Was tun gegen Catcalling auf Reisen? Ein Annäherungsversuch.

„Hey Schnecke“, „geile Fotze“ oder auch einfach nur ein langgezogener Pfiff verbunden mit einem lüsternen Blick. Wenn man nicht darauf reagiert, wird gerade noch einmal draufgelegt. Ekelhaft. Einfach widerlich. Was kann man gegen Catcalling und aufdringlichen, wenn nicht sogar beängstigenden Anmachen im Urlaub tun? Diese Frage geht an Euch, liebe Blogleser*innen. Leider gibt es keinen Universalschutz vor diesen verbalen Übergriffen . Ich habe mir in diesem Blogpost ein paar Lösungsansätze bzw. Annäherungen zurechtgelegt. Wichtig: Jede*r kann mithelfen, die Situation zu entschärfen. Denn auch im Urlaub oder in fremden Kulturkreisen solltet ihr Catcalls nicht unkommentiert lassen.

Dieser Text entsteht aus Frust. Nicht nur aus Frust vor der Anstandslosigkeit von Menschen (hauptsächlich der Männerwelt), sondern allen Beistehenden. Und unserer Gesellschaft. Das ist traurig, doch nötig.

Zuallererst: Catcalls, wie eingangs beschrieben, sind KEINE Komplimente. Sie sind übergriffige, verbale Äußerungen. Unangemessen und unhöflich. Sie haben mir den halben Urlaub versaut. (Den Rest haben der Sonnenschein und die wunderschöne Natur gerettet.) Wo ich mich herumgetrieben habe? In Ägypten oder Kuba mag man meinen, da solche Situationen für alleinreisende Frauen in diesen Ländern Alltag sind. Nein, so weit bin ich gar nicht gekommen. Ich war in München, Deutschland und Wien, Österreich. Corona sei Dank.

Zugegebenermaßen, ich weiß nicht mit Catcalls umzugehen – weder zu Hause im Alltag und noch weniger im Urlaub. Gerade in einer fremden Gegen oder Sprach- und Kulturkreis fühlt man sich nicht immer sicher oder ist von zu vielen neuen Reizen überflutet, um schlagfertig oder überhaupt zu reagieren. Männer hingegen fühlen sich umso mehr bestärkt, endlich tun und lassen zu können, was sie wollen.

Dieser Text spricht bewusst von Männern als den Tätern und Frauen als den Opfern, da ich noch nie von einem umgekehrten Fall gehört habe. Belehrt mich gerne eines Besseren.

Catcalls von Einheimischen und anderen Touristen

Wenn ich einen Mann an meiner Seite habe, ist jedoch noch nie etwas passiert. Klar, da wollte mich einmal ein ägyptischer Händler für 15 Kamele abkaufen (den Wert konnte ich bis heute noch nicht umrechnen), doch ist der eigene Vater dabei, passiert natürlich nicht sonderlich viel. Doch wäre es in solchen Situationen nicht schön, ein Mann zu sein und die Oberhand in diesen ekligen patriarchalen Strukturen zu haben? Die Frage ist und bleibt rein theoretisch. Niemand soll die Oberhand haben, Gleichberechtigung und Begegnungen auf Augenhöhe sind das einzig Angemessene.

Doch denken wir das Gedankenspiel einmal weiter und drehen den Spieß um: Lieber Männer, was würdet ihr tun, wenn ihr gecatcalled werdet? Das Verhalten ansprechen? Kontern? Aggressiv werden? Nichtssagend davonhuschen? Das sind die handvoll Optionen, die einem in einer solchen Situation zur Verfügung stehen.

Aggressiv werden und Gewalt provozieren, würde niemandem etwas bringen. Das Verhalten ansprechen und aufklären, ist auch nicht immer die beste Option. Denn eure Aufmerksamkeit ist gerade das, was sie durch den Catcall erhaschen wollen. Wegschauen und einfach vorbeigehen – das mache ich die meiste Zeit, doch es hinterlässt einen sehr fahlen Beigeschmack und ändert nicht wirklich etwas an der Situation. Die für mich beste Option ist immer noch ein guter Konter, der jedoch keiner Antwort bedarf. Stellt ihr Fragen, zeigt ihr Interesse. Genau das solltet ihr vermeiden.

Menschen, Kultur und Traditionen

Möglichkeiten, sich gegen Catcalls zu wehren

Dafür kann man jedoch den Moment benennen, sagen, was der Mensch macht und das er etwas anderes tun soll oder es woanders tun soll wie: „Hören Sie mit dem Glotzen/Stöhnen/Pfeifen auf und gehen Sie weiter!“ Am besten macht ihr es so, dass es andere mitbekommen.

Eine andere Möglichkeit ist, ein Handy zu zücken und das ganze per Bild oder Video festzuhalten. Notfalls mit einer Anzeige drohen. Das macht den meisten Menschen Angst. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht überall anwendbar. In Frankreich, Portugal, Belgien und den Niederlanden ist Catcallig beispielsweise es illegal und strafbar.

Doch in anderen Ländern und Kulturkreisen ist es üblich und wird gesellschaftlich nicht als frivol angesehen. In Kuba sogar fast schon ein Alltagssport. Außerdem: Vielleicht sprecht ihr gar nicht die Sprache eures Urlaubsortes und könnt euch nicht ausreichend verständigen.

Alle gegen Catcalling!

Alleine ist es also fast unmöglich, die Situation zu lösen. Es braucht meiner Meinung nach Unterstützung. Unterstützung von allen. Männer und alle Beistehenden sollten sich aktiv gegen sexuelle Belästigung und Catcalling gegen Frauen einsetzen. Wenn ihr etwas seht oder merkt, helft mit. Sprecht es an. Nicht aggressiv, sondern sachlich und nüchtern. Fragt die betroffene Person, ob alles in Ordnung ist. Stellt den oder die Täter bloß und gebt ihnen zu verstehen, dass das, was sie machen, nicht in Ordnung ist. Zu Hause und im Urlaub. Nur zusammen können wir für das Thema sensibilisieren und dagegen vorgehen.

Welche Erfahrungen habe ihr mit Catcalling (im Urlaub oder auf Reisen) gemacht? Wie geht ihr damit um? Was hat sich bewährt und wie kann man sich über kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren hinwegsetzen?

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