Mathare Slum in Kenia – Im Schatten der Wohlhabenden Nairobis

Kenia Kinder

Als ich zum ersten Mal Kenias zweitgrößten Slum betrete, blicke ich auf ein endloses Meer aus Wellblechdächern und Lehmhütten. Brennende Müllberge qualmen vor sich hin und erschweren mir die Sicht auf den holprigen Weg der vor mir liegt. Beim fürchterlichen Geruch einer Mischung aus Alkohol, Urin, Kot und verbranntem Plastik, fällt mir das Atmen schwer und ich realisiere was es bedeutet am Rande der reichen Zivilisation Nairobis zu leben. Während auf der anderen Seite Nairobis die Menschen in sicheren und überwachten Vororten leben, zeigt sich die moderne Stadt hier von seiner weniger glanzvollen Seite.

Das Leben am Rande der Armutsgrenze

In den Elendsviertel Mathare und Kibera leben 1,5 Millionen Menschen in fensterlosen Behausungen auf 2 X 2 Metern unter katastrophalen Lebensbedingungen. Es gibt weder eine Infrastruktur, Wasser- und Stromleitungen, noch befestigte Straßen. Während der Regenzeit versinken die Bunker des Slums im Dreck und Schlamm. Die Seuchengefahr ist deswegen in dieser Zeit hoch und so zerstören die Schlammmassen nicht nur Bauten, sondern auch Leben.

Genau hier treffe ich mich mit dem Leiter eines sozialen Schulprojektes, Christopher. Während wir durch kleine winzige Gänge des endlosen Slum-Labyrinths schlupfen, vorbei an spitzen Blechdächern und dem verseuchten, stinkenden Fluss der an den Behausungen vorbeifließt, begegne ich vor allem betrunkenen Männern und kleinen Kindern. Die Säuglingssterblichkeit ist hoch und das Risiko der Mütter, an den Folgen einer Geburt zu sterben, ebenso. Laute Reggae-Musik klingt aus den Lautsprechern einiger Bewohner und verpasst dem Geschehen einen makabren Beigeschmack.

Mathare Slum, Nairobi

Blechhütten im Slum – Das Zuhause vieler Menschen

Leere Versprechungen der Regierung

Christopher berichtet über ein Stadtentwicklungsprogramm, welches 2003 von der Regierung und dem UN-Habitat zur Slummodernisierung gegründet wurde. Mithilfe des Darlehens einer Bank von mehr als 250.000 Dollar, einem globalen Zusammenschluss von lokalen Behörden, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen konnten 2009, 600 Familien in neue Apartmenthäuser ziehen. Doch heute, ein paar Jahre später sind die Wohnungen baufällig, die Kanalisation verstopft und die Regierung fühlt sich nicht mehr verantwortlich.

Bildung – der Schlüssel zur besseren Welt

Wir kommen zur kleinen Schule, welche von Christopher geleitet wird. Die Kinder dort sind quirlig und aufgedreht als sie mich den weißen Neuankömmling sehen. Trotz des herrschenden Elends wirken sie glücklich. Es wird viel gelacht und die Stimmung innerhalb der Klasse ist gut. Zur Mittagspause gibt es Ugali – Getreidebrei aus Maismehl. Jennet, die Köchin des Projektes kocht jeden Tag für die Klassen. Finanziert wird sie hierbei allein durch Spenden. Danach rennen alle auf den großen Fußballplatz unterhalb der ewigen Treppe.

Neben dem brennenden Müllhaufen wird Seilgesprungen und Fußball gespielt. Die Kinder haben Spaß am Lernen und vor allem die Älteren wissen um die Chance, die Christopher ihnen bietet. Sie geben sich Mühe um sich eines Tages vom Leben zwischen Staub, Müll und Dreck zu befreien. Sie haben die Hoffnung auf ein besseres Leben noch nicht aufgegeben und sind motiviert ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Für die Kinder ist Bildung der Schlüssel zu einer anderen Welt, somit ist das Ziel eines Jeden, eine weiterführende Schule zu besuchen

Schulkinder im Mathare Slum

Soziales Schulprojekt Mumo Deutschland e.V.

Gewalt bestimmt den Alltag im Slum

Die häufigste Todesursache im Slum Nairobis ist Mord. Innerhalb der Gegend gibt es keine einzige Polizeistation. Es hat den Anschein, als hätte die Polizei diesen Ort aufgegeben. Für die Menschen dort gilt das Faustrecht. Raub, Diebstahl, Drogenkonsum und häusliche Gewalt gehören zur Tagesordnung.

Soziale Projekte

Dennoch gibt es Menschen, die den Ort des Verderbens noch nicht aufgegeben haben und durch soziale Unterstützung oder Spenden wertvolle Hilfe leisten.

MUMO Deutschland e.V.

Christopher und sein Lehrerteam betreuen und unterrichten die Kinder des Slums. Das Ziel ist es die Kinder durch Spenden zu unterstützen. Durch diese, haben sie die Möglichkeit eine weiterführende Schule zu besuchen. Gründer des Vereins sind drei deutsche Frauen. Mehr Infos zum Projekt und wie du helfen kannst, findest du hier.

Baraka Klinik

Die Baraka Klinik im Mathare Valley besteht aus sechs deutschen Ärzten und 80 weiteren Mitarbeitern. Neben der allgemeinmedizinischen Behandlung liegt der Schwerpunkt in der Arbeit mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken. Das Ernährungsprogramm stellt sich als ebenso wichtig dar, da Unterernährung wesentlich zur Kindersterblichkeit beiträgt.

Unterstütze die Baraka Klinik hier.

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