Mit Dating-Apps auf Reisen Kontakte knüpfen

Tinder als Alternative zu Couchsurfing nutzen? Auch wenn manche es praktizieren, ist es wohl nicht zu empfehlen. Ein erstes Treffen über eine Dating App unterscheidet sich jedoch nicht so sehr von dem Gefühl, alleine auf Reisen zu gehen. Du weißt nie, was dich erwartet oder was dir begegnet, wen du triffst. Außerdem sind Dating Apps während deiner Reise manchmal sogar ganz nützlich, nicht um eine Couch für die Nacht zu finden, sondern um ganz einfach Kontakte zu knüpfen. Ich habe gezielt nach „Freund*innen“ gesucht und ein paar wirklich tolle Menschen kennengelernt.

Genutzt habe ich die englischsprachige Dating-App OkCupid. Sie kommt mir etwas seriöser vor als Tinder, Lovoo und ihresgleichen, obwohl sie dem gleichen oberflächlichen Prinzip folgt. Man beurteilt Menschen anhand ihrer Profilbilder und wischt sie in die entsprechende Richtung. Mit nur einem Unterschied: Man bekommt einen Prozentsatz, der die Kompatibilität der beiden Nutzer*innen einschätzt.

Ich habe es mit OkCupid probiert

Zu Beginn, nach der Registrierung auf OkCupid, stellt die App den oder die neue Nutzer*in nämlich eine Reihe von Fragen nach politischen Ansichten und inneren Werten, Hobbies und Reisezielen bis hin zu sexuellen Vorlieben und Ansichten zur Offen- und Geschlossenheit von Beziehungen.

Darum wird die App auch oft von Menschen genutzt, deren Beziehungsmodelle von der traditionellen Form abweichen oder die polyamorös leben. Sprich, unter den Menschen, die sich auf der Plattform tummeln, befinden sich oft auch sehr alternative und offene Charaktere. Sehr spannend, wie ich fand, da ich genau diese alternative Szene in London erkunden wollte, jedoch noch über keine Kontakte verfügte.

Freundschaft

Anhand der Multiple-Choice-Fragen – du kannst so viele beantworten, wie du möchtest – wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt, welches mit den Interessen oder Charakterzügen der anderen User*innen abgeglichen wird. Dies wird dir dann in einem Prozentsatz bei den vorgeschlagenen Profilen angezeigt. Je höher die Prozentzahl, desto mehr Fragen habt ihr gleich beantwortet. Du kannst die weiteren Bilder, sowie den Profiltext der Person als auch die Antworten auf den Fragenkatalog einsehen.

Das ermöglicht es einem, relativ schnell herauszufinden, auf was die Personen aus sind. Sei es unverbindlicher Sex, eine Beziehung oder eben neue Kontakte und Freundschaften. Natürlich kann man nicht nach Freundschaften suchen, genauso wenig wie man nach einer Beziehung suchen kann. Aber geht man meiner Erfahrung nach doch viel lockerer an ein Treffen heran, wenn man keine Beziehung im romantischen Sinne erhofft, sondern nur einen guten Austausch.

Wieso über eine Dating-App nach Freund*innen suchen?

Mit diesen Erwartungen habe ich ganz groß in mein Profil angegeben, dass ich lediglich auf der Suche nach neuen Bekanntschaften bin, die mir die Stadt von einer neuen Seite zeigen können. So habe ich viele spannende Leute kennengelernt, von denen ich eine Person heute mit zu meinem Freundeskreis zähle und konnte viele neue Orte erkunden.

Du fragst dich vielleicht, wieso ich nicht Kontakte in meinem direkten Umfeld geschlossen habe, sondern dafür auf eine Dating App zurückgegriffen habe?

Obwohl ich eine kontaktfreudige Person bin und normalerweise leicht Anschluss finde, habe ich nach einer Woche in London gemerkt, dass meine neuen Arbeitskolleg*innen während des Praktikums zu beschäftigt sind. Oder hauptsächlich Trinken als Freizeitbeschäftigung vorzogen. Das war etwas, dem ich nicht beiwohnen wollte. Zudem London eine äußerst teure Stadt ist und vor allem Alkohol dein Geld sehr leicht liquidiert.

 

Reisepartner

Die meiste Zeit war ich in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und auf der Arbeit. Ich kannte kaum Menschen und hatte auch keinen akuten Hobbys, denen ich nachging, um neue Menschen kennenzulernen. Oder mit jemandem über ein gemeinsames Thema über den Small Talk hinaus ins Gespräch zu kommen. In so großen Städten leben zu viele Menschen so dicht beieinander und man hat Hunderte an Interaktionen am Tag – auf der Arbeit, in der U-Bahn, im Bus, beim Einkaufen, beim Spazierengehen oder Gassi gehen – und doch versinkt man in der Anonymität der Masse. Jede*r ist an seinem Smart Phone und schert sich nicht um seine Mitmenschen.

 

Allein unter Hunderttausenden

Ich habe das erste Mal so richtig verstanden, wieso Menschen in Millionenstädten vereinsamen können. Dafür musst du in keiner Einöde oder auf dich allein gestellt leben. Es ist schwer, als Fremde*r den Einstieg in ein bereits bestehendes Netzwerk oder eine Personengruppe zu finden und dann auch noch auf ehrliches und aufrichtiges Interesse an der eigenen Person zu treffen.

Andere Menschen sind auch einfach schüchterner und introvertierter, sodass es sie viel Überwindung kostet, auf Fremde zuzugehen. Auch dann kann eine Dating App zum Networking helfen, erste Hürden der Kontaktaufnahme und Kommunikation zu überwinden. Ob man sich beim Treffen im echten Leben dann tatsächlich so gut versteht wie online, bleibt noch einmal dahingestellt. Doch das findet man sehr schnell heraus.

Per Dating-App Kontakte knüpfen, geht

Wenn du also deine Absichten, mit denen du dich bei der Dating-App angemeldet hast und sie verwendest, verständlich und offen kommunizierst, kannst du auf deinen Reisen super Kontakte knüpfen. Ich habe viele Einheimische kennengelernt, die mir den Londoner Lifestyle, coole Locations und urige Pubs authentisch näher gebracht haben. Dank meiner neu gewonnen Freundin (ja, ich habe Zwecks Freundschaften nach beiden Geschlechtern gesucht und nicht nur nach Bildern sondern hauptsächlich nach dem Profiltext beurteilt) habe ich nun immer einen Ort, an dem ich willkommen bin, wann immer es mich wieder nach London verschlägt.

Wem Dating Apps zum Kontakteknüpfen nicht geheuer sind, der kann selbstverständlich auch auf andere Kommunikationsportale oder Gruppen zurückgreifen. Couchsurfing bietet regelmäßig Events an. Umkreissuche Apps helfen, Menschen in deinem Umkreis zu finden, die Zeit haben. PartyWith ist etwas für die Nachteulen unter euch. Dazu gehören auch die unzähligen Facebook oder Couchsurfing Gruppen und nicht zu vergessen deine Hostelküche.

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