

Unterwegs im Éislek

Unterwegs im Éislek

Impfungen und medizinische Hinweise

Besondere Impfungen sind für Luxemburg nicht vorgeschrieben. Sinnvoll ist der übliche Standardschutz, also aktuelle Auffrischungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Für Wanderer im Mullerthal und im Éislek ist eine Zeckenschutzimpfung eine Überlegung wert, gerade wenn du im Sommer durch hohes Gras und Unterholz läufst. Zecken nach jedem Wandertag absuchen sollte ohnehin Routine sein.

Die medizinische Versorgung liegt auf hohem westeuropäischem Niveau. Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte auf der Rückseite deiner Gesundheitskarte bist du grundsätzlich abgesichert. Eine private Auslandsreisekrankenversicherung kostet im Jahr wenig und deckt Sachen ab, die die EHIC nicht übernimmt, etwa den Rücktransport. Bei der Notrufnummer gilt europaweit die 112.

Leitungswasser kannst du überall trinken, die Qualität ist gut. Wer im Sommer auf dem Lee Trail unterwegs ist, sollte trotzdem mindestens zwei Liter dabeihaben. Die Kämme hat keine Wasserstellen und die nächste Ortschaft manchmal drei Stunden entfernt ist.

Noch eine Kleinigkeit für alle, die weiterziehen: Ein Blick auf unsere Backpacking Packliste lohnt sich vor der Abreise, gerade wegen der Regenklamotten. Und wer Luxemburg mit den Nachbarn kombinieren will, findet bei uns auch die Länderseiten zu Deutschland, Frankreich und dem Rest von Europa.