Der ultimative Roadtrip durch den Südwesten Deutschlands

roadtrip deutschland

Den Urlaub verbringt man am liebsten in der Ferne, so weit weg von zu Hause wie nur irgend möglich. Damit man dieses heimische Gefühl auch bloß abschüttelt, sonst kann man sich ja gar nicht entspannen. Das nehmen sich jedenfalls viele vor in Gedanken an den nächsten Urlaub. Dabei braucht man gar nicht weit zu reisen, um Neues zu entdecken. Vor allem nicht in Europa, wo wir die Vielfalt doch gerade nahezu vor der Nase haben. Deutschland ist mit seiner zentralen Lage der perfekte Ausgangspunkt für einen Roadtrip mit Tagesausflügen in die Nachbarländer. In diesem Artikel nehme ich dich mit auf meinen zweiwöchigen Roadtrip durch den Süden und Westen Deutschlands mit Abstechern in die Niederlande, Frankreich und Österreich.

1.847 Kilometer in 14 Tagen, das ist zugegeben etwas sportlich, aber Deutschland hat so viel Schönes zu bieten und ich bin eine begeisterte Autofahrerin.

Die Reiseroute

Der Plan für en Roadtrip war, den Südwesten Deutschlands und die angrenzenden Nachbarländer zu erkunden – immer entlang der deutschen Grenze mit Abstechern und Tagestrips in die Niederlande, nach Belgien, Frankreich, Österreich (und Liechtenstein). Wieso Liechtenstein in Klammern steht? Weil ich die Mautgebühren vergessen hatte und lieber mehr Zeit in Österreich verbrachte.

reiseroute google maps

Reiseroute Foto: Google Maps

Hier die einzelnen Reiseetappen:

  • 1.+2. Tag: Köln und /Maastricht
  • 3. Tag: Trier
  • 4.+5. Tag: Straßburg
  • 6.+7. Tag: Bodensee
  • 9.-11. Tag: Österreich
  • 12. Tag: München und Dachau
  • 13. Tag: Heidelberg
  • 14. Tag: Würzburg

Planung des Roadtrips

Unterwegs waren wir (ein amerikanischer Freund und ich) mit dem Auto. Die Übernachtungen haben wir vorab und während unserer Reise über AirBnB und booking.com gebucht. Es waren meistens günstige Hotels, kleine Apartments bei Ortsansässigen, da wir selbst Studenten sind und nur ein geringes Budget zur Verfügung haben. Dennoch war uns unsere Privatsphäre wichtig, weshalb wir von Hostels mit 20-Bettzimmern absahen. Die befinden sich in Mitteleuropa so oder so fast in der gleichen Preisklasse wie ein Zweibettzimmer bei einem Privatanbieter.

Wir übernachteten meist außerhalb der Großstädte, da es dort wesentlich günstiger war und es meist keine bezahlbaren Parkmöglichkeiten über Nacht in der Stadt gab. So sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Städte gefahren oder haben Tagesausflüge gemacht, für die wir nur einen entsprechenden Parkplatz oder eine ruhige Wohngegend zum Parken finden mussten.

Köln und Maastricht

Da ich in der Nähe von Köln studierte und mich dort einigermaßen auskenne, war das unser Startpunkt. Die Rheinmetropole besitzt mit dem Kölner Dom die zweithöchste Kirche Deutschlands. Es lohnt sich auch, die Stadt vom Dach des Doms aus zu bestaunen! Dann kann man hunderte von Touristen mit Selfie-Sticks, die täglich den Dom umrunden, zumindest von oben betrachten (und hat einen spektakulären Blick auf die Hohenzollern-Brücke und bei gutem Wetter sogar bis ins Siebengebirge). Denen, die länger in Köln verweilen wollen, kann ich auch das Schokoladenmuseum ans Herz legen.

Weniger empfehlen kann ich Kölns Parkleitsystem. Parkplätze, die besetzt waren, wurden als frei angezeigt und die Führung selbst ist ziemlich irreleitend. Es empfiehlt sich ein modernes Navigationsystem oder eine App mit den aktuellen Straßenkarten dabei zu haben.

koeln

Köln

Abends fuhren wir  weiter zur malerischen Universitätsstadt Maastricht, kurz hinter der niederländischen Grenze.

Kopfsteinpflaster, krumme Häuschen, enge Gassen und Straßenkunst, das charakterisiert Maastricht. Das Stadtzentrum ist gut zu Fuß zu erkunden. Da Maastricht bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine befestigte Stadt war, kann man heute noch die Stadtmauern, die Befestigungsanlage sowie Überreste mittelalterlicher Bauten und die Katakomben erkunden (sehr empfehlenswert!).

Übernachtet haben wir in einem Ibis Budget Hotel in der Nähe von Stein. Von dort sind es nur 20 Kilometer mit dem Auto bis in die Stadt. Kostengünstige Parkplätze gibt es in der ganzen Stadt.

Trier und Straßburg

Von Maastricht führte uns unser Roadtrip nach Trier. Wir fuhren durch Belgien und ließen uns von dem Navi nicht über die Autobahn, sondern durch kleine Dörfer leiten, um etwas von der wunderschönen belgischen Eifellandschaft zu sehen. Die Region ist sehr ländlich und spärlich besiedelt, was sie umso schöner macht.

weinregion

Weinregion Mosel

Als wir uns Trier näherten, wichen die bewaldeten Hügel langsam den Weinfeldern. Entlang der Mosel erstreckt sich eine traumhaft schöne Weinregion. Weinreben, soweit das Auge reicht, und sanfte Hügel, in deren Schoß die Mosel fließt.

Trier, eine der schönsten historischen Städte Deutschlands

Trier zählte zu den größten Metropolen des römischen Reiches und ist auch heute noch ein geschichtliches Zentrum der Antike. Durch die Mosel wurde es zu einer wichtigen Handelsstadt, die mit dem Schiff erreichbar einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt in der römischen Infrastruktur darstellte.

Viele Bauten aus dem Imperium Romanum sind heute noch zu sehen: das Amphitheater, die Barbarathermen, die Kaiserthermen, die Thermen am Viehmarkt und natürlich die Porta Nigra, Triers Wahrzeichen. Die Führung durch das relativ übersichtliche Amphitheater ist nett inszeniert und eine Überlegung wert, eine Erlebnisführung durch die Porta Nigra gehört jedoch zum Pflichtprogramm. Der Stadtführer als römischer Soldat verkleidet – ganz im Stil von Asterix und Obelix – nimmt die Gruppe mit auf eine lebendige Zeitreise zurück in die Blütezeit der Porta Nigra ins Jahr 170 nach Christus. Sehr empfehlenswert.  Schwarz verfärbte sich die Porta Nigra (Schwarzes Tor) übrigens erst später, als der Sandstein zu verwittern begann.

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Porta Nigra

Auf dem Weg zur Porta Nigra durch das Stadtzentrum – es ist alles fußläufig nahe beieinander – überquert man den Kornmarkt und den Hauptmarkt, zwei wunderschöne Marktplätze gesäumt von reich verzierten Handelshäusern. Vom Hauptmarkt aus hat man auch Zugang zum Judenviertel und der Judengasse, zur Stadtkirche und zum Dom.

Übernachtet haben wir auch hier nicht in der Stadt, sondern etwas abseits in einem gemütlichen Hotel mit Blick auf die Weinberge. In Trier kann man übrigens auch sehr schön zelten oder campen.

Mit der Tram von Kehl nach Straßburg

Am fünften Tag nächtigten wir in einem Vorort von Kehl, um einen Tagesauflug ins französische Straßburg zu unternehmen. Eine Tramlinie, sowie eine Auto- und eine Fußgängerbrücke über den Rhein, der natürlichen Grenze beider Länder, verbindet Kehl mit Straßburg.

Frankreich ist bekannt für seine gotischen Bauten, allen voran die Notre Dame in Paris. Auch in Straßburg steht ein Münster aus dem 12. Jahrhundert. Der Baustil des Sandsteingebäudes, die Westfassade und das blumenartige Fenstermotiv (Rosette) über dem Eingang erinnern mich tatsächlich an die Pariser Notre Dame.

strassburg

Straßburg

In Deutschland schätze ich körniges und dunkles Brot und in Frankreich Baguettes. Keiner weiß so gute Baguettes zu backen wie die Franzosen und das schmeckt man schon die wenigen Kilometer hinter der Grenze. Ich will Straßburg nun nicht nur nach dem Essen beurteilen, aber das war eigentlich genau das, was wir den ganzen Tag taten: uns durchprobieren. Französische Pommes, deftige Crêpes gefüllt mich Ziegenkäse und Pilzen (nicht nur die süße Variante mit Zucker oder Nutella, die es auf unseren Märkten und Rummelfesten gibt), ofenfrisches Baguette und auch belgische Waffeln.

Mit der Beute an Köstlichkeiten suchten wir uns ein schönes, schattiges Plätzchen und bewunderten La Petite France, das mich auch an ein kleines Venedig mit französischem Charme erinnerte und beobachteten die Menschen.

Bodensee und Österreich

Die nächsten fünf Tage unseres Roadtrips verliefen entspannt und dennoch sehr abwechslungsreich. Unser Weg führte uns an den Bodensee. Dort verbrachten wir eine Nacht besser Ort angeben und drei Nächte etwas abseits im voralpinen Österreich in einem kleinen Apartment, wanderten, schwammen im See und besichtigten die Städte rund um den Bodensee.

friedrichshafen

Friedrichshafen

Wir fuhren von der westlichen Seite zum Bodensee und klapperten die deutsche Uferseite ab. Unseren ersten Zwischenstopp machten wir am Schloss und Kloster Salem, dem Sitz des früheren Zisterzienserordens. Mittags erreichten wir Friedrichshafen, die zweitgrößte Stadt am Bodensee nach Konstanz.

Zeppeline in Friedrichshafen

Friedrichshafen vereint das Flair süddeutscher Kleinstädte: süße Fachwerkhäuser, hölzerne Fensterläden und Geranien. Die Stadt ist außerdem für ihr Zeppelinmuseum bekannt, was sie stolz zur Schau trägt, indem sie Zeppelinfahrten über den Bodensee anbietet. Ein touristisches Highlight, das ich nicht beurteilen kann, da es mir mit 255 Euro für 30 Minuten schlichtweg zu teuer war. Aber haltet nach den Zeppelinen Ausschau. Dafür ist es kostenfrei an der Uferpromenade entlang zu flanieren, einen geeigneten Badeplatz zu finden und einfach in das kühle Nass zu hüpfen.

bodensee

Bodensee

Auch sehenswert ist das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen direkt am Bodensee. Das Museum beherbergt ein kleines, nachgestelltes Dorf mit rekonstruierten Pfahlbauten aus der Bronze- und Steinzeit, welches man besichtigen kann. In den Räumen ist das Leben der Menschen aus der frühen Bronze- und Steinzeit szenisch und lebensecht nachgestellt.

Griaß di Österreich

Übernachtet haben wir die nächsten drei Tage in einer kleinen Ferienwohnung mit Schlafzimmer, Küche und Bad in Möggers, einem 534-Seelen-Dörfchen im Vorarlberg -ungefähr 900 Meter über dem Meeresspiegel und 20 Minuten kurvenreiche Autofahrt bergaufwärts hinter der deutsch-österreichischen Grenze. Die Pension („Lebenslust“, Dorf 11) kann ich nur wärmstens empfehlen. Ich wurde selten so vertraut und herzlich behandelt und für wenig Geld standen morgens sogar frische Brötchen mit Butter und selbstgemachter Marmelade und einem „Griaß di“-Zettelchen vor die Tür.

Da man im Österreich auch als Pkw-Fahrer Mautgebühren für das Benutzen der Autobahn zahlen muss haben wir davon abgesehen, Österreich näher mit dem Auto zu erkunden. Dafür sind dir zu Fuß keine Grenzen gesetzt.

wandern oesterreich

Wandern Österreich

 

Von Möggers aus kannst du beliebig lange über den Höhenwanderweg durch die Voralpen wandern und den Berg Pfänder erklimmen. Von Scheidegg aus hast du einen Panoramablick auf die Hauptstadt von Vorarlberg, Bregenz.

Ein Tag in München und Dachau

Nach der Ruhe und dem Landidyll erwies sich die folgende Großstadt als keine glorreiche Idee. Wir hatten diesmal ein günstiges Hotel im Herzen Münchens gefunden und das Auto in der nächstmöglichen Seitenstraße geparkt. Da es den ganzen Tag regnete habe ich leider nicht mehr als die Hektik des Bahnhof- und Marienplatzes aufnehmen sowie ein Restaurant von innen sehen können.

Dafür hatten wir bei dem Besuch des Konzentrationslagers (KZ) Dachau umso besseres Wetter. Der Eintritt in die Gedenkstätte ist kostenfrei, es ist ein Stück Kultur und Zeitgeschichte, das sich jeder ansehen kann und sollte. Zu sehen sind die Dienstgebäude der SS, der Appellplatz, das ehemalige Lagergefängnis, rekonstruierte Baracken, die zwei Krematorien (Verbrennungsöfen) und die Außenmauer mit Sicherheitstüren.

Heidelberg, eine der malerischsten Städte überbaupt

Weiter ging es nach Heidelberg. Die Stadt gilt als eine der schönsten Städte Deutschlands. Zurecht. Der Blick vom Philosophenweg über Neckar, Altstadt und Schloss ist in vielen Gemälden verewigt. Das Heidelberger Schloss ist wunderschön.

Für die Besichtigung des Schlosses solltest ihr jedoch einen ganzen Tag einplanen. Es ist weitläufig und es gibt viel zu erkunden. Das Schloss erreicht man durch einem 15-minütigen Fußmarsch von der Altstadt aus oder mit der Bergbahn am Nordhang des Königstuhls. Auch schön sind der Kornmarkt in der Altstadt mit der ehemaligen kurfürstlichen Apotheke, dem Haus Ritter und der Heiliggeistkirche.

heidelberg

Heidelberg

Übernachtet haben wir in einem Motel wieder etwas außerhalb. Hier muss ich jedem raten, wenn ihr so spontan von einem Tag zum anderen Übernachtungen online bucht wie wir, prüft jede Buchung zweimal oder ruft am besten bei dem Anbieter direkt an! Ich habe schon so oft für das falsche Datum gebucht oder es gab technische Unstimmigkeiten bei der Reservierung, wenn ich über Drittanbieter wie booking.com gebucht habe.

Würzburg und Festung Marienberg

Am letzten Tag unseres Roadtrips schauten wir uns die Universitätsstadt Würzburg an. Eine quirlige Stadt mit einer belebten und relativ großen Altstadt, in der sich kleine Boutiquen, individuelle Kunst- und Blumenläden und duftende Backgeschäfte aneinanderreihen. Wir haben uns auch die Festung angeschaut. Diese thront auf der anderen Mainuferseite gegenüber der Altstadt.

wuerzburg

Würzburg

Die Marienfestung und ihr Museum selbst sind einen Blick wert. Es ist umfangreich und zeigt mit ausgestellten Gemälden, Skulpturen, Rüstungen und Einrichtungsgegenständen die verschiedenen Epochen der Festung und das Leben ihrer Bewohner. Die ältesten Teile der Festungen stammen von oder aus dem Jahr 704 n. Chr., die Burganlage selbst aus dem 13 Jahrhundert. Die Burg ist von Weinreben umsäumt. Von ihrer Anhöhe hat man einen wunderbaren Blick auf die alte Universitätsstadt mit ihren Kuppeln, Türmen und Brücken.

Wenn du das nächste Mal ein oder zwei Wochen Zeit hast oder deinen Urlaub planst, sei doch einfach mal spontan. Schnapp dir deine Freunde, tank das Auto für einen Roadtrip oder buche die Netflix-Busse. In Deutschland gibt es so viel zu entdecken.

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