Sicher Trampen – praktische Tipps zum Reisen per Anhalter

trampen

Sich von Fremden im Auto mitnehmen lassen? Für die einen ist Trampen unvorstellbar und viel zu gefährlich, für die anderen ist es der Traum des unabhängigen und individuellen Reisens. Dabei war es in den 60er und 70er Jahren normal, sich per Anhalter bis in die nächste Stadt, ins nächste Land oder nur zum Einkauf ins nächste Dorf mitnehmen zu lassen. Trampen erfordert Selbstbewusstsein, Mut und Geduld. Es ist abenteuerlich, umweltfreundlich und hat seinen Reiz im Unbekannten. Hier sind ein paar praktische Tipps, wie du sicher trampen und Gefahren vermeiden kannst.

Trampen kommt aus dem Englischen (tramp) und bedeutet eigentlich nichts anderes als Streuner oder Vagabund, es wurde früher auch als Bezeichnung für Wanderarbeiter verwendet. Und etwa als ein genau solcher fühlt man sich auch beim Trampen, während man auf dem Rastplatz mit einem Schild und dem Daumen ausgestreckt auf die nächste potenzielle Mitfahrgelegenheit wartet. Frei, unabhängig und offen für Neues.

Trampen sicher gestalten

Natürlich bergen diese komplette Freiheit und Abhängigkeit von anderen Menschen auch Gefahr bergen Gefahren. Das Reisen per Anhalter ist über die Jahre wegen seines Risikopotentials, Opfer eines Übergriffes oder eines kriminellen Aktes zu werden, in Verruf geraten. Tatsächlich gibt es aber kaum Studien, die eine erhöhte Gefahrenrate dieser Art des Reisens belegen. Dennoch kann man sich selbst und allen Familienangehörigen und Freunden zuliebe, ein paar Sicherheitsvorkehrungen treffen.

schild trampen

Schild Trampen

1. Du kannst „nein“ sagen

Wenn du merkst, dass jemand Alkohol getrunken haben könnte, zerstreut wirkt, dir merkwürdig vorkommt oder auf eine irgend andere Weise missfällt, höre auf dein Bauchgefühl. Du musst bei niemanden einsteigen. Es reicht schon aus, wenn du merkst, dass ihr kaum gemeinsame Gesprächsthemen habt oder nicht auf einer Wellenlänge seid. Immerhin wirst du mit den meisten Mitfahrgelegenheiten eine Weile auf engsten Raum verbringen. Sei ehrlich zu dir selbst und lehne das Angebot dankend.

Als Faustregel gilt: Halte dich im Zweifel an ältere Menschen oder Familien, sie sind meistens sehr zuvorkommend und nehmen dich gerne ein Stück mit, auch wenn es nur bis zur nächstgrößeren Raststätte ist.

2. Mache ein Bild vom Autokennzeichen

Bevor du in irgendein Auto einsteigst, mache ein Bild vom Kfz-Kennzeichen und schicke es an zwei bis drei Personen, denen du vertraust, damit diese wissen, wo du bist und mit wem du mitfährst. Frage deine Mitfahrgelegenheit vorher, ob das für sie in Ordnung ist. Haben sie irgendwelche Einwände, würde ich unter keinen Umständen mitfahren.

3. Habe immer eine Landkarte parat

Du wirst an Orte gelangen, von denen du vorher nie gehört hast und an die du im Traum nicht dachtest. Dennoch lohnt es sich eine grobe Vorstellung von der Region und deiner Reiseroute zu haben, damit du während der Fahrt sicher gehen kannst, dass es in die richtige Richtung für dich geht. Darum solltest du immer eine Karte des Landes (beispielsweise auch in einem Reiseführer zu finden) oder eine entsprechende App mit offline-Landkarten bereit haben. Hier habe ich bisher mit Maps.me gute Erfahrungen gemacht.

tramper

Tramper

4. Behalte dein Gepäck bei dir

Verstaue deinen Rucksack im Fußraum oder klemme ihn dir zwischen die Beine. Ist er zu groß oder das Auto zu voll, behalte zumindest deine Wertsachen immer bei dir, falls du schnell einmal aussteigen möchtest oder musst.

Wenn du einen Regenschutz für deinen Rucksack oder deine Tasche hast, lege ihn an. Das kann potenziellen Dieben erschweren, an dein Gepäck zu kommen.

5. Werde nicht leichtsinnig

Habe immer ein gesundes Maß an Misstrauen. Bleibe immer bei deinen selbstgesteckten Regeln. Auch wenn du schon monatelang sicher per Anhalter unterwegs bist, sobald du leichtsinnig oder zu gutgläubig wirst, kann schnell etwas schief gehen. Vorsicht geht bekanntlich vor Nachsicht.

6. Habe Respekt, keine Angst und sei selbstbewusst

Das Wichtigste, was du zum sicheren Trampen oder auch generell zum Alleinreisen brauchst, ist Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein, ‘nein‘ zu sagen und Angebote ablehnen zu können (siehe Punkt 1) und das Selbstbewusstsein, zu wissen, was du willst.

Trampen ist eine aufregende, manchmal auch nervenaufreibende und vor allem soziale Art zu reisen. Du muss an Autobahnraststätten auf wildfremde Menschen zugehen und fragen, wohin sie fahren, Stunden mit ihnen in einem Auto verbringen und nicht zuletzt ihnen ein großes Stück Vertrauen entgegenbringen. Trampen ist Vertrauenssache und ob du als Anhalter mitgenommen wirst, liegt ganz allein an deiner Glaubwürdigkeit und Ausstrahlung.

Gut zu wissen: Wenn du merkst, dass dir deine Bankkarte fehlt, sie gestohlen wurde oder du sie verloren hast, kannst du sie mithilfe des Sperr-Notrufes direkt sperren lassen.

Er ist für alle Karten gültig: +49 116 116

In diesen Ländern kannst du sicher trampen

In Deutschland, sowie in fast allen europäischen Ländern ist das Trampen erlaubt, nur kaum einer macht es. Wie jedoch alle anderen Fußgänger auch, gilt für Tramper in Deutschland die Straßenverkehrsordnung. Den Daumen an dem Straßenrand auszustrecken, ist so lange in Ordnung wie niemand gefährdet oder behindert wird. Das Trampen auf dem Autobahnseitenstreifen und der Auffahrt ist demnach ein absolutes Tabu. Auf Parkplätzen und Autobahnraststätten hingegen  ist es erlaubt, solange der Betreiber nichts dagegen hat.

polizei trampen

Polizei Trampen

 

Die Niederlande haben sogar für Tramper extra ausgeschilderte Haltestellen eingerichtet, die liftershalte.

In Israel, Kuba und afrikanischen Ländern ist Trampen Gang und Gäbe und ersetzt oft auch die öffentlichen Verkehrsmittel außerhalb der Stadt.  Trampst du in den USA oder in asiatischen Ländern, musst du vorsichtiger sein. In manchen amerikanischen Bundestaaten wie Utah ist Trampen verboten und in asiatischen oder südöstlichen Ländern wie Thailand und Indonesien wird oft ein kleines Trinkgeld als Gegenleistung erwartet.

Es wird oft angenommen, das Trampen in Australien (hautsächlich in Queensland und Victoria) illegal sei. Dabei ist es laut der Queensland Police, wie in Deutschland auch erlaubt,  nur nicht an der Straße, der Straßenseite oder einer Straßeninsel, somit  alles Orte, an denen man Menschen oder den Verkehr gefährden und behindern könnte.

Daumen hoch und los geht’s

In Russland musst du darauf achten, wer dich auf deiner Weiterreise unterstützen möchte. Dort dürfen Ausländer keine Tramper mitnehmen. So hat jedes Land seine eigenen Regelungen. Es lohnt sich, diese vor deinem Reiseantritt einmal länderspezifisch anzuschauen.

Wem das das Reisen per Anhalter dennoch zu unsicher ist, der kann auch nach einer Mitfahrgelegenheit auf Online-Mitfahrbörsen Ausschau halten oder sich der Fernbus-Schnäppchen bedienen.

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