Backpacking auf Hawaii
Hawaii steht auf fast jeder Traumziel-Liste, und trotzdem trauen sich nur wenige Backpacker wirklich hin. Der Grund ist simpel: Der Inselstaat ist sauteuer. Wer aus Deutschland kommt und Südostasien-Preise im Kopf hat, bekommt beim ersten Blick auf die Hostelpreise erst mal einen Schreck. Ein Dorm-Bett in Waikiki kostet dich mehr als ein ordentliches Doppelzimmer in Vietnam. Und doch: Mit dem richtigen Plan kannst du Hawaii als Rucksackreisender machen, ohne dein Konto komplett zu leeren. Man muss nur wissen, wo man spart und wo es sich lohnt, Geld liegen zu lassen.
Hawaii ist auch nicht die eine Insel, sondern eine ganze Kette. Sechs Inseln kannst du besuchen, vier davon sind für Traveler richtig interessant: Oahu mit Honolulu und Waikiki, Big Island mit dem aktiven Vulkan, Maui mit der Straße nach Hana und Kauai mit seiner wilden Napali-Küste. Jede fühlt sich anders an. Lass uns die Inseln zusammen durchgehen, ehrlich, mit echten Preisen in Euro und mit den Stellen, an denen ich dir sage: Das kannst du dir sparen.
Reisen auf Hawaii ist anders
Hawaii gehört zu den USA, auch wenn es fast 4.000 Kilometer vom Festland entfernt mitten im Pazifik liegt. Für dich heißt das: kein klassisches Visum, sondern ESTA, US-Dollar, amerikanische Portionsgrößen und eine Servicekultur mit Trinkgeld. Gleichzeitig tickt hier vieles polynesisch. Die Uhren gehen langsamer, „Island Time“ ist ein echtes Ding, und Aloha ist keine Floskel, sondern eine Haltung.
Was viele unterschätzen: Der Massentourismus hat Spuren hinterlassen, und die Einheimischen haben die Nase teilweise voll. In den letzten Jahren hat der Bundesstaat deshalb an vielen beliebten Orten Reservierungssysteme eingeführt. Du kannst nicht mehr einfach spontan zum Diamond Head hochlaufen oder in die Hanauma Bay schnorcheln. Ohne Buchung stehst du am Tor und darfst wieder gehen. Dazu kommen die Naturgewalten. Auf Big Island bricht seit Ende 2024 der Vulkan Kilauea aus, auf Maui hat 2023 ein Waldbrand die historische Stadt Lahaina zerstört. Beides prägt eine Reise heute stärker, als es die meisten Reiseführer zugeben.
Der Tourismus ist trotzdem der Motor der Inseln. Rund zehn Millionen Besucher kommen pro Jahr, die meisten bleiben auf Oahu oder Maui. Genau darin liegt deine Chance. Wer sich vom ausgetretenen Pfad wegbewegt, findet auch auf Oahu noch leere Buchten, und auf Big Island oder Kauai bist du sowieso schnell allein unterwegs.
Kultur auf Hawaii
Die hawaiianische Kultur ist polynesischen Ursprungs. Die ersten Siedler kamen mit Auslegerkanus über den Pazifik, lange bevor James Cook 1778 die Inseln für Europa „entdeckte“. Was danach kam, war für die Ureinwohner bitter: eingeschleppte Krankheiten, der Sturz des Königreichs 1893 und die Annexion durch die USA. 1959 wurde Hawaii dann der 50. Bundesstaat. Diese Geschichte spürst du bis heute, gerade wenn du mit Einheimischen ins Gespräch kommst.
Auf die Inseln kamen über die Plantagenzeit Menschen aus Japan, China, den Philippinen, Portugal und Korea. Diese Mischung prägt bis heute alles, vom Essen bis zur Sprache. Das lokale Pidgin-Englisch ist ein eigener Dialekt, den du als Tourist kaum verstehst. Hula ist mehr als Hüftschwung für Touristen, sondern eine Form, Geschichten und Genealogie weiterzugeben. Und die Ukulele haben übrigens portugiesische Einwanderer mitgebracht.
Ein Wort zum Thema Respekt, weil es hier wirklich zählt. Viele Orte sind heilig („wahi pana“). Auf dem Gipfel des Haleakala oder am Mauna Kea siehst du morgens manchmal Einheimische, die einen Gesang („oli“) anstimmen. Halt dann die Klappe, kein Blitzlicht, kein Selfie mitten rein. Sonst bist du genau der Tourist, über den sich die Locals aufregen.

Kulturelle Sehenswürdigkeiten auf Hawaii
Hawaii ist kein Museumsziel wie Peru oder Ägypten, die Kultur steckt eher im Alltag und in der Landschaft. Trotzdem gibt es einige Orte, an denen du tiefer eintauchst als am Strand. Hier eine Liste mit lohnenden Kulturstopps und historischen Stätten über die Inseln verteilt:
- Pearl Harbor und das USS Arizona Memorial auf Oahu
- Iolani Palace in Honolulu, der einzige echte Königspalast auf US-Boden
- Bishop Museum in Honolulu, die beste Sammlung zu polynesischer Kultur
- Puuhonua o Honaunau („Place of Refuge“) auf Big Island
- Puukohola Heiau, ein gewaltiger Tempelbau aus der Zeit von König Kamehameha
- Die Petroglyphen-Felder von Puako und im Volcanoes-Nationalpark
- Iao Valley auf Maui, Ort einer entscheidenden Schlacht in der Inselgeschichte
- Waipio Valley auf Big Island, einst Wohnsitz hawaiianischer Könige
- Der Mauna Kea auf Big Island, für viele Hawaiianer der heiligste Berg
- Old Lahaina und die Kultur West-Mauis, im Wiederaufbau nach dem Brand 2023
Hawaiireise: Was gibt es zu beachten?
Die größte Falle ist das Geld. Hawaii kostet dich locker das Doppelte bis Dreifache eines Südostasien-Trips. Wer das nicht einplant, ist nach zehn Tagen pleite. Der zweite Punkt ist der Ozean. Die Strände sehen harmlos aus, aber die Strömungen sind es nicht. Jedes Jahr ertrinken hier Touristen, weil sie Warnschilder ignorieren oder im Winter an der falschen Küste ins Wasser gehen. Schwimm an bewachten Stränden, frag den Lifeguard, und wenn du in eine Strömung gerätst, schwimm parallel zum Ufer, nicht dagegen.
Dann die Reservierungen. Acht Attraktionen brauchen inzwischen eine Buchung im Voraus, teilweise 60 Tage vorher, teilweise sind sie in Minuten weg. Dazu später mehr, aber merk dir jetzt schon: Hawaii ist kein Ziel für „wir schauen mal vor Ort“. Und noch eine praktische Sache, die dich sonst am Flughafen erwischt: Sonnencreme muss riff-freundlich sein. Cremes mit Oxybenzon und Octinoxat sind auf Hawaii per Gesetz verboten, weil sie die Korallen killen. Kauf reef-safe, sonst wird dir deine gute Creme im Zweifel abgenommen.
Backpacker Routen auf Hawaii
Beim Routenplanen auf Hawaii entscheidet vor allem eins: Wie viele Inseln willst du sehen? Jeder Inselwechsel kostet dich einen halben Reisetag und einen Flug, und die Inlandsflüge sind 2025 und 2026 richtig teuer geworden. Southwest hat rund 30 Prozent der Inselverbindungen gestrichen, Hawaiian Airlines gehört jetzt zu Alaska, und dazu kamen die Spritpreise. Die alten „39-Dollar-Tipps“ aus vielen Reiseblogs stimmen einfach nicht mehr. Rechne heute eher mit 115 bis 195 Euro für einen Hin- und Rückflug zwischen zwei Inseln, wenn du zwei Wochen vorher buchst. Eine Fähre zwischen den Inseln gibt es übrigens nicht, die wurde 2009 eingestellt und kam nie zurück.
Deshalb mein Rat: Lieber weniger Inseln, dafür richtig. Wer nur zehn Tage hat, macht Oahu und maximal eine zweite Insel. Wer fünf Wochen Zeit hat, kann alle vier Hauptinseln in Ruhe abklappern. Hier zwei Vorschläge, einmal kompakt und einmal für die, die alles wollen.
Route 1: Der Klassiker (14-18 Tage)
- 5-6 Tage Oahu: Waikiki, Diamond Head, Pearl Harbor, ein Tag North Shore mit Haleiwa und den großen Wellen im Winter, ein Tag Ostküste mit Lanikai und Kailua
- 1 Tag Hanauma Bay zum Schnorcheln (vorher Reservierung sichern)
- Flug nach Big Island (Kona oder Hilo)
- 3-4 Tage Volcanoes-Nationalpark und Umgebung: Kilauea, Punaluu Black Sand Beach, die Kona-Kaffeefarmen
- 1 Nacht Sterne gucken am Mauna Kea von der Besucherstation auf 2.800 Metern
- 2-3 Tage Hilo-Seite: Rainbow Falls, Akaka Falls, der grüne Regenwald-Osten
- 1-2 Tage Kona-Seite: Schnorcheln in der Kealakekua Bay, Manta-Rochen bei Nacht
Wenn du mehr Zeit und ein größeres Budget hast, hängst du an diesen Klassiker einfach die beiden ruhigeren Inseln dran. Maui und Kauai sind landschaftlich das Beste, was Hawaii zu bieten hat, brauchen aber jeweils ihre eigene Woche.
Route 2: All or Nothing (35-42 Tage)
Die oben genannten Ziele sind auch hier Teil des Trips.
- 1-2 Tage extra auf Oahu für den Osten und eine Wanderung wie den Kaena Point
- Flug nach Maui
- 1 Tag die Straße nach Hana fahren, mit Stopp am schwarzen Strand von Waianapanapa (Reservierung nötig)
- 1 Tag Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang am Haleakala-Krater auf 3.055 Metern
- 2-3 Tage Schnorcheln und Strände an der Südküste, Walbeobachtung im Winter
- 1 Tag Iao Valley und die Kulturgeschichte West-Mauis, mit Respekt vor den gesperrten Zonen in Lahaina
- Flug nach Kauai
- 3-4 Tage Napali-Küste: Kalalau Trail wandern oder eine Bootstour, dazu der Waimea Canyon
- 1-2 Tage Hanalei Bay im grünen Norden
- 1 Tag Rundflug per Helikopter über die Napali-Küste, das teuerste, aber vielleicht beeindruckendste Erlebnis der ganzen Reise
- 2-3 Tage Puffer für schlechtes Wetter, denn Kauai ist eine der regenreichsten Ecken der Erde

Reisezeiten auf Hawaii
Das Klima auf Hawaii ist das ganze Jahr angenehm, die Temperaturen liegen fast immer zwischen 24 und 31 Grad. Trotzdem gibt es Unterschiede, die deine Reise stark beeinflussen. Der Winter (etwa November bis März) bringt mehr Regen und die riesigen Wellen an die Nordküsten. Das ist die Zeit der berühmten Surfwettbewerke an der North Shore von Oahu, wo die Wellen bis über neun Meter hoch werden. Zum Schwimmen taugen dieselben Strände im Winter allerdings kaum, dann ist es dort lebensgefährlich.
Im Sommer (Mai bis September) dreht sich das Bild. Die Nordküsten werden ruhig und zum Schnorcheln top, dafür kommt die Dünung an die Südküsten wie Waikiki. Es ist trockener und heißer. Wer sparen will, reist im Herbst: September und Oktober sind die günstigsten und leersten Monate, ähnlich ruhig ist der Februar. Von Dezember bis März kannst du dafür Buckelwale beobachten, vor allem vor Maui ziehen sie dann in Scharen durch.
Backpacker Budget auf Hawaii
Sagen wir es klar: Billig ist Hawaii nicht, und wer dir was anderes erzählt, war nicht da. Reisen und übernachten liegt auf hohem US-Niveau, oft teurer als in Westeuropa. Dazu kommen versteckte Kosten, die dich am Anfang überraschen. Auf jede Übernachtung schlägt eine Steuer von rund 18 Prozent, auf fast alles andere kommen knapp 5 Prozent Sales Tax obendrauf, und Hotels verlangen oft noch eine „Resort Fee“ und Parkgebühren von 30 Euro pro Nacht und mehr. Hier ein realistischer Überblick für einen sparsamen Backpacker:
Tägliches Budget pro Person etwa 90 bis 130 Euro
- Unterkunft im Dorm 25-45 Euro
- Essen (Plate Lunch, Supermarkt, Poke) 25-40 Euro
- Wasser und Snacks 3 Euro
- Öffentlicher Bus auf Oahu (Tagespass) 7 Euro
- Mietwagen pro Tag 65-85 Euro (durch zwei oder drei Leute teilen)
Der große Brocken ist der Mietwagen. Auf Big Island, Maui und Kauai kommst du ohne Auto kaum voran, der öffentliche Nahverkehr ist dort ein Witz. Nur auf Oahu funktioniert das Bussystem so gut, dass du dort tatsächlich ganz ohne Auto auskommen kannst. Sobald du also die Inseln wechselst, kommen Flüge (115-195 Euro hin und zurück) und pro Insel ein Mietwagen dazu. Ein realistischer Zwei-Wochen-Trip über zwei Inseln landet schnell bei 1.800 bis 2.500 Euro plus internationalem Flug. Schön reden bringt nichts.
Preiswert auf Hawaii Reisen
Jetzt der bessere Teil: Es gibt echte Hebel, um die Kosten zu drücken. Der wichtigste ist das Essen. Restaurants in Waikiki hauen dir schnell 40 Euro pro Person raus, aber so isst kein Local. Der „Plate Lunch“ ist dein Freund: zwei Löffel Reis, ein Löffel Makkaronisalat und eine Portion Fleisch oder Fisch, für 11 bis 14 Euro, und satt wirst du davon locker. Poke aus dem Supermarkt kostet etwa 12 bis 16 Euro das Pfund, Spam Musubi als Snack zwei bis drei Euro. Wer bei Läden wie Foodland oder in Food Trucks isst und dazu im Supermarkt Frühstück kauft, kommt mit 25 bis 35 Euro am Tag über die Runden.
Zweiter Hebel: die Aktivitäten. Das Beste auf Hawaii kostet nämlich fast nichts. Strände sind kostenlos, die meisten Wanderungen auch, und die Nationalparks nehmen nur einen kleinen Eintritt (Volcanoes und Haleakala je rund 26 Euro pro Auto, sieben Tage gültig). Wo es richtig teuer wird, sind Helikopter-Rundflüge (ab etwa 300 Euro), geführte Schnorcheltouren und Luaus. Ein, zwei solcher Erlebnisse gönnst du dir, den Rest machst du auf eigene Faust. Und teile alles, was sich teilen lässt: Mietwagen, Ferienwohnung, sogar den großen Poke-Behälter. Zu zweit oder zu dritt fällt Hawaii sofort deutlich günstiger aus.
Der dritte Hebel gilt nur für Oahu, funktioniert dort aber gut: den Mietwagen weglassen. Oahu hat mit „TheBus“ ein dichtes Bussystem, das fast die ganze Insel abdeckt, dazu die neue Skyline-Bahn, die inzwischen bis zum Flughafen fährt. Bezahlt wird mit der HOLO-Karte (einmalig zwei Dollar), eine Einzelfahrt kostet rund drei Euro, und dank Deckelung zahlst du pro Tag nie mehr als etwa sieben Euro, egal wie oft du fährst. Damit erreichst du Waikiki, Pearl Harbor, die North Shore und Hanauma Bay ganz ohne Auto. Auf den anderen Inseln vergiss das wieder, da brauchst du den Wagen. Wie du sonst noch günstig unterkommst, zeigt dir unser Artikel zu Couchsurfing-Alternativen.

Backpacker Unterkünfte auf Hawaii
Hostels gibt es auf Hawaii, aber nicht viele. Der ganze Bundesstaat hat nur rund 30 Stück, und die verteilen sich fast alle auf drei Inseln: Oahu, Big Island und Maui. Auf Kauai wird es mit echten Backpacker-Hostels dünn, da weichst du eher auf günstige Zimmer oder Camping aus. Rechne für ein Dorm-Bett mit 25 bis 45 Euro pro Nacht, je nach Insel und Saison. Klingt viel für ein Etagenbett, ist aber die mit Abstand billigste feste Unterkunft.
Die meisten Hostels sitzen in Waikiki auf Oahu, direkt bei Strand, Bussen und Nachtleben. Namen, die immer wieder fallen: Polynesian Hostel Beach Club, Waikiki Beachside Hostel, Seaside Hawaiian Hostel. Viele werfen kostenlose Extras drauf, von Schnorchelausrüstung über Surfbretter bis zu geführten Touren. An der North Shore gibt es die Backpackers Hawaii nah an den Surfstränden. Auf Maui ist das Aloha Surf Hostel in Paia der Klassiker für Surfer, mit Gratis-Pancakes und täglichen Touren. Auf Big Island findest du unter anderem das My Hawaii Hostel und das Banana Bungalow mit kostenlosem Flughafen-Shuttle.
Eine echte Alternative auf Hawaii ist Camping, und zwar eine schöne. Viele der besten Plätze liegen direkt am Meer oder in den Nationalparks, für ein paar Euro pro Nacht. Am Punaluu Black Sand Beach auf Big Island kannst du zum Beispiel campen, am schwarzen Sand mit Schildkröten vor der Nase. Wichtig: Für staatliche und County-Campingplätze brauchst du in der Regel eine Genehmigung im Voraus, wild zelten ist verboten und wird kontrolliert. Ein Zelt und eine gute Isomatte im Rucksack sparen dir auf Hawaii mehr Geld als fast überall sonst. Was sonst in den Rucksack gehört, steht in unserer Backpacking Packliste.
Ferienwohnungen und Airbnbs sind auf Hawaii ein zweischneidiges Thema. Zu zweit oder zu dritt können sie günstiger sein als drei Hostelbetten, gerade auf Kauai. Gleichzeitig ist Kurzzeitvermietung ein wunder Punkt: Nach dem Brand von Lahaina wird auf Maui heftig darüber gestritten, weil Einheimische keinen Wohnraum finden. Buch mit Kopf und meide Angebote in Wohngebieten, die klar für Locals gedacht sind.
Backpacker Trips, Tipps & Highlights auf Hawaii
Wer nach Zielen auf Hawaii sucht, sollte sich vorher überlegen, was er eigentlich will. Nur faul am Strand liegen? Dann reicht Oahu. Vulkane und rohe Natur? Dann Big Island. Fahren, wandern, Wasserfälle? Maui und Kauai. Der häufigste Fehler ist, in zwei Wochen alle vier Inseln quetschen zu wollen. Am Ende hast du dann vor allem Flughäfen und Mietwagenschalter gesehen. Weniger ist hier wirklich mehr.
Und noch eine ehrliche Ansage vorweg zu den Stränden: Halt dich nicht zu lange in Waikiki auf. Der Strand ist okay, aber es ist eine betonierte Hotelmeile mit importiertem Sand, voll bis zum Anschlag. Dafür musst du nicht um die halbe Welt fliegen. Die wirklich guten Strände liegen woanders. Ein paar davon nenne ich dir jetzt.

Die schönsten Strände auf Hawaii
Oahu: Lanikai und der Kailua Beach an der Ostküste sind das, was du dir unter Hawaii vorstellst, feiner weißer Sand und türkises Wasser. Im Sommer ist die Waimea Bay an der North Shore ein Traum zum Schwimmen, im Winter dagegen ein Ort für die Big-Wave-Surfer. Zum Schnorcheln gehst du an die Shark’s Cove (keine Sorge, keine Haie) oder in die Hanauma Bay, für die du aber 48 Stunden vorher online buchen musst.
Big Island: Der Punaluu Black Sand Beach ist der bekannteste schwarze Strand Hawaiis, mit grünen Meeresschildkröten, die im Sand dösen. Zum Schwimmen taugt er wegen der Strömung wenig, zum Gucken ist er stark. Für weißen Sand fährst du an den Hapuna Beach, eine der breitesten Sandbuchten der Insel.
Maui und Kauai: Auf Maui ist der schwarze Strand von Waianapanapa ein Highlight (Reservierung nötig). Auf Kauai locken der Hanalei Bay im grünen Norden und die einsamen Strände entlang der Napali-Küste, an die du nur per Boot oder zu Fuß kommst. Ein Wort zur Warnung, das Locals dir auch geben würden: Fass keine Schildkröten und keine Mönchsrobben an, halt mindestem drei Meter Abstand. Die Tiere sind streng geschützt, und du machst dich strafbar.
Backpacker Highlights auf Hawaii
Das absolute Muss ist für mich Pearl Harbor auf Oahu. Das USS Arizona Memorial schwebt über dem gesunkenen Schlachtschiff, in dem noch heute über tausend Gefallene liegen. Die Bootstickets sind knapp, buch sie vorher online (das Ticket selbst ist fast gratis, der Besucherbereich drumherum sowieso kostenlos). Wer Geschichte mag, kombiniert das mit dem Battleship Missouri und dem U-Boot Bowfin.
Ein anderes Highlight ist das Sternegucken. Auf dem Mauna Kea auf Big Island, dem höchsten Berg Hawaiis, stehen einige der besten Teleskope der Welt. Zur kostenlosen Besucherstation auf 2.800 Metern kommst du mit einem normalen Auto, und an klaren Nächten siehst du dort einen Sternenhimmel, den du so kaum vergisst. Zieh dich warm an, oben wird es empfindlich kalt. Für den Gipfel auf über 4.200 Metern brauchst du einen Allrad, und der Berg ist vielen Hawaiianern heilig, also verhalte dich dort entsprechend.
Wer im Winter (Dezember bis März) da ist, sollte eine Walbeobachtung einplanen, am besten vor Maui. Die Buckelwale kommen dann zum Kalben in die warmen Gewässer, und du siehst sie oft schon vom Ufer aus springen. Und ein teures, aber ehrlich beeindruckendes Erlebnis: der Helikopter-Rundflug über Kauai. Die Napali-Küste und der Waimea Canyon sehen von oben so wild aus, dass sich die 300 Euro für viele lohnen. Muss man nicht, kann man aber machen.
Kurz zum Thema Luau, dieser hawaiianischen Festmahl-Show mit Hula und Feuertanz. Ehrlich gesagt sind viele davon reine Touristenfallen: 120 Euro und mehr für ein Buffet und eine Bühnenshow, die mit echter Kultur wenig zu tun hat. Wenn du eins machst, dann ein Luau mit gutem Ruf und lokaler Verwurzelung, etwa das Old Lahaina Luau auf Maui, das seit Jahrzehnten von der Community getragen wird. Wer nur die Show für ein Foto will, spart sich das Geld besser und geht stattdessen zu einem kostenlosen Hula-Auftritt, wie es sie in Waikiki regelmäßig am Kuhio Beach gibt.

Vulkane und Nationalparks auf Hawaii
Der Star unter Hawaiis Naturzielen ist gerade der Volcanoes-Nationalpark auf Big Island. Der Kilauea bricht seit dem 23. Dezember 2024 immer wieder aus, in Schüben mit teils gigantischen Lavafontänen von mehreren hundert Metern Höhe. Der Ausbruch bleibt im Krater Halemaumau innerhalb des Parks, und du kannst ihn von sicheren Aussichtspunkten am Kraterrand beobachten. Ehrliche Einordnung: Das ist episodisch. Mal spuckt der Berg tagelang Feuer, mal pausiert er wochenlang. Es kann also gut sein, dass du ankommst und nur einen dampfenden Krater siehst. Melde dich beim kostenlosen „Volcano Notification Service“ des USGS an, dann bekommst du die aktuellen Ausbrüche direkt aufs Handy. Und pass auf den „Vog“ auf, den vulkanischen Dunst, der bei bestimmten Winden über die Aussichtspunkte zieht und Atemprobleme machen kann.
Der zweite große Nationalpark ist der Haleakala auf Maui, ein Vulkan von über 3.000 Metern Höhe. Klassiker ist der Sonnenaufgang über den Wolken am Krater, ein Erlebnis der besonderen Sorte. Der Haken: Für die Einfahrt zwischen 3 und 7 Uhr morgens brauchst du zwingend eine Reservierung (ein Dollar pro Fahrzeug, plus Parkeintritt), und die sind schnell weg. Die Tickets werden 60 Tage vorher freigegeben, dazu noch mal 48 Stunden vorher. Mein Tipp, wenn du keine bekommst: Fahr zum Sonnenuntergang hoch. Der ist fast genauso spektakulär, es sind ein Drittel weniger Leute da, und du brauchst keine Reservierung. Oben ist es übrigens saukalt, teils um den Gefrierpunkt. Nimm eine dicke Jacke mit, sonst zitterst du zwei Stunden lang.
Auf Kauai ist der Waimea Canyon das große Ding, von Mark Twain angeblich „Grand Canyon des Pazifiks“ genannt. Rote Felswände und grüne Schluchten, tief unten stürzen Wasserfälle herab. Die Aussichtspunkte erreichst du bequem mit dem Auto, für die schönsten Blicke solltest du früh dran sein, bevor die Wolken hochziehen.
Wandern und Abenteuer auf Hawaii
Zum Wandern ist Hawaii ein Traum, und das Beste daran: Es ist meist kostenlos. Der bekannteste Trail ist der Kalalau Trail an der Napali-Küste auf Kauai, gut 17 Kilometer entlang wilder Klippen bis zu einem versteckten Strand. Der erste Abschnitt bis zum Hanakapiai Beach (gut drei Kilometer hin) ist schon ein tolles Tagesziel. Achtung: Für den Zugang zum Haena State Park am Trailhead brauchst du eine Reservierung, die 30 Tage vorher um Mitternacht öffnet und in Sekunden vergriffen ist. Wer weiter als bis Hanakapiai will, braucht zusätzlich eine Camping-Genehmigung für den Napali-Coast-Wildnispark. Und dieser Trail ist kein Spaziergang, an manchen Stellen ist er ausgesetzt und bei Regen gefährlich rutschig.
Auf Oahu sind der Diamond Head (kurzer Aufstieg mit Blick über Waikiki, Reservierung für Nicht-Einwohner nötig) und der Kaena Point am Westzipfel beliebt. Der Koko Head Trail ist eine brutale Treppe aus alten Bahnschwellen, gut 1.000 Stufen fast senkrecht hoch, ein echter Beinbrecher, aber die Aussicht oben ist top. Auf Maui fährst du die Straße nach Hana, über 600 Kurven und 50 Brücken durch Regenwald, vorbei an Wasserfällen und Badebuchten. Plan dafür einen ganzen Tag ein, starte früh, und tank vorher voll.
Zum Wassersport: Surfen lernst du am besten in Waikiki, wo die Wellen sanft und lang sind. Die North Shore ist im Winter nur was für Profis, dort wirst du als Anfänger im Zweifel weggehauen. Schnorcheln ist auf allen Inseln stark, besonders in der Kealakekua Bay auf Big Island (glasklares Wasser, oft Delfine) und an der Molokini-Insel vor Maui. Eine der verrücktesten Sachen überhaupt: nachts mit den Mantarochen schnorcheln vor Kona. Die riesigen, völlig harmlosen Tiere gleiten im Scheinwerferlicht direkt an dir vorbei. Kostet was, ist aber ein Erlebnis für sich.

Essen und Trinken auf Hawaii
Das Essen auf Hawaii ist ein eigener Grund, herzukommen. Es ist eine Mischung aus hawaiianischen Wurzeln und den Küchen der Einwanderer aus Japan, China, den Philippinen, Portugal, Korea und vom US-Festland. Aus der Plantagenzeit stammt der „Plate Lunch“, das Arbeiteressen schlechthin und heute das Rückgrat der günstigen Küche. Zwei Löffel Reis, ein Löffel cremiger Makkaronisalat und dazu eine Proteinportion, etwa Teriyaki-Rind, Katsu-Hähnchen oder Kalua-Schwein.
Das bekannteste Gericht ist Poke: roher, gewürfelter Fisch, meist Thunfisch, mariniert in Sojasoße, Sesamöl und Frühlingszwiebeln. Kein Trend-Import wie in Berlin, sondern eine alte hawaiianische Tradition. Am besten und billigsten kaufst du Poke frisch an der Theke im Supermarkt. Dann gibt es Loco Moco, ein Hackfleisch-Patty auf Reis, gekrönt von Spiegelei und brauner Soße, das ideale Essen nach einem langen Strandtag. Und Spam Musubi, eine Art Sushi aus Reis und einer Scheibe Dosenfleisch, in Nori gewickelt. Klingt komisch, schmeckt gut, und die Hawaiianer lieben ihr Spam wie kein zweites Volk.
Für den süßen Hunger gibt es zwei Pflichtstationen. Malasadas sind portugiesische Krapfen ohne Loch, warm und in Zucker gewälzt, oft gefüllt mit Haupia (Kokospudding) oder Custard. Das legendärste Adresse ist Leonard’s Bakery in Honolulu, seit 1952, wo das Stück ab etwa 1,50 Euro kostet. Sei vor zehn Uhr da, sonst stehst du Schlange. Und Shave Ice, das hawaiianische Wassereis, feiner als jede Slush, mit Sirup übergossen. Bei Matsumoto an der North Shore oder bei Ululani auf Maui bekommst du die guten. Nenn es bloß nicht „Snow Cone“, das gilt als Beleidigung.
Dazu ein Tipp fürs Trinken: Leitungswasser ist auf Hawaii sauber und trinkbar, nimm eine wiederbefüllbare Flasche mit und spar dir die teuren Plastikflaschen. Kaffee-Fans machen einen Abstecher zu den Kona-Kaffeefarmen auf Big Island, wo du oft kostenlos verkosten kannst. Und probier ruhig mal ein POG, den lokalen Saft aus Passionsfrucht, Orange und Guave, den du auf jedem Inlandsflug bekommst.
Backpacker Visum und Impfungen auf Hawaii
Hawaii gehört zu den USA, für die Einreise gelten also die US-Regeln. Als deutscher, österreichischer oder schweizerischer Staatsbürger reist du über das Visa Waiver Program ein und brauchst dafür kein klassisches Visum, sondern eine ESTA-Genehmigung. Die beantragst du online vorab. Ein paar Eckdaten laut aktuellem Stand:
- Gültiger biometrischer (elektronischer) Reisepass: Ja, zwingend
- Personalausweis: Nein, reicht nicht
- Alter Kinderreisepass: Nein, seit 2016 nicht mehr für das VWP gültig
- ESTA-Gebühr 2026: offiziell 40,27 US-Dollar, also rund 35 Euro
- Gültigkeit ESTA: zwei Jahre oder bis der Pass abläuft
- Maximaler Aufenthalt: 90 Tage pro Einreise
Anmerkungen: Beantrag die ESTA nur über die offizielle Seite esta.cbp.dhs.gov. Es gibt haufenweise private Anbieter, die dir für denselben Antrag das Doppelte oder Dreifache abknöpfen. Kümmer dich ein paar Wochen vorher darum, denn manchmal dauert die Bestätigung. Die ESTA ist keine Einreisegarantie, das letzte Wort hat der Beamte bei der Immigration. Wer länger als 90 Tage bleiben, arbeiten oder studieren will, braucht ein richtiges Visum. Für Inlandsflüge zwischen den Inseln reicht dein Reisepass als Ausweis. Details zur US-Einreise findest du auch in unserem Artikel Mit ESTA Visum in die USA einreisen und in der Länderübersicht zu den USA.

Impfungen und medizinische Hinweise
Für Hawaii sind keine besonderen Impfungen vorgeschrieben. Das Auswärtige Amt empfiehlt, die Standardimpfungen aktuell zu halten, dazu gehören etwa Tetanus, Diphtherie und Masern. Tropenkrankheiten wie Malaria gibt es auf Hawaii nicht. Vereinzelt tritt Dengue-Fieber auf, das über Mücken übertragen wird, ein Mückenschutz schadet also nicht.
Der wichtigste Gesundheitspunkt auf Hawaii ist banaler: die Sonne und das Meer. Die UV-Strahlung ist hier extrem, du verbrennst schneller, als du denkst. Nutz reef-safe Sonnencreme (die mit Oxybenzon ist verboten), eine Kopfbedeckung und ein Shirt beim Schnorcheln. Zweiter Punkt sind die Strömungen und die Verletzungsgefahr an scharfen Lavafelsen und Korallen, feste Wasserschuhe sind an vielen Stränden Gold wert. Und ganz praktisch: Eine gute Auslandskrankenversicherung ist auf Hawaii Pflicht, denn die medizinische Versorgung in den USA ist top, aber ohne Versicherung ruinös teuer. Ein Krankenhausbesuch kann dich sonst mehr kosten als die ganze Reise.
