Backpacking in Tunesien
Tunesien kennen die meisten Deutschen aus dem Katalog und fast niemand vom Reisen. Zwei Wochen All-inclusive bei Hammamet, einmal aufs Kamel, Foto, fertig. Dabei steckt auf einer Fläche von 163.610 Quadratkilometern, also gut der halben Größe Deutschlands, ein absurd dichtes Programm: römische Ruinen, die es mit Italien aufnehmen, 1.300 Kilometer Küste, eine der heiligsten Städte des Islam, der Rand der Sahara. Und die nördlichste Landspitze Afrikas, auf der du praktisch allein stehst.
Was Tunesien für Backpacker so brauchbar macht, ist die Kombination aus kurzen Wegen und niedrigen Preisen. Von München bist du in gut zwei Stunden in Tunis. Ein Zugticket quer durchs Land kostet weniger als ein Bier in Berlin. Gleichzeitig ist das Land für Individualreisende immer noch merkwürdig unentdeckt, weil der Tourismus nach 2015 zusammengebrochen ist und sich bis heute vor allem in den Hotelzonen erholt hat. Heißt für dich: Du wirst in Sfax oder El Kef tagelang keinen anderen Rucksackträger sehen. Heißt aber auch: Die Infrastruktur für Backpacker ist dünn, und es gibt Regionen, in die du schlicht nicht fahren solltest. Beides steht weiter unten.
Reisen in Tunesien ist anders
Tunesien funktioniert nicht wie Marokko. Wer aus Marokko kommt und sich auf das übliche Spiel mit Fake-Guides, Teppichhändlern und Preisverhandlungen einstellt, wird angenehm überrascht. Die Souks in Tunis und Sousse haben ihre Touristenecken, klar, aber sobald du zwei Gassen weiter läufst, kaufen dort einfach Tunesier ihr Gemüse. Der Verkaufsdruck ist ein Bruchteil dessen, was du aus Marrakesch kennst.
Der zweite Unterschied ist die Sprache. Arabisch ist Amtssprache, aber Französisch sitzt tief. Fast jeder, der die Schule besucht hat, spricht es fließend, viele Jüngere zusätzlich passables Englisch. Wer im Schulfranzösisch nicht komplett verkümmert ist, kommt hier überall durch. Wer kein Wort Französisch kann, hat vor allem an Louage-Stationen ein Problem, weil dort niemand Schilder auf Englisch aufhängt. Ein bisschen Vokabelpauken vor der Reise zahlt sich echt aus.
Und der dritte Unterschied: Tunesien ist kein Massenziel mehr. 2015 gab es zwei schwere Anschläge, einen an einem Hotelstrand bei Sousse und einen im Bardo-Museum in Tunis. 2023 traf es die Synagoge La Ghriba auf Djerba. Der Tourismus ist danach eingebrochen und kommt nur langsam zurück, hauptsächlich in Pauschalform. Für dich als Individualreisenden bedeutet das leere Sehenswürdigkeiten und Leute, die sich ehrlich freuen, dass du da bist. Es bedeutet aber auch, dass du dir die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts vor der Buchung tatsächlich durchlesen solltest. Nicht überfliegen. Lesen.
Kultur in Tunesien
Tunesien ist die vielleicht liberalste arabische Gesellschaft am Mittelmeer. In der Innenstadt von Tunis siehst du innerhalb von zwanzig Metern eine Frau im Vollschleier und eine im kurzen Rock, und niemand dreht sich um. Sousse, Monastir und Sfax sind ähnlich entspannt, gerade bei den Jüngeren. Sobald du aber aufs Land fährst, nach Kairouan, in den Süden bei Tataouine oder in die Berge im Westen, kippt das deutlich ins Konservative. Frauen sollten sich außerhalb der Touristenzentren zurückhaltender verhalten, das steht so auch in den Hinweisen des Auswärtigen Amts.
Kulturell sitzt das Land auf einem irren Stapel: Phönizier, Römer, Vandalen, Byzantiner, Araber, Osmanen, Franzosen. Utica wurde um 1100 vor Christus als phönizischer Handelsposten gegründet und ist damit älter als Karthago. Kairouan gilt vielen als heiligste islamische Stadt Afrikas. Die Berber, die indigene Bevölkerung Nordafrikas, leben bis heute im Süden rund um Tataouine und Chenini, teils noch in den alten Ksour, den befestigten Speicherdörfern.
Bemerkenswert ist auch, dass Tunesien eine der größten verbliebenen jüdischen Gemeinden der arabischen Welt hat, vor allem auf Djerba und in Tunis. Die Synagoge La Ghriba auf Djerba ist bis heute Wallfahrtsort. In Sfax steht eine aufgegebene Synagoge mitten in der Altstadt. Wer sich für die Geschichte des Mittelmeerraums interessiert, findet hier auf kurzer Strecke mehr Schichten als in halb Europa.

Kulturelle Sehenswürdigkeiten in Tunesien
Für einen Überblick über die stärksten Kulturstätten des Landes klickst du am besten die Liste der tunesischen Weltkulturerben bei der UNESCO durch. Dort stehen die Pflichtprogramme, dazwischen aber auch ein paar Orte, an denen du garantiert allein bist. Hier eine Liste mit den kulturellen Highlights plus ein paar Abenteuerzielen in Tunesien:
- Medina von Tunis mit Zitouna-Moschee
- Ruinen von Karthago und die Antoninus-Thermen
- Bardo-Nationalmuseum mit einer der größten Mosaiksammlungen der Welt
- Sidi Bou Said, blau-weißes Klippendorf über dem Golf von Tunis
- Amphitheater von El Jem, drittgrößte Arena der römischen Welt
- Dougga, römische Stadt im Weizenland, Weltkulturerbe seit 1997
- Bulla Regia mit seinen unterirdischen Villen
- Medina von Sousse mit Ribat und Archäologiemuseum
- Ribat von Monastir und Bourguiba-Mausoleum
- Kairouan: Große Moschee, Zaouia Sidi Sahab, Aghlabiden-Becken
- Medina von Sfax, die am wenigsten touristische Altstadt des Landes
- Utica, phönizische Gründung nördlich von Tunis
- Nationalpark Ichkeul, UNESCO-Naturerbe und Flamingo-Rastplatz
- Ksar Ouled Soltane und Chenini bei Tataouine
- Höhlenwohnungen von Matmata
- Jugurtha Tableland, Tafelberg an der algerischen Grenze bei El Kef
Tunesienreise: Was gibt es zu beachten?
Jetzt der unangenehme Teil, den die meisten Reiseblogs weglassen. Tunesien hat rechtliche Fallstricke, die dich richtig Geld oder Freiheit kosten können, und die stehen in keinem Hochglanzartikel.
Drohnen sind verboten. Punkt. Schon die Einfuhr kann laut Auswärtigem Amt einen Terrorismus- oder Spionageverdacht begründen, und dasselbe gilt für Funkgeräte. Ferngläser können konfisziert werden. Fotografieren von Militär- und Polizeianlagen, Regierungsgebäuden oder sicherheitsrelevanten Bereichen ist ebenfalls untersagt und kann zur Inhaftierung führen. Wer sein DJI-Spielzeug für Wüstenaufnahmen einpackt, verliert im besten Fall die Drohne.
Das Gesetzesdekret 54 sieht bis zu zehn Jahre Haft für die Verbreitung von „Falschinformationen und Gerüchten“ im Internet vor. Das betrifft auch politische Äußerungen. Gleichzeitig geht die Regierung verschärft gegen „unmoralische Inhalte“ auf TikTok und Instagram vor. Halte dich mit Politik-Postings aus Tunesien einfach zurück, das ist nicht dein Kampf.
Alkohol ist legal, aber du bekommst ihn nur in lizenzierten Bars, manchen Hotels und Supermärkten wie Monoprix. Auf der Straße oder am Strand trinken ist verboten. Die Promillegrenze im Straßenverkehr liegt bei 0,3. Der Besitz kleinster Mengen Cannabis wird mit mindestens einem Jahr Haft plus Geldstrafe geahndet, bei Drogendelikten sind bis zu 20 Jahre möglich. Ehebruch und homosexuelle Handlungen sind strafbar. Für queere Reisende ist Tunesien schlicht kein sicheres Ziel, und ich finde, das muss man auch so hinschreiben.
Dann die Sicherheitszonen. Das Auswärtige Amt rät ab von Reisen südlich beziehungsweise südöstlich einer Linie, die von der algerischen Grenze über Tozeur und Nafta, Douz, Ksar Ghilane und Tataouine bis Zarzis verläuft. Die Orte selbst liegen auf dieser Linie und sind touristisch erschlossen, alles dahinter ist tabu. Ebenfalls abgeraten wird vom unmittelbaren Grenzgebiet zu Algerien, von den Gebirgsregionen zwischen Ain Draham und Kasserine sowie von individuellen, nicht organisierten Wüstentouren. Teile dieser Bergregionen sind vermint. Ein 20 Kilometer breiter Streifen entlang der libyschen Grenze ist militärisches Sperrgebiet.
Klingt heftig, und man muss es einordnen: Die touristische Achse zwischen Tunis, Sousse, El Jem, Sfax, Djerba und Tozeur liegt komplett außerhalb dieser Zonen. Aber wer sich einbildet, mit dem Mietwagen mal eben allein in die Dünen zu fahren, handelt fahrlässig. Wüste immer organisiert, in der Gruppe, mit ortskundigem Fahrer.

Backpacker Routen in Tunesien
Tunesien ist ein Land für Zugfahrer und Louage-Fahrer. Die Bahn deckt die Küstenachse von Tunis über Sousse, El Jem und Sfax bis Gabès ab, plus die Nebenstrecke nach Monastir und Mahdia. Alles, was die Bahn nicht anfährt, machen die Louages: weiße Minivans mit fester Route, die abfahren, sobald sie voll sind. Kairouan hat zum Beispiel gar keinen Bahnhof, dahin fährst du per Louage oder mit dem SNTRI-Bus.
Wie immer hängt die Routenplanung davon ab, wie viel Zeit und Geld du hast. Und davon, was du eigentlich sehen willst. Wer nur Römer abklappern will, bleibt im Norden und spart sich die lange Fahrt in den Süden. Wer Wüste will, muss dafür zwei volle Reisetage einplanen, in jede Richtung. Ein Vorschlag zur Aufteilung, mal mit und mal ohne Aktivitäten:
Route 1: Der Klassiker (14-18 Tage)
- 3-4 Tage: Tunis, Medina, Bardo, Karthago und Sidi Bou Said
- 1-2 Tage: Bizerte und Cap Angela, der nördlichste Punkt Afrikas
- 2 Tage: Dougga und Bulla Regia, römische Ruinen ohne jede Menschenseele
- 2-3 Tage: Sousse als Basis, von dort Monastir und Kairouan als Tagestrips
- 1 Tag: El Jem, Amphitheater am Vormittag, mittags weiter nach Sfax
- 1-2 Tage: Sfax und die beste unverbaute Medina des Landes
- 3-4 Tage: Tozeur mit den Bergoasen Chebika, Tamerza und Midès, dazu Chott el Djerid
- 2 Tage: Douz und eine organisierte Nacht im Wüstencamp
Route 2: All or Nothing (30-40 Tage)
Die oben genannten Ziele sind auch hier Teil des Trips
- 2-3 Tage: Tabarka und die Korkeichenwälder im Nordwesten
- 1-2 Tage: Nationalpark Ichkeul, Ghar El Melh und Utica
- 2-3 Tage: El Kef mit Kasbah und Blick übers grüne Hügelland
- 1 Tag: Jugurtha Tableland, Tafelberg auf über 1.200 Metern mit Blick nach Algerien
- 2-3 Tage: Cap Bon mit Kelibia, Nabeul und der punischen Stadt Kerkouane
- 2 Tage: Mahdia, ruhigster Badeort an der Ostküste
- 1-2 Tage: Kerkennah-Inseln ab Sfax mit der Fähre
- 2-3 Tage: Tataouine mit Ksar Ouled Soltane, Chenini und Guermassa
- 1 Tag: Matmata und die Höhlenwohnungen
- 3-4 Tage: Djerba, Houmt Souk und La Ghriba
- 1 Tag: Lézard Rouge ab Metlaoui durch die Selja-Schlucht
- 2 Tage: Ksar Ghilane mit heißer Quelle mitten im Sand
Ein Wort zur Routenlogik: Der Süden ist logistisch der teure Teil. Zwischen Tataouine und Tozeur liegen rund 300 Kilometer, und ohne Auto brauchst du dafür mehrere Louage-Umstiege über Medenine, Gabès und Gafsa. Das frisst einen ganzen Tag. Wer nur zwei Wochen hat, sollte sich entscheiden: entweder Tozeur und die Oasen oder Tataouine und die Ksour. Beides in zwei Wochen geht, macht aber aus dem Urlaub eine Verkehrsübung.
Reisezeiten in Tunesien
Der Norden ist mediterran, der Süden Wüste. Das klingt banal, hat aber massive Folgen für die Planung. Im Juli und August ist der Süden brutal. 45 Grad in Tozeur sind keine Ausnahme, und Sandstürme kommen dazu. Wer im Hochsommer eine Wüstentour bucht, zahlt Geld dafür, sich zu quälen.
Frühling ist die beste Zeit, so von Mitte März bis Anfang Mai. Der Norden ist grün, die Temperaturen im Süden sind erträglich, und die Preise liegen unter Hochsaison. Zweite gute Phase: Oktober und November. Der Winter ist im Norden mild, aber nass, und es kann landesweit zu Überflutungen kommen. In Ain Draham und den Bergen fällt tatsächlich Schnee, da wird es nachts saukalt. Wer im Winter reist, packt besser eine Jacke ein.
Und noch was: Der Ramadan verschiebt den ganzen Tagesablauf. Restaurants außerhalb der Touristenzonen bleiben tagsüber zu, Behörden arbeiten verkürzt, und Essen oder Rauchen in der Öffentlichkeit zwischen Sonnenauf- und -untergang solltest du lassen. Reisen geht trotzdem, es ist nur anders. Die Abende sind dafür grandios.
Backpacker Budget in Tunesien
Gute Nachricht: Tunesien ist billig. Deutlich billiger als Marokko, weil der Dinar nach dem Tourismuseinbruch stark abgewertet hat. Der Kurs lag im Juli 2026 bei rund 3,38 Dinar für einen Euro. Der Dinar ist eine Tausenderwährung, ein Dinar sind 1.000 Millimes, und du wirst auf Preisschildern ständig Zahlen wie „2,500“ sehen. Das sind zweieinhalb Dinar, keine 2.500.
Wichtig und in vielen Artikeln unterschlagen: Der Dinar ist eine geschlossene Währung. Du darfst ihn weder ein- noch ausführen. Vorher in Deutschland tauschen geht also nicht. Du kommst an, gehst zum Automaten oder zur Bankfiliale und tauschst dort. Abheben klappt mit Mastercard, VISA und Girocard, aber nicht mit V-Pay. Wer nur eine V-Pay-Karte im Portemonnaie hat, steht am Flughafen dumm da. Geldwechsel auf der Straße ist verboten.
Realistisches Tagesbudget pro Person etwa 38 Euro
- Unterkunft 10-25 Euro
- Essen 8-15 Euro
- Wasser 1 Euro
- Öffentlicher Transport 3 Euro
- Überlandtransport 4 Euro
- Eintritte und Aktivitäten 4 Euro

Preiswert in Tunesien Reisen
Mit 25 Euro am Tag kommst du durch, wenn du in einfachen Pensionen schläfst, Straßenessen kaufst und Louages statt Taxis nimmst. Unter 20 Euro wird es Selbstkasteiung. Ab 40 bis 50 Euro pro Kopf wohnst du in einem hübschen Dar mit Innenhof und isst abends ordentlich. Alles darüber ist Luxus, und in Tunesien bekommst du für Luxus erstaunlich viel.
Ein paar konkrete Preise, umgerechnet in Euro. Alle Angaben Stand 2026, Eintrittsgelder werden aber regelmäßig angehoben:
- Espresso im Café rund 0,50 Euro
- Minztee etwa 1 Euro
- Fricassée, das frittierte Sandwich mit Thunfisch und Ei, 0,30 bis 0,60 Euro
- Bambalouni, der frittierte Zuckerkringel, rund 0,30 Euro
- Baguette farcie vom Straßenstand 2,40 bis 3 Euro
- Ojja Merguez im einfachen Lokal etwa 3,50 Euro
- Hauptgericht in einem guten Restaurant in Tunis rund 7,50 Euro
- Bier in der Bar etwa 3 Euro
- Flasche tunesischer Wein 4 bis 7,50 Euro
- Stadttaxi 1,80 bis 3,50 Euro pro Fahrt
- Zugticket Tunis nach Sousse, 2. Klasse, rund 2,25 Euro
- Mietwagen ab etwa 25 Euro pro Tag
Die Eintritte sind lächerlich günstig, gemessen an dem, was du zu sehen bekommst. Karthago kostet rund 3,55 Euro, das Bardo-Museum etwa 3,25 Euro, Dougga und Bulla Regia jeweils rund 2 Euro, das Amphitheater von El Jem etwa 3 Euro inklusive Museum. In Kairouan gibt es ein Kombiticket für rund 3 Euro, das die Große Moschee und das Museum für islamische Kunst in Raqqada abdeckt. Für den Preis eines einzigen Kolosseum-Tickets in Rom klapperst du in Tunesien eine ganze Woche lang Antike ab.
Wo du Geld verbrennst: Flughafentaxis in Tunis. Die Fahrer dort zocken systematisch ab, teils um den Faktor fünf. Nimm Bolt, da kennst du den Preis vorher und zahlst bar an den Fahrer. Zweite Falle: Ausflüge, die im Hotel von privaten Agenturen verkauft werden. Die haben oft keine ordentliche Absicherung und unterliegen keiner Qualitätskontrolle. Buche lieber direkt bei etablierten Anbietern oder über die Unterkunft, die einen Namen zu verlieren hat.
Bei den Wüstentouren lohnt Vergleichen richtig. Zweitagestouren ab Douz mit Kameltrekking, Übernachtung im Camp, Sonnenuntergang und Sonnenaufgang starten bei rund 100 Euro pro Person. Dieselbe Tour, gebucht mit Abholung ab Hammamet oder Djerba, kostet schnell 160 bis 200 Euro. Als Alternative würde ich mit dem Louage nach Douz fahren, dort eine Nacht in einer Pension schlafen und die Tour vor Ort buchen. Spart je nach Verhandlungsgeschick 50 bis 80 Euro.
Wenn du dein Geld in bar mitbringst: Ab einem Gegenwert von 10.000 Dinar, also rund 3.000 Euro, musst du beim Zoll eine Einfuhrdeklaration machen. Wer mehr als etwa 1.500 Euro in Devisen wieder ausführen will, muss die Summe schon bei der Einreise deklariert haben. Das Papier gut aufheben, sonst kann das Geld bei der Ausreise beschlagnahmt werden. Klingt nach Bürokratie-Paranoia, ist aber geltendes Recht.
Backpacker Unterkünfte in Tunesien
Hier kommt die schlechte Nachricht für Hostel-Hopper: Tunesien hat kaum Hostels. Eine echte Backpacker-Szene mit Dorms, Bar und Pubcrawl existiert nicht. Es gibt ein paar Adressen in Tunis, Sousse und auf Djerba, wo ein Bett im Schlafsaal zwischen 8 und 15 Euro kostet. Das war es dann aber auch. Wer wie in Vietnam davon ausgeht, dass in jeder Stadt drei Hostels stehen, plant falsch.
Der Standard ist stattdessen die einfache Pension, oft „auberge“ oder schlicht „hôtel“ genannt, und das Dar. Ein Dar ist ein traditionelles Stadthaus mit Innenhof, oft ein paar hundert Jahre alt, häufig mit Dachterrasse. In Tunis, Sousse, Monastir und Kairouan sind viele dieser Häuser zu kleinen Hotels umgebaut worden. Preislich liegen einfache Dars in der Medina bei rund 30 Euro für ein Einzelzimmer inklusive Frühstück und etwa 50 Euro für ein Doppel. In Sousse geht es günstiger los, dort bekommst du in einem traditionellen Haus ein Einzelzimmer für etwa 16 Euro und ein Doppel für rund 28 Euro.
Als Faustregel: Einzelreisende kalkulieren mit 27 bis 45 Euro pro Nacht, Paare oder zwei Freunde mit rund 55 Euro fürs Zimmer. Es geht billiger, aber dann landest du in Häusern, die einen aktiven Kampf gegen die Feuchtigkeit verloren haben. In den kleineren Städten im Landesinneren wie El Kef oder Tataouine zahlst du für eine anständige Pension eher 15 bis 25 Euro.
Ein Tipp, der Zeit und Nerven spart: Bleib in wenigen Städten und arbeite mit Tagesausflügen. Sousse als Basis funktioniert hervorragend, weil du von dort Monastir per Metro in einer halben Stunde erreichst, Kairouan per Louage in gut einer Stunde und El Jem per Zug in einer Stunde. Du schleppst deinen Rucksack nicht alle zwei Tage durch die Gegend und sparst dir das ewige Ein- und Auschecken. Kann man also machen.
Couchsurfing gibt es in Tunesien, aber die Community ist überschaubar und konzentriert sich auf Tunis und Sousse. Wenn du das ausprobieren willst, schau dir auch die Couchsurfing-Alternativen an. Für Frauen, die allein reisen, gibt es mit Travel Ladies eine App, über die man gezielt bei anderen Frauen unterkommt. Deutlich weniger Nutzer, dafür ein sinnvolles Konzept.
Wildcampen würde ich in Tunesien lassen. Nicht wegen der Kriminalität, sondern wegen der Polizeikontrollen. Der Ausnahmezustand gilt landesweit fort, Kontrollen sind häufig, und ein Zelt an einer Landstraße erklärt sich schlecht. In den Wüstencamps bei Douz und Ksar Ghilane schläfst du dagegen offiziell und für kleines Geld unter Sternen, inklusive Abendessen. Das ist die deutlich bessere Variante.

Backpacker Trips, Tipps & Highlights in Tunesien
Wer nach Reisezielen in Tunesien sucht, sollte sich vorher überlegen, ob er eigentlich Antike, Wüste oder Meer will. Die Versuchung ist groß, alles gleichzeitig zu machen, und das Ergebnis sind dann acht Stunden Louage pro Tag. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Tunesien besser wird, je weniger man reinpackt.
Der antike Teil ist der stärkste. El Jem haut einen um, weil du dort in ein römisches Amphitheater läufst, das erstaunlich gut erhalten ist, und dann feststellst, dass außer dir noch vier Leute da sind. In Rom stehst du zwei Stunden an. Dougga liegt zwischen Olivenhainen und Weizenfeldern, hat ein komplett erhaltenes Kapitol, und du kannst dort stundenlang herumlaufen, ohne jemandem zu begegnen. Bulla Regia hat unterirdische Villen, die die Römer gebaut haben, um der Hitze zu entkommen. Da steigst du eine Treppe runter und stehst plötzlich auf originalen Mosaikböden.
Was ich dagegen ehrlich gesagt überschätzt finde: die Star-Wars-Sets. Ksar Hadada bei Tataouine ist überrestauriert und kommerziell aufgezogen, da verlierst du nur Geld. Ong Jemal bei Tozeur ist besser, weil die Originalkulissen noch stehen und die Landschaft drumherum tatsächlich etwas hergibt. Wenn dir Star Wars egal ist, kannst du beides streichen und stattdessen nach Chenini fahren. Ein Ksar aus dem 12. Jahrhundert auf einem Bergrücken, das ist der eindrucksvollere Ort.
Auch die Oasen im Westen muss man relativieren. Chebika, Tamerza und Midès werden als Bergoasen vermarktet, sind aber vergleichsweise klein und im Hochbetrieb voller Reisebusse. Wer aus dem Oman oder aus Jordanien kommt, wird schulterzuckend davorstehen. Die Fahrt dorthin über die Straße nach Midès ist trotzdem grandios, und das Chott el Djerid, der ausgetrocknete Salzsee auf dem Weg nach Douz, ist ein Landschaftserlebnis für sich. Fahr da früh oder spät durch, mittags flimmert nur die Hitze.
Die schönsten Strände in Tunesien
Cap Bon und Kelibia
Die Halbinsel nordöstlich von Hammamet hat die schönsten Strände des Landes und deutlich weniger Bettenburgen. Kelibia mit seiner Festung über der Bucht ist der Ort, an dem tunesische Familien Urlaub machen.
Mahdia, südlich von Monastir, hat einen breiten hellen Strand direkt an der Altstadt und ist erstaunlich ruhig geblieben. Von Sousse fährst du mit der Sahel-Metro direkt durch. Djerba hat die klassischen Postkartenstrände im Nordosten, dort sitzt allerdings auch die Hotelzone. Wer Ruhe will, geht Richtung Südwesten der Insel.
Im Norden liegen die Strände bei Bizerte und Ghar El Melh, wo die Bucht mit ihrem türkisen Wasser manchmal als „tunesische Malediven“ vermarktet wird. Das ist Marketing, schön ist es trotzdem, und du bist im Mai dort fast allein. Tabarka im Nordwesten hat Felsküste, Korkeichenwald im Rücken und ist eines der wenigen Tauchziele des Landes.
Wovon ich abrate: die Hotelstrände von Sousse und Hammamet in der Hochsaison. Die Uferfront der Neustadt von Sousse besteht aus ziemlich lieblosen Betonbauten und Restaurants mit aufgeblasenen Touristenpreisen. Dafür musst du nicht nach Nordafrika fliegen, das kriegst du in Rimini auch.

Backpacker Highlights in Tunesien
Der Norden ist das große Loch in fast allen Tunesien-Reiseführern, und genau deshalb schicke ich dich dorthin. Cap Angela, eine gute halbe Stunde nordwestlich von Bizerte, ist der nördlichste Punkt des afrikanischen Festlands. Ein Felsvorsprung, ein Schild, Wind, sonst nichts. Es steht kein Souvenirstand, keine Schlange, kein Ticketschalter. Für Leute, die Sammelpunkte mögen, ist das ein Volltreffer. Müsst ihr hin.
Gleich daneben liegt der Nationalpark Ichkeul, UNESCO-Naturerbe und einer der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel im westlichen Mittelmeerraum. Im Winter stehen dort Tausende Flamingos und Störche im flachen Wasser. Für den Besuch brauchst du je nach Bereich eine Genehmigung, das regeln Tourenanbieter aus Tunis mit. Ohne Auto ist der Park schwierig zu erreichen, das muss man ehrlich sagen.
Bizerte selbst ist eine der unterschätztesten Städte des Landes. Alter Fischereihafen, Kasbah, spanisches Fort auf dem Hügel, dazu Fisch, der direkt vom Boot in die Pfanne wandert. Vom Louage-Bahnhof in Tunis bist du in gut einer Stunde da.
El Kef im Westen ist der Ort, an dem du tagelang keinen Touristen siehst. Die Medina zieht sich den Hang hoch, oben sitzt eine Kasbah mit Blick über grüne Hügel bis nach Algerien. Von dort erreichst du das Jugurtha Tableland, einen freistehenden Tafelberg, der seit römischer Zeit als natürliche Festung genutzt wird. Weil es Grenzgebiet ist, musst du dich bei der Polizei in Qalat as Sanan registrieren, und ein Wachmann begleitet dich kostenlos nach oben. Klingt umständlich, ist aber genau das, was diesen Ort so besonders macht.
Und noch ein Gedanke, den kaum jemand ausspricht: Tunesien lässt Deutsche 120 Tage visumfrei bleiben. Vier Monate. Wer ortsunabhängig arbeitet, Winter in Europa hasst und ein Land sucht, in dem 800 Euro im Monat für ein gutes Leben reichen, sollte sich Tunis oder Sousse ernsthaft ansehen. Das Internet ist in den Städten brauchbar, der Flug nach Deutschland dauert zwei Stunden, und Kaffee kostet 50 Cent.
Zugfahren in Tunesien
Die SNCFT ist einer der Gründe, warum ich Tunesien für Backpacker mag. Die Züge sind klimatisiert, günstig und decken die wichtigste Achse des Landes ab. Fahrpreise als Richtwert: Tunis nach Sousse rund 2,25 Euro in der 2. Klasse und etwa 3 Euro in der 1. Klasse, Tunis nach Sfax rund 3,65 beziehungsweise 5 Euro, Tunis nach Gabès rund 5,40 beziehungsweise 7,30 Euro. Die SNCFT zeigt die Preise online inzwischen nicht mehr an, rechne also mit Abweichungen nach oben.
Der Trick, den fast niemand kennt: die Carte Bleue. Ein Bahnpass für 7, 15 oder 21 Tage mit unbegrenzten Fahrten. Der Siebentagepass kostet in der 2. Klasse rund 12 Euro, in der 1. Klasse etwa 16,50 Euro und in der Classe Confort rund 18 Euro. Der 15-Tage-Pass kostet das Doppelte, der 21-Tage-Pass das Dreifache. Dazu zahlst du pro Fahrt einen kleinen Klimaanlagenzuschlag zwischen 0,20 und 0,55 Euro. Kaufen kannst du den Pass nur am Bahnhofsschalter, offiziell mit Passfoto, in der Praxis reicht meist der Reisepass. Wer die Küstenachse rauf und runter fährt, hat den Pass nach vier Fahrten drin.
Buchen geht erst drei Tage im Voraus und praktisch nur am Schalter. Online vorbuchen kannst du dir sparen, es funktioniert nicht. Das ist entspannter, als es klingt, weil die Züge selten ausgebucht sind.
Zwei Strecken, die Spaß machen. Die TGM zwischen Tunis, La Goulette, Karthago und La Marsa fährt seit 1872 und kostet umgerechnet zwischen 25 und 40 Cent. Sie fährt von 4 Uhr morgens bis kurz nach Mitternacht im dichten Takt und bringt dich direkt zu den Ausgrabungen von Karthago und weiter nach Sidi Bou Said. Die Sahel-Metro verbindet Sousse mit Monastir und Mahdia, etwa alle 30 Minuten, für rund 30 Cent. Achtung: Sie startet nicht am Hauptbahnhof Sousse Ville, sondern an der Station Bab Jedid, gut einen Kilometer Fußweg entfernt.
Der Lézard Rouge ist der Touristenzug des Landes: ein Zug aus der Zeit der Beys, der ab Metlaoui 43 Kilometer durch die Selja-Schlucht fährt. Fahrzeit hin etwa 40 Minuten, gesamt rund eineinhalb bis zwei Stunden, Ticket ungefähr 6 Euro. Er verkehrte traditionell von Mai bis September täglich außer samstags, morgens um 10 oder 10:30 Uhr. Und jetzt der ehrliche Teil: Der Zug war jahrelang eingestellt und soll seit Mai 2025 wieder fahren. Es gibt Reiseberichte von Leuten, die extra nach Metlaoui gefahren sind und vor einem geschlossenen Bahnhof standen. Ruf vorher bei der SNCFT an oder lass deine Unterkunft in Tozeur anrufen, bevor du dafür einen Tag opferst.
Was die Strecke nach Tozeur angeht: Die Fahrpläne führen Züge bis Gafsa und Metlaoui, Tozeur selbst taucht in den aktuellen Übersichten nicht als bedienter Halt auf. Nach Kairouan gibt es überhaupt keine Bahn, dafür stündliche SNTRI-Busse ab Tunis in etwa zweieinhalb Stunden und Louages ab Sousse in gut einer Stunde. Und nach Bizerte fährt zwar ein Zug, aber die Abfahrten sind für Tagesausflügler untauglich: Tunis ab 17:45 Uhr werktags, zurück ab Bizerte um 5 Uhr morgens. Nimm den Louage.

Wandern und Abenteuer in Tunesien
Tunesien wird selten als Wanderland gehandelt, und dafür gibt es Gründe. Ein großer Teil der attraktiven Bergregionen im Westen liegt in den Zonen, von denen das Auswärtige Amt abrät, teilweise sind sie vermint. Der Nordwesten um Ain Draham hat wunderbare Korkeichenwälder, aber genau dort verläuft die Warnzone entlang der algerischen Grenze. Wer da auf eigene Faust ins Hinterland läuft, handelt unvernünftig, so schön die Fotos auch aussehen.
Was gut funktioniert: Wüstentrekking ab Douz, organisiert und mit Guide. Mehrtägige Touren zu Fuß oder auf dem Dromedar Richtung Ksar Ghilane laufen typischerweise von Oktober bis April, weil die Tage dann angenehm sind und die Sonne erst gegen 6:30 Uhr aufgeht. Das Gepäck tragen die Tiere. Am Ende steht in Ksar Ghilane eine heiße Quelle mitten in der Wüste, in der du kostenlos baden kannst. Nach vier Tagen Sand ist das ein sehr überzeugendes Argument.
Der Aufstieg aufs Jugurtha Tableland bei El Kef ist eine kurze, aber lohnende Kletterei über eine in den Fels gehauene Treppe. Oben ist es extrem windig, Camping ist mit Polizeigenehmigung möglich. Um Tabarka gibt es Tauchen an der Felsküste, und die Korallenbänke dort sind seit jeher bekannt. Die Ksour-Landschaft um Tataouine lädt zu Tageswanderungen zwischen Chenini und Guermassa ein, der Aufstieg nach Guermassa dauert zu Fuß knapp eine Stunde.
Praktische Warnungen für alles, was draußen stattfindet: Nimm mehr Wasser mit, als du für nötig hältst. Leitungswasser trinkst du nicht, auch nicht zum Zähneputzen. Es gibt Skorpione und Schlangen, also Schuhe morgens ausschütteln. Und im Süßwasser bei Gafsa und am Chott el Djerid besteht laut Auswärtigem Amt herdförmig Bilharziose-Gefahr, dort also nicht baden.
Essen und Trinken in Tunesien
Tunesische Küche ist scharf. Richtig scharf. Das überrascht viele, die aus Marokko kommen, wo die Küche mild und süßlich ist. Tunesien ist das einzige Mittelmeerland, das Chili in nennenswertem Umfang einsetzt, und die Harissa, eine Paste aus Chili, Knoblauch und Gewürzen, landet hier auf so ziemlich allem. Es gibt tunesische Frauen, die auf Europareisen eine Tube Harissa im Koffer haben, weil sie es ohne nicht aushalten.
Die Grundlage der Küche ist eine Mischung aus berberischen Wurzeln, arabischen Einflüssen, osmanischen Resten und französischer Kolonialzeit. Dazu kommt Italien, das von der Spitze des Cap Bon aus keine 150 Kilometer entfernt liegt. Deshalb steht in jedem einfachen Lokal Spaghetti mit Tomatensauce auf der Karte, für teilweise unter einem Euro. Ehrlich? Die Pasta ist meistens mäßig. Bestell was anderes.
Das musst du probiert haben. Brik ist der bekannteste Snack des Landes: hauchdünner Teig, gefüllt mit einem rohen Ei und meist Thunfisch, frittiert. Der Trick besteht darin, sie zu essen, ohne dass das Eigelb aufs Hemd läuft. Das klappt beim ersten Mal nie. Ojja ist ein Tomateneintopf mit pochierten Eiern, je nach Version mit scharfer Merguez-Wurst oder Meeresfrüchten, und die bekommst du in wirklich jedem Lokal für rund 3,50 Euro. Couscous ist Nationalgericht, in der tunesischen Version deutlich schärfer als beim westlichen Nachbarn. Lablabi, eine Kichererbsensuppe über eingeweichtem Brot mit Kreuzkümmel und Harissa, ist das klassische Winterfrühstück und kostet fast nichts.
Am Straßenstand holst du dir die Fricassée, ein frittiertes Brötchen mit Thunfisch, Ei, Oliven und Kartoffel, für unter 60 Cent. Oder eine Baguette farcie, ein aufgebackenes Fladenbrot mit Käse und Gemüse, für rund 2,50 bis 3 Euro. Als Nachtisch gibt es Bambalouni, einen faustgroßen frittierten Teigring, der frisch vor deinen Augen ins Öl geht und danach in Zucker gewälzt wird. 30 Cent. Der Mann am Stand in Sidi Bou Said hat mich damit weggehauen.
An der Küste solltest du Fisch essen. In Sousse, Mahdia, Sfax und Bizerte kommt der direkt vom Boot, und geschmorter Oktopus in Tomatensauce ist eine ernsthafte Angelegenheit. Im Landesinneren wird die Auswahl dünner. In Tozeur und El Kef bekommst du meist einfache Küche, das musst du wissen, bevor du dich auf ein kulinarisches Wochenende freust.
Wein wird in Tunesien seit der Antike angebaut, und die Qualität ist besser als der Ruf. Eine ordentliche Flasche kostet rund 7,50 Euro, die einfachen Sachen etwa die Hälfte. Kaufen kannst du sie im Monoprix, allerdings nicht überall und nicht zu jeder Zeit. Während des Ramadan ist der Verkauf an Muslime untersagt, und viele Läden führen dann gar nichts. Wer abends ein Bier will, geht in eine lizenzierte Bar. Das Trinken in der Öffentlichkeit ist verboten, und daran hält man sich besser.

Backpacker Visum und Impfungen in Tunesien
Die Einreisebestimmungen für Deutsche nach Tunesien sind laut dem Auswärtigen Amt wie folgt. Die Einreise ist für deutsche Staatsangehörige mit folgenden Dokumenten möglich:
- Reisepass: Ja
- Vorläufiger Reisepass: Ja, mit Einschränkungen
- Personalausweis: Nein
- Vorläufiger Personalausweis: Nein
- Kinderreisepass: Ja
Anmerkungen: Reisedokumente müssen bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein. Der deutsche Personalausweis wird nicht mehr akzeptiert, das war früher anders und sorgt bis heute für gestrichene Flüge am Check-in. Mit einem vorläufigen Reisepass kommst du nur rein, wenn du Hin- und Rückflugticket plus Nachweis ausreichender finanzieller Mittel vorlegen kannst. Auch wer mit regulärem Pass ohne Pauschalreisebuchung einreist, kann an der Grenze nach einem Nachweis über ausreichende Mittel gefragt werden.
Ein Visum brauchst du für touristische, private oder geschäftliche Aufenthalte bis zu 120 Tagen nicht. An manchen Flughäfen bekommst du eine „Carte de visiteur non-résident“ ausgehändigt. Die musst du aufbewahren und bei der Ausreise vorlegen. Verlierst du sie, wird es unangenehm. Wer die 120 Tage überzieht, zahlt eine Strafgebühr von 20 Dinar, also rund 6 Euro, pro angefangenem Fünf-Tages-Zeitraum, bezahlt per Wertmarken bei der Ausreise. Ohne Bezahlung lassen sie dich nicht raus.
Bei Einreise auf dem Seeweg, etwa mit der Fähre aus Genua, Marseille oder Palermo, kann es zu Problemen kommen, wenn du weder Hotelbuchung noch Rückfahrtticket vorweisen kannst. Individualreisende sind hier gelegentlich abgewiesen worden. Die Fähren landen in La Goulette, von dort bringt dich die TGM für 30 Cent in die Innenstadt von Tunis. Für alle, die mit Van oder Motorrad unterwegs sind: Bei Einreise mit dem Kfz bekommst du eine Verkehrserlaubnis für drei Monate, und die Fahrzeugdaten werden in deinen Reisepass eingetragen.
Der deutsche Führerschein wird bei touristischen Aufenthalten anerkannt. Die Autobahn ist mautpflichtig und wird bar bezahlt, also immer Kleingeld dabeihaben. Und plane Überlandfahrten so, dass du vor Einbruch der Dunkelheit ankommst. Auf Nebenstrecken nachts zu fahren ist in Tunesien wirklich keine gute Idee, auf Autobahnen läuft auch mal ein Schaf.
Impfungen und medizinische Hinweise
Für die direkte Einreise aus Deutschland sind keine Impfungen vorgeschrieben. Empfohlen wird eine Impfung gegen Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition zusätzlich Tollwut. Die Standardimpfungen nach STIKO-Kalender sollten aktuell sein, besonders Masern.
Zum Thema Tollwut: Aktuell werden vermehrt Fälle bei infizierten Tieren gemeldet, vor allem in Nordtunesien. In den Medinas laufen viele Straßenkatzen herum, und die sehen zum Anfassen aus. Lass es. Wenn dich doch etwas beißt, sofort zum Arzt, denn Impfstoff ist im Land nur begrenzt und Immunglobulin schwer verfügbar.
Weiter im Programm: Durchfallerkrankungen sind der Klassiker. Trink ausschließlich Flaschenwasser, am besten mit Kohlensäure, dann erkennst du, ob die Flasche schon geöffnet war. Mückenübertragene Krankheiten wie Leishmaniose oder West-Nil-Fieber kommen vor, sind aber selten. Bilharziose besteht herdförmig in Gafsa und am Chott el Djerid beim Baden im Süßwasser. Skorpione und Schlangen gibt es vor allem im Süden.
Die medizinische Versorgung ist in Tunis gut, dort gibt es mehrere gut ausgestattete Privatkliniken, die sogar Patienten aus Nachbarländern anziehen. Außerhalb der Hauptstadt wird es schnell dünner, staatliche Krankenhäuser bieten teils nur eine Basisversorgung ohne Pflegeleistungen. Eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport ist deshalb kein Luxus, sondern Pflicht. Was du mitnehmen solltest, findest du in unserer Backpacking Packliste. Wer nach Tunesien Lust auf mehr Nordafrika hat, schaut sich Ägypten an, oder gleich die ganze Übersicht zu Backpacking in Afrika.
