Von Berlin (Deutschland) nach Rom (Italien) #Trampen – Teil 1

Erster Backpack Trip

Im Sommer 2008 war ich als Flashpacker und Tramper nach Rom unterwegs. Ich habe jeweils zwei Tage für die Hin- und Rückreise zum trampen gebraucht und war außerdem ganze 7 Tage in Rom. Den ersten Tag in einem Hostel direkt in der Stadt und den Rest dann in einem Hostel ein wenig außerhalb von Rom. In Rom hatte ich eine Menge toller Leute kennen gelernt und hatte insgesamt eine wundervolle Zeit. Es war neben der Free-Sleep-Tour eines meiner größten Abenteuer in meiner Jugend. Auch von Rom kann ich euch einiges erzählen. Es ist eine tolle Stadt mit vielen geheimen Ecken und tollen Geschichten. Es lohnt sich Rom in einen Städtetrip oder Urlaub einzuplanen. Für mich war natürlich das Trampen die größte Herausforderung. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen und empfehle jedem das Trampen für sich selber zu entdecken.

Startschuss zum Trampen von Deutschland nach Italien

Meine Eltern waren generell skeptisch was das Trampen anbelangte und auch von dem Gedanken allein in Rom zu bleiben, waren sie nicht überzeugt. Immerhin wurde mein Vater ein Jahr zuvor bei einem Städtetrip nach Rom beklaut. Es gab wohl danach auch richtig Stress und Ärger mit den Behörden und so weiter. Ihnen war Rom auch etwas zu voll. Sie wussten aber, dass sie mich nicht davon abbringen konnten.

Ich bat meinen Dad, mich entweder zu der Autobahnauffahrt in Duben (ich wohnte zu der Zeit in Luckau (Spreewald, Brandenburg) zu bringen oder zur ersten kleinen Raststätte Richtung Dresden. Ich weckte ihn also halb 8 und wir machten uns auf den Weg. Wir redeten nicht viel auf der Fahrt. Sicher war mein Vater noch am überlegen, wie man den ganzen Tag an der Straße stehen kann um zu Trampen oder wildfremde Menschen fragen, ob sie mich vielleicht mitnehmen würden.

Ein Schwenk in die Elterliche Fürsorge

Er sagte immer wieder, wenn was passiert oder es nicht so läuft, ich anrufen sollte und er mich wieder abholen kann. Es ist faszinierend, wie sich die Eltern um ein Kind sorgen, egal, in welchem Alter es sich befindet. Selbst zu Rentnerzeiten sehe ich wie meine Großeltern Entscheidungen von meinen Eltern in Frage stellen. Wobei ich jetzt auch nur kurz meine Henkersmalzeit erwähnen wollen würde. Meine Oma glaubte wohl, dass sich mich das letzte Mal sehen würde und machte mir allerlei Köstlichkeiten. Fortan sagte ich auch immer dasselbe zu meinen Eltern und Großeltern. „Man muss das Leben leben“. Bis ich dann irgendwann von meiner Mutter gekontert wurde, dass man vielleicht nicht mehr leben kann, wenn man tot ist. Ich hatte weder Angst noch machte ich mir einen Kopf, dass was passieren könnte.

Ich war aber aufgeregt, wie das Trampen so abläuft und was mich für Menschen erwarten würden. Als wir dann auch an der ersten Raststätte ankamen, wunderte sich mein Dad, dass diese fast leer war. Er schaute mich an und lächelte… „Chris wie lange willst du denn hier stehen?“. Ich lächelte zurück und spitzelte: „Mensch, es ist 8 Uhr und Sonntag, das wird schon“. Daraufhin verdrehte er nur die Augen und fuhr wieder runter. „Ich bring dich zur nächsten Raststätte, sonst stehst du hier doch ewig, vielleicht ist da mehr los“. Ich lachte und doch machte es mir ein schlechtes Gewissen. So fuhr mich mein Vater bis kurz vor Dresden.

Jetzt geht das Trampen los!

An der Autobahnraststätte vor Dresden sah es schon voller aus, aber immer noch nicht richtig was los. Mir machte das nix aus. Wir verabschiedeten uns und mein Vater drückte mir 50 Euro in die Hand… „Busgeld!“. Ich bedankte mich und drückte meinen Vater, der dann auch wieder schnell im Auto verschwand. Ich wollte noch keine Leute fragen solange er da ist, nur um selber auch nicht unsicher zu wirken. Stattdessen ging ich erstmal zur Toilette und durfte das neumoderne Pissoir von heute bewundern. Krass, was sich so entwickelt auf Autobahntoiletten *lach*. Als ich wieder rauskam wurde mir eines klar… „Jetzt gibt es kein Zurück mehr“.

Nachdem ich mir die ersten Sätze zurechtgelegt hatte, war ich ready. Jetzt geht’s los mit dem Rumfragen. Also ging ich auf die Leute zu und fragte. Die erste Absage ließ mich fast kalt und so fragte ich freudig weiter… Absage… passiert. Dann aber, schon nach 7 Minuten und 3-4 Anfragen… „Klar fahren wir Richtung Chemnitz“. So hatte der Spaß begonnen. Mich nahm ein etwas älteres Pärchen mit. Die Frau war Geschäftsführerin eines Sportverbandes in Dresden und, ich glaube, der Mann war Koch. Eine komische Kombination. Ich erzählte ein wenig von mir und was mein Vorhaben war. Sie waren begeistert, aber trotzdem ziemlich gelassen. Wir redeten nicht sehr viel, was mir aber auch irgendwie recht war. Ich war noch ein wenig verschlafen.

Vor Chemnitz wurde ich dann wieder an einer Raststätte abgesetzt. Aber auch hier dauerte es nicht lange mit dem Warten. Maximal 5 Minuten bin ich rumgelaufen und habe gefragt ob man Richtung Hof fährt. Ein normales Paar um die 30-40 hat sich bereit erklärt, mich mitzunehmen. Sie waren in einem kleinen Wohnwagen unterwegs und dann kam raus, dass sie mich bis nach Regensburg mitnehmen können. Ich war sehr glücklich, denn das war eine ordentliche Strecke und bisher war ich perfekt voran gekommen. Wir redeten nicht sonderlich viel, eigentlich gar nicht, außer den gewöhnlichen Vorstellungssachen. Die Fahrt war relativ langweilig und ich döste leicht vor mich hin. Zu alledem haben sie mich etwas blöd abgesetzt, weil sie selber nicht wussten, wann eine Raststätte kommen würde. So stand ich dann an einer Autobahnabfahrt Richtung München. Wenigsten stand ich schon mal an der richtigen Auffahrt.

Warum ich das Trampen mit den Daumen nicht so mag

Trampen mit dem Daumen

Trampen mit dem Daumen

Der jetzige Part am Trampen gefiel mir gar nicht. Schildchen malen mit München drauf und dann den Daumen raus. Warum mir diese Art von Trampen nicht gefällt? Zu aller erst bekommt man nicht viel Feedback, d.h. man wird entweder von Autofahrern ignoriert oder man bekommt lediglich ein Kopfschütteln oder Lächeln. Die meisten Menschen können gar nicht so schnell nachdenken! Bis sie das Schild gelesen haben und überlegt haben, ob sie in die Richtung fahren vergeht ja schon ein bisschen Zeit. Dann aber erst muss man überlegen, ob man jemanden mitnehmen will oder nicht. Nach diesen zwei Gedanken sind die meisten Autofahrer schon so weit weg, dass sie nicht mehr stoppen wollen oder können.

Irgendwann strengt das Daumen raushalten auch verdammt an. Zu allem Überfluss war es auch noch ein super sonniger Tag. Ich habe echt nichts gegen gutes Wetter oder Temperaturen über 25 Grad, aber wenn man mitten in der Sonne steht, dann nervt das schon. Nach 1,5 Stunden hatte ich dann aber doch Glück. Ein junges Pärchen oder zwei Freunde (wenn sie nicht zusammen waren, dann kommt das wahrscheinlich noch) nahmen mich mit in Richtung München. Sie luden mich sogar ein, mit ihnen auf das Stadtfest in München zu gehen, was am gleichen Tag war. Ich lehnte höflich ab, obwohl mich die Vorstellung schon ziemlich gereizt hat.

Sie setzten mich an einer kleinen Mini-Raststätte ab, was besser als gar nichts war, denn immerhin konnte ich die Leute hier wieder direkt ansprechen. Trotzdem beschloss ich erstmal eine kleine Pause zu machen, eines der herzlich zubereiteten Brötchen meiner Oma zu essen und etwas zu trinken. Ich saß also an einen der dort stehenden Bänke mit Holztisch und packte ruhig aus. Mir schräg gegenüber saß noch ein junges Mädel (ungefähr Mitte 20) und schaute auf die Karte. Niemand sonst war an dem Tisch.

Manchmal ist Trampen Zufall, manchmal Schicksal

Nach 5 Minuten starrte sie immer noch auf die Karte und machte einen verwirrten Eindruck. Ich fragte sie, ob ich ihr helfen könnte und sie verriet mir, wohin sie wollte. Ich erklärte ihr die kürzeste Strecke mit der Auto und wir kamen ein bisschen ins Gespräch. Sie war wohl nicht allzu oft mit dem Auto unterwegs. Ich sah aber schnell, dass es auf meinem Weg lag und fragte sie auch gleich, ob sie vielleicht noch ein Platz im Auto hätte. Sie lächelte und willigte, ohne zu zögern, ein.

Natürlich gehen jetzt wieder einige Männerfantasien durch, wenn eine junge Frau einem attraktiven jungen Tramper (mich *lach*) mitnimmt. Ich fand es einfach nur cool, dass ich selbst in meinen Pausen ganz einfach Leute finde, die mich mitnehmen. Man mag bedenken, dass ich schon wieder nicht lange warten musste. Wir fuhren dann auch ziemlich rasch los und unterhielten uns auf der ganzen Fahrt.

Sie konnte mich zwar nicht wirklich weit mitnehmen, aber wenigsten schafften wir es bis kurz vor München und unterhielten uns ausgelassen über Gott und die Welt…. Auch übers Trampen verloren wir einige Worte. Wir haben echt viel gelacht und sie war ein guter Gesprächspartner. Sie war glaube ich ne Art Lehrerin an einer Privatschule für körperliche Behinderte oder Problemfälle und auf der Fahrt zu einer Art Weiterbildung. Ganz genau weiß ich das auch nicht mehr… Auf jeden Fall ging die Zeit sehr schnell rum und sie setzte mich an einer großen Raststätte ab. Ich wünschte ihr viel Glück und machte mich gleich wieder daran, wildfremde Menschen anzusprechen.

Beim Trampen profitiert man von Haupt- und Urlaubsverkehrszeiten

Nach einigen Minuten fand ich auch an dieser Raststätte eine Mitfahrgelegenheit, die um einiges voller war als alle anderen davor. Wahrscheinlich war es die Hauptverkehrszeit, in der die Familien in den Urlaub fahren wollen. Immerhin hatten viele Bundesländer in Deutschland Sommerferien. Dieses Mal hatte ich aber an der Tankstelle Erfolg bei einem Pärchen Mitte der 30er. Die Frau, die im Auto saß, verwies mich auf Ihren Mann und der zögerte nicht lange… Wir redeten am Anfang sehr viel, auch über den typischen Ost-West-Konflikt in Deutschland.

Die Frau interessierte sich sehr für die Abläufe von früher und wie das alles im Osten so lief. Sie war sehr offen, ohne Vorurteile gegenüber dem Osten. Der Mann war Ingenieur und hat in einer Uni mit Doktoranten und Studenten gearbeitet, aber er war ziemlich ruhig. Nach 30 Minuten bin ich dann aber eingeschlafen (Trampen macht Groggi), was mich im Nachhinein auch sehr verwundert hatte. Ich mein, ich war mit fremden Personen unterwegs, aber anscheinend störte mich das nicht sehr. Kurz vor der Brennergrenze wachte ich wieder auf und bewunderte die schöne Aussicht der Alpen.

Die Mitfahrgelegenheit konnte mich bis nach Trento mitnehmen, weil sie selber dort in der Nähe am Ziel ihres Urlaubes angekommen waren. Die Frau gab mir ihre Adresse und bot mir an, dass wenn ich mal in NRW bin, ich sie gern mal besuchen könnte und auch immer einen Schlafplatz hätte. Ich fand das sehr süß und bedankte mich freundlich. Anschließend verabschiedete ich mich kurz und machte mich erstmal auf den Weg zu einer kleinen Pause.

Am ersten Tag schon über 1.000 KM getrampt

Trampen in Italien

Trampen in Italien

Wer es jetzt noch mitbekommen hat, ich war schon in Italien und das machte mich sehr glücklich. Allerdings kam mir die Realität schneller entgegen, als ich es geahnt hatte. Hier spricht keine Sau mehr Deutsch oder Englisch. Es hagelte nicht nur Ablehnungen, sondern auch noch viele verwirrte Gesichter. Daraufhin versuchte ich gar nicht mehr zu fragen, ob sie vielleicht ein Platz für mich im Auto haben, sondern erst einmal zu fragen, ob sie überhaupt ein bisschen Englisch sprechen, sonst wird’s schwierig mit der Kommunikation.

Nach einer halben Stunde hat sich dann doch jemand zu meiner Überraschung gefunden. Ein dicker BMW und ich war mir eigentlich sicher, dass hier eine Absage kommt, selbst wenn Englisch gesprochen wird, aber ich irrte mich. Das Paar um die 40 ging erstmal rein, um etwas zu essen und nahm mich dann mit. Ich habe meinen Mund vor lauter Begeisterung kaum noch zubekommen. Ledersitze a lá Promiklasse, TV und Kameraanzeige am Armaturenbrett. Das nenn ich Luxus (zumindest für damalige Zeit).

Es stellte sich heraus, dass er Geschäftsführer war und auch noch im Software-Wirtschaftsbereich. Daraufhin hatten wir natürlich einiges zu quatschen, da ich ja Wirtschaftsinformatik studiere und er allerhand aus deutscher Sicht wissen wollte. Es war sehr lustig, aber nach ca. 30 Minuten war es auch ziemlich anstrengend, da ich schon sehr kaputt vom Tag war. Es war mittlerweile schon ca. 18:00 Uhr. Mich hat auch etwas verwundert, dass die Frau fahren durfte. Anscheinend wollte er halt quatschen und ließ deswegen die Frau fahren. Während der Fahrt musste er ihr auch ständig erklären, wie man wohl richtig fährt und sie schien sehr nervös zu sein.

Meine Tramper Regeln

Nichtsdestotrotz brachten sie mich bis Verona an eine Raststätte, die ab jetzt Service Point genannt wurden. Ich weiß gar nicht mehr wie lange ich in Verona stand, aber auch nicht wirklich so richtig lange. Vielleicht eine halbe Stunde und dann sagte auch schon der nächste Ja. Diesmal war es ein Mann, der allein war. Ich hatte mir vor dem Trip auch ein paar Regeln aufgestellt. Zum Beispiel nicht zu fragen, wenn zwei oder mehrere Männer im Auto sitzen oder allein schon ein Mann, der dann komisch oder unheimlich aussieht. Dabei gab es bei Frauen keine Grenzen und auch Pärchen waren erlaubt. Bei Familien sah das komplizierter aus. Ich habe schon aus Prinzip nicht gefragt, wenn ich gesehen habe, dass ein Kind unter 5 Jahren mit im Auto sitzt. Ich würde selber als Vater schon generell „Nein“ sagen und daher auch die Eltern nicht in Bedrängnis bringen ein schlechtes Gewissen zu haben.

Dieser Mann sah aber recht ok aus. Natürlich gibt es da kein Muster, aber ich hatte ein gutes Bauchgefühl und das wurde auch nicht enttäuscht. Er sprach nur wenig Englisch, aber für uns hat es gereicht. Ich musste halt nur extrem langsam sprechen. Er spielte mir viel Italienische Musik vor und hat dazu auch noch gesungen… Es war sehr entspannend, aber erzählen konnten wir nicht viel, weil es für ihn zu anstrengend gewesen wäre. Es war schon spät (21:00 Uhr) und dunkel und ich war jetzt mitten in Italien.

Von Berlin nach Rom in einen Tag trampen?!

Gestresster Tramper

Gestresster Tramper

Ich wusste nicht, ob ich versuchen soll innerhalb des einen Tages noch nach Rom zu kommen, oder es morgens gemütlich zu versuchen. Ich war aber in einem fremden Land und wusste nicht, wie das hier so läuft; wie das nachts so an Service Points aussieht und ob ich überhaupt dann noch mitgenommen werde… Also beschloss ich in die Stadt mitzufahren und da dann ein Hostel zu suchen.

So weit, so gut. Er brachte mich zum Bahnhof, weil er selber nicht wusste, wo ein Hostel zu finden wäre und ich dort Gelegenheit hätte, Taxifahrer fragen zu können. Taxis habe ich dort aber nicht gefunden, stattdessen nur komische Leute, die mir auch etwas Angst machten. Ich lief also ein wenig rum und entdeckte eine Straße mit relativ vielen Hotels in denen ich natürlich fragte, wie teuer sie seien. Fast bei allen waren die Preise zwischen 45 und 60 Euro, was mir definitiv zu viel war. Auf der Straße fragte ich dann 3 ältere Damen, ob sie vielleicht wüssten, wo ein Hostel wäre, weil da die Preise ja viel niedriger wären. Nach 10 Minuten Erklärens bekam ich dann auch die goldene Antwort. Ich lief also zum Hostel, das quasi um die Ecke war.

Wie das Übernachtungs-Drama begann

Die Tür war leider zu und ein Mann, der Fernsehen guckte sagte mir durch die Gitterstäbe, dass wahrscheinlich gleich einer kommt. Dann sah ich ein sehr junges Mädel, dass anscheinend auch ins Hostel wollte und dazu noch sehr gut englisch sprach. Nach 2 Minuten waren wir dann auch drin. Ich fragte also nach einem Zimmer, aber bekam statt einer Zusage eher eine metaphorische Faust ins Gesicht. Alle Zimmer belegt.

Wer‘s glaubt, im Hintergrund sah ich eine Menge Schlüssel hängen. Vielleicht war ich einfach zu spät da (22-23 Uhr). Ich habe ihn noch 5 Minuten bequatscht, aber der junge Italiener ließ nicht mit sich reden. Noch nicht einmal meine Tasche konnte ich dort verstauen. Ich bot ihm Geld an, damit ich wenigstens meine Tasche und Wertsachen hierlassen konnte, aber er blieb hart. Ich fand das schon sehr derbe unhöflich, aber wollte mich dann auch nicht weiter aufspielen. Ich fragte in den anderen Hotels, ob ich meine Tasche hätte dalassen können, aber gleiche Reaktion. Keine Chance. Wo bleibt die Italienische Gastfreundschaft?

Übernachtung am Bahnhof von Bologna

Auf der Straße schlafen

Auf der Straße schlafen

Ich ging wieder zurück zum Bahnhof, der mir aber echt ungeheuer war. Also fuhr ich mit dem nächsten Zug nach Bologna, was quasi um die Ecke war, aber eine größere Stadt. Als ich ankam sah ich dann einen Aufenthaltsraum, in dem einige gepennt hatten. Wahrscheinlich hatten sie unterschiedliche Gründe dafür. Die einen waren betrunken und kamen von einer Party, andere warteten auf einen frühen Zug und wieder andere wussten wohl nicht, wo sie schlafen sollten. Das Gute daran war, dass dieser Raum von einer Art Polizist überwacht wurde und noch dazu Kameras in jeder Ecke waren. Also beschloss ich spontan hier mein Schlaflager einzunehmen.

Ich fand leider keine gute Schlafposition und konnte sehr wenig und vor allem schlecht schlafen.

Als wir dann um 4 Uhr morgens rausgeschickt wurden, habe ich mir die Isomatte genommen und mich da vor dem Raum „hingepackt“. In den Armen mein Rucksack. Hier konnte ich schon besser pennen, aber vor allem, weil ich megaaa müde war, es mir irgendwann egal war und ich einfach nur richtig schlafen wollte.

Der zweite Tag im Tramping-Abenteuer

Am Morgen stand ich ca. 9 Uhr auf und machte mich auf den Weg zur Toilette. Die 50 Cent machten mir nicht wirklich viel aus, weil mein Hygienedrang um einiges größer war. Ich wechselte also die Klamotten und putzte meine Zähne. Relativ frisch machte ich mich auf den Weg den letzten Schritt nach Rom in Angriff zu nehmen… Ich suchte mir also einen kleinen Shop und schaute, wie ich auf der Karte am besten in Richtung Autobahn komme.

Das Problem war, dass ich schon bissel Schiss hatte den Daumen wieder zu zeigen, weil es auf die Polizisten drauf ankommt, ob es nun verboten ist in Italien zu trampen oder nicht. Jeder hat mir was anderes gesagt und doch bleibt es nicht ganz klar, was nun erlaubt ist und was nicht. Ich stand nach einer mühseligen Fahrt mit dem Bus und ewigem Fußweg an einer Autobahnauffahrt. Ich hatte sehr lange kein Glück. Nach einer Stunde (ich stand noch nie solange xD) gab ich innerlich auf. Auch weil ich hier keinen richtigen Punkt hatte, um auf mich aufmerksam zu machen. Also bin ich wieder zurück gefahren und sah auf der Karte, dass ich wirklich blöd stand.

Wenn man mit Kopf fährt, würde man anders Richtung Rom fahren. Ich hatte keine Lust wieder eine Stunde zu brauchen, um eine gute Auffahrt zu finden und beschloss wieder schwarz mit dem Zug in die nächste Stadt zu fahren. Sie hieß Firenze und wird auch mal Florenz genannt (habe ich erst inmitten der Reisezeit erkannt, weil viele Englischsprechende Backpacker die Stadt Florenz nennen).

Ich nahm mir ein bisschen Zeit die Stadt zu sehen (war sehr schön) und ich machte mich wieder auf die Suche nach einer geeigneten Autobahnauffahrt. Der Weg war sehr müßig und hat fast ewig gedauert. Ich brauchte wieder 1 ½ Stunden bis zur Autobahnauffahrt, weil ich mich zuvor noch mit dem Bus verfahren habe. Kann ja auch mal passieren, oder? Naja, auf jeden Fall stand ich dann da. Mitten in der Mittagshitze und bei gefühlten Saunatemperaturen. An diesem Tag verfluchte ich die Sonne. Ich stand kurz vor einem Kreisverkehr, in dem man locker an der Seite halten könnte.

Mich verließ das Glück in Italien

Ich stand ca. zwei Stunden da und gab fast auf. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das Trampen echt verflucht. Ich mein dieses Geduldsspiel. Wenn man wenigsten Leute hätte anquatschen können. Ich kam mit dieser Daumennummer noch nicht zurecht. Mir war das einfach suspekt. Ich beschloss dann mal, ein paar Schritt zu gehen und rumzufragen, ob ich hier gut stehe oder nicht, aber ich bekam nur blöde Antworten von wegen: „Fahr mit dem Zug!“ oder „Trampen gibt es hier nicht!“.

Da es schon leichter Nachmittag war, beschloss ich, mir den Stress nicht mehr anzutun und den letzten Zipfel wirklich mit der Bahn zu fahren. Ich meine Rom ist nur noch ein Katzensprung weg und ich hatte keine Lust, den restlichen Tag damit zu verschwenden, hier irgendwie rum zu gammeln oder gar noch einen Tag mehr zu brauchen, um endlich nach Rom zu kommen.

Kauf dich aus dem „Gefängnis“ frei

In meinen Gedanken habe ich mich dann auch nur freigekauft von all dem Stress, den ich an dem Tag durchgemacht habe. Ich meine, man ist ständig am laufen. Man muss ständig gucken, wo man ist und man macht sich andauernd ein Kopf, ob man da gut steht und so weiter (damals gab es noch kein Hitchwiki). Wie schon so oft gesagt ist die Daumen-Methode keine gute für mich. Wobei mir bewusst war, dass es schwieriger in Italien werden könnte. Ich bin auch immer noch der Überzeugung, dass man überall hinkommt, wenn man erstmal auf der Autobahn / Highway ist.

Ich bin also wieder zurück zum Bahnhof und habe mir ein Ticket geholt. 15 Euro schienen jetzt auch nicht so viel zu sein und der Zug war auch sehr schnell da. Ich hatte im Zug ein geschlossenes 6er Abteil für mich. Ich war aber auch nicht lange allein, denn schon nach 15 Minuten kam noch ein junges Mädel mit rein. Ich weiß gar nicht mehr, warum wir ins Gespräch kamen, auf jeden Fall haben wir dann die Fahrt nach Rom zusammen ein wenig gequatscht.

Sie studierte, aber ihre eigentliche Leidenschaft war das Theater, was mich sehr an mich erinnerte. Wir haben viel darüber geredet und auch sonst noch über dies und das gequatscht. Sie konnte auch nicht wirklich gut englisch, aber es hat für die Grundlegenden Sachen gereicht. Irgendwann haben wir uns dann beide etwas Schlaf gegönnt. Bevor wir dann am Ziel waren, habe ich sie auch geweckt und wir sind zusammen raus.

Ich habe ihr gezeigt, wo ich hin muss und sie hat mir den Weg beschrieben und gezeigt wie ich U-Bahnkarten löse. Sie hat mich ganz lieb gedrückt und mir viel Spaß in Rom gewünscht. Das ist doch mal eine herzliche Begrüßung und ich hatte nicht mehr ganz so ein schlechtes Bild von Italien und seinen Einwohnern. Nun war ich in Rom!

Angekommen in Rom – Verzweifelt Getrickst aber immerhin!

War am ersten Abend ein komisches Gefühl, es endlich geschafft zu haben. Nun stellte sich aber die nächste Herausforderung und zwar eines der 5 Hostels zu finden, die ich mir notiert hatte. Ich fuhr also zu dem nächstgelegenen und schaute mich um. Ich fand erst die Straße nicht und bin da eine halbe Stunde rumgegeistert, nachdem ich mich dann doch dazu entschlossen hatte, jemanden auf der Straße zu fragen. Dort wurde mir dann erklärt, dass die Straßen auch mal aufhören und woanders mit den Nummern weitergehen – SUPER. Ich war sehr verwirrt, aber letztendlich habe ich es gefunden.

Ich habe nach einem Platz gefragt und Bingo…. Das Hostel war auch eines mit den besten Bewertungen, die ich bei meiner Recherche im Inernet gefunden hatte. Ich checkte also schnell ein und dann zeigte er mir auch das Bett. Ein sehr langgezogenes Zimmer, dass sich 10 Personen teilten. Das Hostel schien, mit lediglich 3 Zimmern, sehr klein zu sein. Die anderen waren etwas kleiner und wurden sich vielleicht zu 8 geteilt. Es gab auch nur 2 Toiletten in dem auch jeweils auch ne Dusche drin war. Das war nicht sehr überzeugend, aber dafür war das Internet frei. Die Leute im Hostel waren ziemlich freundlich und am Abend unterhielt ich mich mit anderen Hostelbesuchern.

Ich habe ein paar gute Tipps bekommen, was und wo man in Rom machen könnte. Meist sind es ja irgendwelche Europatourer, die maximal 1-3 Tage bleiben und sich dann auf zur nächsten Stadt machen. Die meisten solcher Leute kamen aus Australien, dann Kanadier und schließlich noch die Amerikaner und Neuseeländer. Ich habe 25 Euro gezahlt und dabei war Frühstück und Abendbrot mit enthalten. Leider war ich schon viel zu spät fürs Abendbrot.

Ich habe dann doch noch kurz meine Eltern angerufen, dass ich gut in Rom angekommen bin und habe mich dann langsam bettfertig gemacht. Ich habe lediglich einen Tag gebucht, weil ich mir fast sicher war, dass ich nicht noch länger in diesem Hostel bleiben wollte. Ich habe mich dann abends noch kurz an den PC gesetzt, meine Mails etc. durchgesehen und nach anderen Hostels gesucht. Dabei fand ich wieder eins, was ich schon zu Hause rausgesucht hatte. Dort sollte es am nächsten Tage hingehen und dann mal sehen… Ich ging kurz vor 23:00 Uhr zu Bett und schlummerte sehr schnell ein, denn immerhin war es irgendwie ein anstrengender und stressiger Tag gewesen.

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